Wissen

Plötzlich wird’s dunkel: Finsternis über Europa

Diese Sonnenfinsternis verzeiht keinen Fehler: Warum Ort und Minute alles sind – und was hinter dem seltenen «spanischen Trio» steckt.

12.08.2026, 04:00 Uhr

Meist klarer Himmel bei Sonnenfinsternis – und später beste Chancen für die Perseiden

Gute Nachrichten für Himmelsbeobachter: Bei der partiellen Sonnenfinsternis am Abend stehen die Chancen auf freie Sicht in weiten Teilen Deutschlands sehr gut. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes herrschen fast überall optimale Bedingungen, um das Himmelsschauspiel zu verfolgen. Nur im Norden ziehen demnach einige Wolken durch, die den Blick mancherorts etwas stören könnten.

Millionen Menschen dürften am Abend gebannt zum Himmel schauen, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt. In großen Teilen Europas sorgt das für ein ungewohntes Dämmerlicht, mancherorts sogar für kurze Dunkelheit. Weil die Finsternis erst kurz vor Sonnenuntergang beginnt und die Sonne dann schon tief steht, ist ein freier Blick Richtung Horizont besonders wichtig.

In Deutschland nur teilweise, in Spanien total

In Deutschland bleibt es bei einer partiellen Sonnenfinsternis: Der Mond verdeckt die Sonne also nicht vollständig. Dennoch gilt auch das als seltenes und beeindruckendes Ereignis. Wer eine totale Sonnenfinsternis erleben will, muss sich dagegen in Regionen wie Spanien, Grönland oder Island aufhalten.

Unverzichtbar ist überall eine zertifizierte Schutzbrille. Ohne geeigneten Augenschutz drohen schwere und dauerhafte Schäden an den Augen.

Gute Aussichten beim Wetter

Der Deutsche Wetterdienst rechnet in Deutschland zur Zeit der Finsternis fast flächendeckend mit sehr guten Beobachtungsbedingungen. Meist bleibt der Himmel klar. Lediglich im Norden ziehen einige Wolkenfelder durch, dort dürfte die Sicht zwar nicht völlig ungestört, insgesamt aber weiterhin recht gut sein.

Auch in Spanien stehen die Chancen auf freie Sicht gut. Nur in Teilen des Nordens und Ostens werden einige Wolken erwartet. Der Kernschatten des Mondes zieht dort von A Coruña im Nordwesten quer durch eher dünn besiedelte Landstriche bis in Richtung Balearen mit Mallorca und Ibiza. In diesem rund 300 Kilometer breiten und etwa 960 Kilometer langen Streifen wird es je nach Ort für bis zu knapp zwei Minuten dunkel. In Städten wie Bilbao, Saragossa, Valencia und Palma wird die Sonne vollständig bedeckt sein. Madrid und Barcelona liegen dagegen knapp außerhalb dieser Zone und erleben lediglich eine partielle Finsternis.

Nach der Finsternis folgt der nächste Höhepunkt

Nur wenige Stunden nach der Sonnenfinsternis wartet schon das nächste Himmelsspektakel: Ab etwa 23.00 Uhr erreichen die Perseiden ihr Maximum. Der bekannte Sternschnuppenstrom dürfte damit in derselben Nacht für viele weitere Blicke nach oben sorgen.

Auch dafür sind die Bedingungen in Deutschland nach Einschätzung des Wetterdienstes hervorragend. Bei oft wolkenlosem Himmel und Neumond stehen die Chancen gut, zahlreiche Sternschnuppen zu sehen.

In der Nacht wird es teils frisch

Wer bis tief in die Nacht draußen bleibt, sollte sich allerdings auf sinkende Temperaturen einstellen. Vor allem in der Nordosthälfte Deutschlands wird es in der zweiten Nachthälfte vielfach kühler als 15 Grad, stellenweise sogar kälter als 10 Grad. Neben freier Sicht sind deshalb warme Kleidung und eine Jacke ratsam.

Hohe Nachfrage entlang der Totalitätszone

In der sogenannten Totalitätszone in Spanien herrscht seit Monaten große Nachfrage. Hotels sind vielerorts längst ausgebucht, manche Reservierungen sollen bereits vor Jahren vorgenommen worden sein. Die Preise sind teils auf ein Mehrfaches des Üblichen gestiegen. Privatpersonen vermieten Dachterrassen, Balkone oder Gärten mit gutem Blick auf den Abendhimmel. Für besonders gefragte Aussichtspunkte werden Medienberichten zufolge bis zu 700 Euro verlangt.

Auf Mallorca sind Luxushotels mit Zimmerpreisen von 3.500 Euro pro Nacht bereits ausgebucht. Für besonders zahlungskräftige Gäste gibt es zudem exklusive Komplettpakete: Privatjet nach Mallorca oder Menorca, Unterkunft, Chauffeur, private Yacht, Ballon- oder Hubschrauberflug sowie Abendessen und Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten – alles zusammen für rund 200.000 Euro.

Wirtschaftlicher Schub für ländliche Regionen

Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens AFI könnte das astronomische Ereignis Hunderte Millionen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung bringen. Vor allem abgelegene Regionen hoffen darauf, dass viele Besucher nicht nur wegen der Finsternis kommen, sondern auch die landschaftliche Schönheit des ländlichen Spaniens entdecken und später zurückkehren.

Hohe Alarmbereitschaft wegen Waldbrandgefahr

Gleichzeitig sind die spanischen Behörden in Alarmstimmung. In weiten Teilen des Landes ist die Waldbrandgefahr extrem hoch. Wenn Hunderttausende Menschen in Gegenden mit viel Wald und Buschland unterwegs sind, steigt das Risiko eines Feuers erheblich. Schon ein heißer Auspuff über trockenem Gras kann verheerende Folgen haben.

Nach Angaben des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS sind in diesem Jahr bereits mehr als 256.000 Hektar bei 407 Bränden zerstört worden – eine Fläche in der Größenordnung des Saarlands.

Deshalb haben Städte und Gemeinden Hunderte offizielle Beobachtungsplätze eingerichtet. Online lassen sich deren Lage, Kapazität und Zahl der Parkplätze abrufen. Zusätzlich wurde ein landesweiter Sicherheitsplan für die Sonnenfinsternis erstellt. Vorgesehen ist der Einsatz von mehr als 33.600 Kräften der Nationalpolizei und der Guardia Civil.

Historisches Ereignis für Spanien

Für Spaniens Astronomen ist die Finsternis ein Ereignis von historischer Bedeutung. Es handelt sich um die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit 1905. Zugleich markiert sie den Beginn einer außergewöhnlichen Serie, die auch als "spanisches Trio" bezeichnet wird. Nach 2026 folgt am 2. August 2027 eine weitere totale Sonnenfinsternis, die im Süden Spaniens zu sehen sein wird. Bereits am 26. Januar 2028 kommt es dann zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Dass sich solche Ereignisse in einem Land in so kurzer Zeit häufen, ist astronomisch äußerst selten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen