Paramount prüft Verlagerung aus Kalifornien
Der Medienkonzern Paramount bereitet Berichten zufolge einen möglichen Umzug aus Kalifornien vor. Hintergrund soll eine wettbewerbsrechtliche Klage gegen die geplante Übernahme von Warner Brothers sein. Wie unter anderem „Puck“ und Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen meldeten, habe der Verwaltungsrat den Start des Vorhabens ab dem 1. Oktober abgesegnet. Eine offizielle Reaktion des Unternehmens gab es zunächst nicht.
Nach den Berichten stellte Konzernchef David Ellison einen auf fünf Jahre angelegten Plan vor. Demnach könnte ein Großteil der Arbeitsplätze aus dem Film- und Fernsehgeschäft an einen anderen Standort verlagert werden. Falls die Übernahme von Warner zustande kommt, stünde zudem offenbar auch ein Verkauf eines Studiogeländes in Hollywood im Raum.
Republikanisch geprägte Bundesstaaten im Gespräch
Als mögliche neue Standorte gelten den Angaben zufolge Tennessee, Georgia und Texas. Diese Bundesstaaten gelten als politische Hochburgen der Republikaner um Präsident Donald Trump. In den vergangenen Jahren hatten bereits mehrere Unternehmen Kalifornien den Rücken gekehrt und ihren Firmensitz in republikanisch regierte Bundesstaaten verlegt. Dazu zählt etwa auch Tesla unter Führung von Elon Musk. Als Gründe gelten häufig geringere Steuern und ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld.
Die aktuelle Wettbewerbsklage wurde von Kalifornien sowie weiteren demokratisch regierten Bundesstaaten eingereicht. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta bezeichnete die jüngsten Berichte als Versuch der Erpressung. Die Kläger argumentieren unter anderem, ein Zusammenschluss der beiden Konzerne könne den Wettbewerb im Bereich erfolgreicher Kinofilme beeinträchtigen und damit auch Kinos belasten.
Prozessbeginn erst im März
Erst in der vergangenen Woche setzte eine Richterin den Beginn des Verfahrens zu den Klagen der Bundesstaaten und der Drehbuchautoren-Gewerkschaft auf Anfang März des kommenden Jahres fest. Für Paramount dürfte sich der ohnehin auf rund 111 Milliarden Dollar geschätzte Deal dadurch weiter verteuern. Nach Angaben des Konzerns wurden den Warner-Aktionären zusätzliche Zahlungen von etwa 650 Millionen Dollar je Quartal zugesichert, sollte die Übernahme nicht bis Ende September abgeschlossen sein. Damit erscheint es sehr wahrscheinlich, dass Paramount mindestens 1,3 Milliarden Dollar zusätzlich aufbringen muss.
Zeitdruck für den Konzern wächst
Gleichzeitig wird der zeitliche Spielraum enger. Beide Unternehmen haben sich demnach eine Frist bis zum 4. Juni 2027 gesetzt, um die Übernahme erfolgreich abzuschließen. Sollte dieser Termin verstreichen, könnte Warner Brothers aus dem Geschäft aussteigen und von Paramount eine Vertragsstrafe in Höhe von sieben Milliarden Dollar verlangen. Möglich wäre allerdings auch eine Verlängerung der Frist. Nach Einreichung der Wettbewerbsklagen hat Paramount den Kauf von Warner vorerst auf Eis gelegt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber