Verdi kündigt erste Warnstreiks bei Privatbanken an
In der laufenden Tarifrunde für rund 150.000 Beschäftigte privater Banken ruft die Gewerkschaft Verdi zu ersten Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet auf. Nach Angaben der Gewerkschaft soll damit der Druck vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November erhöht werden. Zum Auftakt Anfang Oktober hatten die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck kritisierte, die Banken lieferten bei den Gewinnen, blieben ihren Beschäftigten aber ein Gehaltsangebot weiter schuldig. Wer täglich zum Erfolg der Branche beitrage, erwarte zu Recht eine faire Beteiligung.
Konkret ruft Verdi in Hamburg am Montag zu ganztägigen Warnstreiks auf, unter anderem in Filialen von Deutsche Bank, Unicredit und Commerzbank. Weitere Aktionen in der kommenden Woche sollen nach Gewerkschaftsangaben regional bekanntgegeben werden.
Die Arbeitgeberseite weist die Forderungen als zu hoch zurück. Carsten Rogge-Strang, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands AGV Banken, sagte, man rechne damit, dass die Warnstreiks überschaubar blieben und den Bankbetrieb nicht spürbar beeinträchtigten. Ob es ein konkretes Gehaltsangebot geben werde, hänge auch davon ab, wie verhandlungsbereit Verdi auftrete. Aus Sicht des Verbands müsse der Forderungskatalog deutlich verschlankt werden.
Verdi verlangt sechs Prozent mehr Lohn
Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Gehalt sowie 300 Euro zusätzlich pro Monat für Nachwuchskräfte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen die Erhöhungen nach dem Willen von Verdi auch für Beschäftigte gelten, die übertariflich oder außertariflich bezahlt werden. Begründet wird dies mit den hohen Gewinnen der Banken und den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Arbeitgeber hätten es in der Hand, mit einem ernsthaften Angebot den Weg für einen Tarifabschluss freizumachen, so Verdi.
Bereits bei den ersten Gesprächen im Oktober hatten die Banken mehrere Forderungen grundsätzlich zurückgewiesen. So wollten sie unter anderem nicht über strengere Regeln zum Kündigungsschutz verhandeln. Auch bei Transformationsprozessen sehen die Unternehmen keinen Bedarf für zusätzliche tarifliche Vorgaben.
Streit auch über KI, Beschäftigungsschutz und freie Tage
Neben höheren Einkommen fordert Verdi auch Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Zudem verlangt die Gewerkschaft verbindliche Vereinbarungen zu Beschäftigungsschutz, Personalplanung und Qualifizierung. Beschäftigte sollen außerdem die Möglichkeit bekommen, Teile ihres Gehalts in bis zu 20 zusätzliche freie Tage im Jahr umzuwandeln.
Auch diese Punkte stoßen bei den Arbeitgebern auf Ablehnung. Der Verband argumentiert, eine solche Regelung komme faktisch einer Verkürzung der Arbeitszeit um fast zehn Prozent gleich und führe eine seriöse Personalplanung ad absurdum.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber