Wirtschaft

China-Schock: EU steuert auf Rekordminus

Rekord-Alarm im China-Handel: Die EU steuert auf ein neues Milliarden-Defizit zu – im Dezember sollen harte Schritte folgen.

23.10.2026, 17:52 Uhr

Die Europäische Union steuert im Handel mit China auf ein mögliches neues Rekorddefizit zu. Nach einem Treffen der EU-Minister in Dublin erklärte Handelskommissar Maros Sefcovic, dass sich das Minus zum Jahresende über den bisherigen Höchststand hinaus ausweiten könnte, falls der aktuelle Trend anhält.

"In der ersten Jahreshälfte belief sich unser Handelsdefizit mit China auf fast 197 Milliarden Euro", sagte Sefcovic. "Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte der Rekordwert von 397 Milliarden Euro aus dem Jahr 2022 übertroffen werden."

Um das Ungleichgewicht zu verringern, will die EU-Kommission in den kommenden Wochen auf Forderungen der Staats- und Regierungschefs reagieren und neue Werkzeuge gegen Handelsverzerrungen erarbeiten. Parallel dazu sollen bestehende EU-Instrumente konsequenter eingesetzt und die Gespräche mit Peking fortgeführt werden.

EU bereitet weiteres Treffen vor

Sefcovic kündigte an, dass sein Team bereits im nächsten Monat erneut mit chinesischen Vertretern verhandeln werde. Zudem sollen im Dezember Vorschläge für zusätzliche handelspolitische Schutzmaßnahmen vorgestellt werden.

Als erstes positives Signal wertet die EU, dass China einer Begrenzung seiner Exporte von Hybridautos nach Europa zugestimmt habe. Nach den Vorstellungen der EU sollen die Lieferungen aus China in den nächsten vier Jahren auf weniger als die Hälfte des bislang erwarteten Umfangs sinken.

Aus Sicht der Europäischen Union ist das hohe Handelsdefizit vor allem deshalb problematisch, weil es nach Einschätzung von Experten auch durch umfassende Subventionen, mögliche Währungsmanipulationen und Benachteiligungen europäischer Firmen auf dem chinesischen Markt begünstigt werde. Wenn billige Importe aus China heimische Hersteller zunehmend verdrängen, könnten Arbeitsplätze und ganze Industriezweige in Europa unter Druck geraten.

Beziehungen zu den USA weitgehend gefestigt

Wesentlich optimistischer äußerte sich Sefcovic zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten. Bei dem von der irischen EU-Ratspräsidentschaft organisierten Ministertreffen sagte er, die Beziehungen und der Handel mit den USA hätten sich nach Einschätzung der Minister weitgehend stabilisiert. Auch das im vergangenen Jahr in Turnberry vereinbarte Handelsabkommen funktioniere.

Nach Angaben Sefcovics legten die EU-Exporte in die USA im Jahr 2025 um 3,5 Prozent auf 555 Milliarden Euro zu. Zudem hätten die Ausfuhren in den vergangenen Monaten über dem monatlichen Durchschnitt des Jahres 2024 gelegen. Die EU arbeite weiter an der Umsetzung der gemeinsamen Erklärung mit den USA, insbesondere bei Zollsenkungen, Energieimporten und Investitionen. In einzelnen Bereichen werde das vereinbarte Ziel sogar übertroffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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