Wirtschaft

Jetzt eskaliert der VW-Streit: IG Metall droht

Bei VW fliegen schon vor den Verhandlungen die Fetzen: Nach den Tarifkündigungen eskaliert der Streit. Droht ein harter Arbeitskampf?

23.10.2026, 11:47 Uhr

IG Metall setzt VW-Frist im Tarifstreit

Im Konflikt um mögliche Verschärfungen des Sparkurses bei Volkswagen erhöht die IG Metall den Druck auf den Konzern. Die Gewerkschaft fordert den Vorstand auf, die Kündigung mehrerer Tarifverträge bis Ende Oktober zurückzunehmen. Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger erklärte in Hannover, eine ausgesprochene Kündigung könne auch wieder widerrufen werden. Sollte das nicht geschehen, werde ein umfassender Arbeitskampf vorbereitet. Man suche zwar keine Eskalation, sei dafür aber gerüstet.

Volkswagen hatte Ende September zehn Tarifverträge aufgekündigt und damit nahezu alle Regelungen des Haustarifs infrage gestellt. Betroffen sind unter anderem Vereinbarungen zu Arbeitszeit, Urlaub und Zuschlägen. Der Konzern begründet den Schritt mit dem hohen Kostendruck und dem Ziel, bestehende Regelungen anzupassen. Konkrete Forderungen aus dem Management liegen bislang jedoch nicht vor.

Von den Kündigungen, die zum 31. Dezember 2026 wirksam werden sollen, sind nach Gewerkschaftsangaben rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland betroffen. Dazu zählen die Bereiche Volkswagen Pkw, Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte sowie zentrale Konzerneinheiten. Gröger bezeichnete das Vorgehen als schweren Vertrauensbruch.

Friedenspflicht endet mit dem Jahreswechsel

Nach bestehender Vereinbarung müssen die Tarifgespräche zwischen VW und IG Metall spätestens Anfang Dezember starten. Als möglichen Auftakttermin brachte Gröger den 24. November ins Spiel. Aus Sicht der Gewerkschaft sollten die Verhandlungen an besonders gefährdeten Standorten wie Emden, Hannover und Zwickau stattfinden. Tarifpolitik gehöre nicht in die Vorstandsetage, sondern dorthin, wo über die Zukunft der Werke entschieden werde, sagte Gröger.

Zweites Überprüfungsgespräch zwischen VW und IG Metall
Gröger: «Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet». Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Für die anstehende Tarifrunde verlangt die IG Metall zunächst fünf Prozent mehr Entgelt. Dabei könne es laut Gröger aber nicht zwingend bleiben. Durch die Kündigung der Tarifverträge sei zusätzlicher Spielraum für weitere Forderungen entstanden. Die Gewerkschaft denke unter anderem über längere Regelungen zur Altersteilzeit sowie eine Ausweitung der Beschäftigungssicherung bis in die 2030er Jahre nach. Ein umfassendes Zukunftskonzept für Volkswagen solle zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden.

Weiteres Treffen in Hannover

Am Freitag kommen Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat in Hannover zu einem weiteren Überprüfungsgespräch zusammen. Die Arbeitnehmerseite verlangt Klarheit darüber, ob und in welcher Form der Konzern die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von 2024 noch einhält. Aus ihrer Sicht sind diese wegen der verschärften Sparpläne gefährdet. Das Management wollte seinerseits darlegen, weshalb die damals vereinbarten Einsparungen nach heutiger Einschätzung nicht mehr ausreichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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