Deutsche Caravan-Branche bleibt nach Pandemiehoch auf Rückwärtskurs
Die deutsche Caravaning-Industrie verzeichnet nach dem Boom in den Corona-Jahren weiterhin rückläufige Zahlen. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) wurden in Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 insgesamt 63.329 Reisemobile und Wohnwagen neu zugelassen. Das sind 3 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Bereits 2025 war der Markt leicht geschrumpft, damals um 2,3 Prozent. Während der Pandemie hatte die Branche dagegen stark zugelegt, weil viele Menschen wegen Infektionssorgen oder eingeschränkter Flugmöglichkeiten auf Urlaub mit dem eigenen Fahrzeug setzten.
Schwache Konjunktur bremst Käufe
Als Belastung für die Branche gilt derzeit vor allem die angespannte Wirtschaftslage. Viele Verbraucher scheuen größere Anschaffungen wie ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen. Gleichzeitig kämpfen einige Hersteller noch mit älteren Lagerbeständen, die sie während des Corona-Booms aufgebaut haben und bisher nicht vollständig verkaufen konnten.
Den größten Anteil am Markt machen weiterhin Reisemobile aus. Von Januar bis Juli 2026 wurden 50.118 Wohnmobile neu zugelassen, was einem Rückgang von 3,3 Prozent entspricht. Bei den Wohnwagen fiel das Minus mit 1,9 Prozent etwas geringer aus; hier lag die Zahl der Neuzulassungen bei 13.211.
Verband bleibt optimistisch
CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso bewertet die aktuelle Entwicklung dennoch gelassen. Aus seiner Sicht zeigt sich der Markt insgesamt stabil, und nach den außergewöhnlichen Corona-Jahren sei eine Abschwächung nicht überraschend. Ohne die Pandemie hätte sich der Markt womöglich kontinuierlicher entwickelt und wäre erst jetzt auf dem heutigen Niveau angekommen.

Onggowinarso rechnet damit, dass die Branche nach dieser Phase wieder wachsen wird, sobald sich die wirtschaftliche Lage verbessert und die Folgen des Energieschocks nachlassen.
Unter dem Begriff Freizeitfahrzeuge werden sowohl Reisemobile als auch Wohnwagen zusammengefasst. Laut CIVD hat sich deren Bestand in Deutschland zwischen 2015 und 2025 verdoppelt. Getragen wurde dieses Wachstum allerdings vor allem von Reisemobilen, während die Zahl der Caravans weitgehend konstant blieb. Derzeit sind bundesweit rund 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen.
Nach Einschätzung des Verbandes ist das Interesse am Caravaning weiterhin hoch. Onggowinarso verweist darauf, dass viele Menschen dieser Reiseform eng verbunden seien. Zudem seien die Fahrzeuge langlebig, sodass ein Austausch oft gar nicht notwendig sei.
Caravan Salon erwartet erneut Hunderttausende Besucher
Beim Caravan Salon in Düsseldorf, der am 28. August beginnt, präsentieren sich laut Veranstaltern mehr als 830 Aussteller. Damit wird der bisherige Höchstwert des Vorjahres von 810 Ausstellern übertroffen. Für die Messe Düsseldorf ist das ein Zeichen dafür, dass Caravaning längst kein Randthema mehr ist, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Im vergangenen Jahr besuchten 269.000 Menschen die Messe und verfehlten damit den Rekord von 2019 nur knapp. Für 2026 peilt die Messe mindestens 250.000 Besucherinnen und Besucher an. Dabei steht nach Angaben der Veranstalter nicht allein die Besucherzahl im Mittelpunkt, sondern vor allem das konkrete Kaufinteresse des Publikums. Ziel sei es, gezielt potenzielle Käufer anzusprechen und aus Messegästen tatsächliche Kunden zu machen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber