EU will stärkere Zusammenarbeit von TikTok und Meta mit Faktencheckern
Nach Angaben der EU-Kommission sollen TikTok sowie der Meta-Konzern mit Facebook und Instagram künftig enger mit Faktenprüfern kooperieren, um Situationen wie die Migrationskrise in Ceuta frühzeitig einzudämmen. Dazu wurde ein freiwilliger Krisenmechanismus eingeführt, über den externe Prüfer den Plattformen schneller Hinweise auf problematische Falschinformationen geben können.
Ein Sprecher der Kommission erklärte, Faktenchecker könnten dabei schädliche Desinformation melden, etwa wenn in sozialen Netzwerken Gerüchte über eine bevorstehende größere Grenzüberquerung verbreitet würden.
Ende Juli hatten Zehntausende Menschen aus Marokko die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überschritten. Der Ansturm auf die nordafrikanische Stadt löste eine politische Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen aus. Offenbar trugen auch soziale Netzwerke zur Entwicklung bei: Viele Migranten berichteten, Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok hätten den Eindruck vermittelt, die sonst streng kontrollierte Grenze sei offen. Zudem verbreitete sich demnach die Erwartung, in Ceuta Unterkünfte zu finden und später auf das spanische Festland weiterreisen zu können.
Lokale Faktenchecker im Fokus
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen hatte den Plattformen zuvor indirekt eine Mitverantwortung an den Ereignissen zugeschrieben. Am Montagabend kündigte sie auf X eine engere Zusammenarbeit zwischen den großen Onlinediensten und Faktencheckern an, ohne zunächst weitere Einzelheiten zu nennen.
Wie die Kommission nun mitteilte, koordiniert sie den neuen Mechanismus selbst. Vorgesehen ist, vor allem Prüfer einzubinden, die mit den Verhältnissen vor Ort vertraut sind. Sie sollen TikTok sowie Facebook und Instagram dabei unterstützen, irreführende Inhalte schneller zu erkennen.
Bereits jetzt verpflichtet der Digital Services Act (DSA) große Online-Plattformen dazu, Risiken durch Inhalte auf ihren Diensten vorzubeugen. Diese Vorgaben gelten allerdings nur für Inhalte, die Nutzern innerhalb der EU angezeigt werden.
TikTok erklärte auf Anfrage, man habe wegen der sich zuspitzenden Lage in Ceuta bereits eine eigene Taskforce aktiviert. Dies sei Teil eines etablierten Verfahrens zum Umgang mit Krisensituationen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber