Millionen erleben Sonnenfinsternis: In Deutschland bleibt sie partiell, in Spanien wird der Abend kurz zur Nacht
Bei überwiegend klarem Himmel haben Millionen Menschen in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis verfolgt. Noch deutlich größer war die Begeisterung in Spanien: Dort erlebten Hunderttausende die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit mehr als einem Jahrhundert – mit Jubel, Tränen und stehenden Ovationen an Stränden, auf Dorfplätzen, Berggipfeln und eigens eingerichteten Beobachtungsorten.
In Deutschland wurden je nach Region im Maximum rund 85 bis 90 Prozent der Sonne vom Mond verdeckt. Vollständig dunkel wurde es hier zwar nicht, doch das Himmelsspektakel zog trotzdem viele Menschen nach draußen.
In Deutschland wurde die Sonne zur schmalen Sichel
Astronomischen Berechnungen zufolge begann das Ereignis im äußersten Norden gegen 19.11 Uhr, in München gegen 19.23 Uhr. Zunächst wirkte es so, als werde die Sonne am rechten unteren Rand „angeknabbert“. Im weiteren Verlauf bildete sich eine schmale Sichel, die sich – je nach Standort – sichtbar drehte.
Der Höhepunkt der partiellen Finsternis wurde in Deutschland etwa zwischen 20.05 Uhr und 20.15 Uhr erreicht. Anders als in der Totalitätszone kam es hier aber nicht zu einer vollständigen Verdunkelung. Das Schauspiel endete stattdessen mit dem Sonnenuntergang: Je nach Ort verschwand die Sonne zwischen etwa 20.30 Uhr und 21.00 Uhr am Horizont. „Wir sehen durchgehend nicht das Ende der Finsternis, sondern eine Sichel untergehen“, sagte Astronomin Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternenfreunde.
Wetter in Deutschland meist sehr gut
Der Deutsche Wetterdienst meldete zum Start der Finsternis in weiten Teilen des Landes gute bis sehr gute Bedingungen. Von Nordbayern über Thüringen bis in den Norden zogen stellenweise dünne hohe Schleierwolken, sie verlagerten sich aber nur langsam nach Nordosten und nahmen die Sicht nicht vollständig.
In Bayern, Baden-Württemberg und im Westen blieb es vielerorts wolkenlos. Weil die Sonne während der Finsternis bereits tief stand, war ein freier Blick nach Westen oder Nordwesten besonders wichtig.
Großer Andrang an vielen Beobachtungsorten
Auch in Deutschland lockte das Ereignis zahlreiche Menschen ins Freie. Im Münchner Olympiapark verfolgten viele Schaulustige die Finsternis, am Feldberg in Hessen kamen Hunderte zusammen.
In Berlin kam es rund um das Planetarium im Prenzlauer Berg zu Verkehrsbehinderungen. Nach Angaben der Polizei waren dort etwa 3.000 Menschen unterwegs. Über Dresden schwebten zudem mindestens sechs Heißluftballons – auch von dort bot sich eine besonders gute Sicht. Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt.
In Spanien wurde der Tag für kurze Zeit zur Nacht
Die totale Sonnenfinsternis begann nach Angaben von Astronomen gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien. Der Kernschatten des Mondes zog dann in einem Bogen an Grönland und Island entlang und erreichte am Abend Spanien.
Dort war die komplette Verdeckung der Sonne in einer rund 300 Kilometer breiten Zone von Galicien bis zu den Balearen zu sehen. In A Coruña im äußersten Nordwesten Spaniens verschwand die Sonne um 20.27 Uhr und 41 Sekunden vollständig hinter dem Mond. Für eine Minute und 18 Sekunden wurde der Tag zur Nacht. Anschließend zog der Kernschatten innerhalb weniger Minuten über Teile von Kastilien und León, Aragón und Valencia bis zu den Balearen weiter. Je nach Standort dauerte die Totalität zwischen rund 30 Sekunden und knapp zwei Minuten.
Jubel, Applaus und Freudentränen in Spanien
Als die Sonne vollständig verdeckt war, brach vielerorts lauter Jubel aus. Menschen applaudierten, schrien vor Freude, machten Luftsprünge, lagen sich in den Armen oder hielten den historischen Moment mit ihren Handys fest. Einige Beobachter reagierten still und sichtlich ergriffen, andere hatten Tränen in den Augen.
„Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte“, sagte die junge Astronautin Sara García dem staatlichen Sender RTVE. Eine Frau an der Ebro-Sternwarte in Roquetes in Katalonien beschrieb das Erlebnis kurz nach dem Ende der Totalität als „sehr kurz, aber unbeschreiblich schön“.
Reisewelle in die Totalitätszone
Das Naturereignis hatte schon Tage zuvor eine außergewöhnliche Reisewelle ausgelöst. Hunderttausende Menschen aus Spanien und dem Ausland machten sich auf den Weg in die Totalitätszone. Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den Abendhimmel für mehrere Hundert Euro.
Besonders profitierte die sogenannte „España vacía“, das dünn besiedelte ländliche „leere Spanien“, das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.
Freie Sicht war entscheidend
Weil die Sonne während der totalen Phase bereits sehr tief über dem Horizont stand, reichte es vielerorts nicht, einfach vor die Tür zu gehen. Wer die Totalität sehen wollte, brauchte freie Sicht nach Westen. Deshalb pilgerten Hunderttausende zu Stränden, Anhöhen und Aussichtspunkten, an denen weder Gebäude noch Bäume den Blick versperrten.
Regionen und Gemeinden hatten dafür Hunderte offizielle Beobachtungsplätze eingerichtet. Auf Mallorca sorgte der Andrang bereits am Morgen für erste Probleme. Rund um Sóller und an mehreren Aussichtspunkten in der Serra de Tramuntana waren Parkplätze schon Stunden vor Beginn der Finsternis voll, einzelne Zufahrten wurden gesperrt. Viele Besucher mussten ihre Beobachtungsorte zu Fuß erreichen.
Kaum Zwischenfälle, aber Staus und große Hitze
Größere Zwischenfälle wurden zunächst weder aus Spanien noch aus Deutschland bekannt. In Spanien kam es allerdings vielerorts zu Staus und Verkehrsbehinderungen. Die Behörden hatten im Vorfeld mit bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten gerechnet.
Das Wetter spielte auf der Iberischen Halbinsel ebenfalls mit: Der Himmel war meist klar, nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung. Allerdings machten Temperaturen von teils fast 40 Grad vielen Menschen zu schaffen.
Sonnenfinsternis-Fans reisten aus ganz Europa an
Unter den Besuchern waren zahlreiche Finsternis-Enthusiasten aus dem Ausland. RTVE zeigte in Soria, rund 200 Kilometer nordöstlich von Madrid, unter anderem eine 80-köpfige Reisegruppe aus Finnland. „Für uns alle ist es die erste totale Sonnenfinsternis“, sagte Teilnehmer Ari. Ebenfalls nach Soria war eine dänische Gruppe mit 140 Menschen gekommen, die ihre Reise bereits vor zwei Jahren gebucht hatte.
Schutzbrille blieb unverzichtbar
Für die Beobachtung war in jedem Fall eine spezielle Sonnenfinsternisbrille nötig. Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz betonte, dass weder die starke Bedeckung der Sonne noch die einsetzende Dämmerung ein Grund seien, beim Augenschutz nachlässig zu werden.
Schon kurze direkte Blicke ohne geeigneten Schutz können die Augen schwer schädigen. Entsprechend groß war im Vorfeld auch in Deutschland der Andrang auf die speziellen Brillen in Geschäften.
Sonderplan für Sicherheit und Brandschutz
Die spanischen Behörden hatten sich monatelang auf das Jahrhundertereignis vorbereitet. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt. Mehr als 33.000 Polizisten und Beamte der Guardia Civil waren im Rahmen eines nationalen Sicherheitsplans im Einsatz.
Neben dem starken Verkehr bereiteten den Einsatzkräften vor allem die Trockenheit und die hohe Waldbrandgefahr Sorgen. Besucher wurden deshalb aufgerufen, nur ausgewiesene Beobachtungsplätze zu nutzen.
Perseiden als Zugabe in derselben Nacht
Nach der Sonnenfinsternis wartete in derselben Nacht gleich das nächste Himmelsschauspiel: Die Perseiden sollten ihren Höhepunkt erreichen. Astronomen rechneten mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde. Die besten Beobachtungszeiten wurden zwischen 23.00 Uhr und 4.00 Uhr morgens erwartet.
Auftakt einer außergewöhnlichen Serie
Die totale Sonnenfinsternis war zugleich der Auftakt einer aus astronomischer Sicht außergewöhnlichen Serie. Bis 2028 werden in Spanien insgesamt drei große Sonnenfinsternisse zu sehen sein.
Auch in Deutschland stehen schon die nächsten Himmelsereignisse an: Am 28. August ist hierzulande eine partielle Mondfinsternis zu sehen, bei der der Mond nur teilweise in den Kernschatten der Erde eintaucht. Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland folgt am 2. August 2027.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber