Politik

Brandstifter? Dobrindt auf Tour in Thüringen

Hände, Hunde, Eis – und plötzlich ganz andere Töne: Was Innenminister Dobrindt auf Sommertour erlebt, überrascht mehr als gedacht.

20.08.2026, 04:00 Uhr

Auf seiner Sommertour zeigt sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ausgesprochen nahbar. In Eisenach schüttelt er auf dem Marktplatz unermüdlich Hände, setzt sich zu einer Gruppe Frauen mit der Aufschrift „Hallöchen Aperölchen“ auf den T-Shirts und sucht das Gespräch mit jungen Leuten. Zwischendurch spendiert er Eis, später gibt es Bier.

Wer sich länger mit ihm unterhält, bekommt zum Abschied den „Coin des Bundesinnenministers“ überreicht – eine Erinnerungsmünze, die Dobrindt selbst gestaltet hat. Auch zwei Bundespolizisten, die ihn auf seiner Reise durch Thüringen und Hessen begleiten und um ein Selfie bitten, erhalten ein Exemplar.

Zwischen Sicherheitsfragen und Wahlkampf

Die mitreisenden Journalisten interessieren sich vor allem für die Ermittlungen rund um die Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle und die Frage, ob Russland dahinterstecken könnte. Das Thema irreguläre Migration, das Dobrindts ersten Monate im Amt stark geprägt hatte, steht derzeit weniger im Vordergrund – auch weil die Zahl der Asylsuchenden gesunken ist. Erst kürzlich kündigte der Minister an, die Grenzkontrollen mindestens bis März 2027 fortzuführen.

Dobrindt spricht von der „Wertebasis“, auf der die Demokratie beruhe und die zunehmend unter Druck gerate. Rechtsaußenparteien wie die AfD seien nicht nur Ausdruck gesellschaftlicher Polarisierung, sondern trügen auch zu deren Verstärkung bei, sagt er. Mit Blick auf die Landtagswahlen im September ist das ein sensibles Thema. Deutlich unbeschwerter wirkt dagegen sein Besuch bei der Eisenacher Berufsfeuerwehr.

Sommerreise Bundesinnenminister Dobrindt
Der Minister kann auch Selfie: Dobrindt posiert mit zwei Beamten der Bundesbereitschaftspolizei. Quelle: Katharina Kausche/dpa pool/dpa

Wasser marsch bei der Feuerwehr

Zwischen Einsatzjacken, Löschfahrzeugen und Ausrüstung fühlt sich der Minister sichtlich wohl. Feuerwehrchef Markus Weigelt begrüßt ihn und erzählt, die Einladung des Bundesinnenministers habe zunächst überrascht, man habe sich darüber aber gefreut. Nach dem Gruppenfoto bedankt sich Dobrindt für den Empfang.

Es folgt eine kurze Einweisung, dann zieht der Minister Schutzjacke und Handschuhe an, setzt den Helm auf und greift zum Schlauch. Wasser marsch: Rauch, Qualm und Sprühnebel füllen den Hof.

Wenig später ist der Brand gelöscht. Zurück bleibt ein kleiner, schwarz verkohlter Turm aus Holzpaletten in einer großen Pfütze. Von den Feuerwehrleuten gibt es anerkennende Worte: schlecht sei das für einen Anfänger nicht gewesen.

Das Thema Brandbekämpfung ist derzeit hochaktuell. Erst in der vergangenen Woche waren Feuerwehren in mehreren Bundesländern wegen Waldbränden im Dauereinsatz. Unterstützung kam dabei von Bundespolizei, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr. Besonders angespannt war die Lage in der Eifel.

Der „Feuerwehrmann“ der Koalition?

Mit einem Scherz schlägt Dobrindt den Bogen nach Berlin: Brände zu löschen sei dort gewissermaßen sein Tagesgeschäft. In der schwarz-roten Koalition sehe er sich in der Rolle desjenigen, der aufräume, wenn andere zündelten. Tatsächlich ist aus SPD-geführten Ministerien zu hören, dass der CSU-Politiker insgesamt als konstruktiv wahrgenommen wird.

Gleichzeitig muss auch Dobrindt zur Kenntnis nehmen, dass die Bundesregierung insgesamt keinen guten Stand in der Bevölkerung hat. Laut ZDF-„Politbarometer“ Ende Juli meinten 68 Prozent der Wahlberechtigten, die Regierung mache ihre Arbeit eher schlecht.

Für die Rolle des politischen Krisenmanagers bringt Dobrindt viel Erfahrung mit – nicht zuletzt aus seiner Zeit als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe. Doch die Herausforderungen im Innenressort reichen weit über parteipolitische Brandherde hinaus. Neben Migration und Bevölkerungsschutz geht es um rechtsextreme Gruppen, Linksextremisten, die Infrastruktur angreifen, islamistische Täter sowie um Spionage, Sabotage und andere hybride Bedrohungen, insbesondere aus Russland.

Plötzlich ein echter Einsatz

Am Abend sitzt der Minister noch mit den Feuerwehrleuten auf einer langen Bierbank zusammen, als ein Funkspruch eingeht. Die Eisenacher Feuerwehr wird alarmiert. Sofort springen Männer und Frauen auf, rufen Kommandos, eilen zu den Fahrzeugen. Kurz darauf verlassen zwei Löschfahrzeuge den Hof.

Für Dobrindt endet der Besuch damit abrupt – und es bleibt bei den politischen Brandherden, um die er sich weiter kümmern muss.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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