Elon Musk ist mit seiner Klage gegen die Führung des ChatGPT-Entwicklers OpenAI vor Gericht gescheitert. Eine neunköpfige Jury in Kalifornien kam zu dem Schluss, dass der Tech-Milliardär erst nach Ablauf der Verjährungsfrist geklagt hatte. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers schloss sich dieser Einschätzung an und urteilte entsprechend.
Musk wollte unter anderem erreichen, dass OpenAI-Chef Sam Altman und Top-Manager Greg Brockman ihre Posten verlieren und die Struktur des KI-Unternehmens geändert wird. Musks Anwalt Marc Toberoff kündigte nach dem Urteil jedoch Berufung an. Vor dem Gericht sagte er dem Sender CNBC: „Dieser Krieg ist nicht vorbei.“
Späte Klage entschied den Fall
Im Zentrum des mehrwöchigen Prozesses im kalifornischen Oakland stand Musks Vorwurf, Altman und Brockman hätten „eine wohltätige Organisation gestohlen“. Der frühere Geldgeber von OpenAI argumentierte, er habe Geld ausdrücklich für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in einer Non-Profit-Struktur gegeben. Inzwischen liege der Wert des Unternehmens aber überwiegend in der gewinnorientierten Firma, von der nun Altman, Brockman und Großinvestor Microsoft profitierten.
Entscheidend war am Ende jedoch nicht der Kern des Vorwurfs, sondern der Zeitpunkt der Klage im Jahr 2024. Musk stellte seine Unterstützung für OpenAI bereits 2020 vollständig ein und konnte die Geschworenen nicht davon überzeugen, dass er erst später Verdacht gegen seine früheren Mitstreiter schöpfte. In Kalifornien verjähren solche Vorwürfe nach drei Jahren.
Die Jury hatte in dem Verfahren zwar nur eine beratende Rolle. Richterin Gonzalez Rogers hatte aber schon vorab angekündigt, deren Einschätzung zur Verjährungsfrist zu folgen. Nach ihren Worten gab es ausreichend Belege, die die Entscheidung der Geschworenen stützten. Weil die Vorwürfe aus Sicht des Gerichts verjährt waren, legte sich die Jury zum eigentlichen Kern von Musks Anschuldigungen gar nicht mehr fest.
Für OpenAI stand viel auf dem Spiel
Ein Erfolg Musks hätte OpenAI bei der Finanzierung empfindlich zurückwerfen und den Wettbewerb in der boomenden KI-Branche verändern können. ChatGPT kommt nach Angaben aus dem Verfahren auf rund 700 Millionen Nutzer pro Woche. Musks Konkurrenzsoftware Grok ist deutlich weniger verbreitet. Nach Berechnungen des Branchendienstes „The Information“ vereinen OpenAI und der Rivale Anthropic derzeit fast 90 Prozent der Erlöse der KI-Branche auf sich, wobei Anthropic leicht vorne liegen soll.
Musk gehörte in der Anfangszeit zu den wichtigsten Geldgebern von OpenAI. Insgesamt steuerte er laut Gerichtsunterlagen rund 38 Millionen Dollar bei. Bis Mitte 2017 unterstützte er die KI-Entwicklung mit etwa 25 Millionen Dollar in vierteljährlichen Zahlungen. Zudem übernahm er bis 2020 Mieten in Höhe von gut 12 Millionen Dollar. Darüber hinaus stellte der von ihm geführte Elektroautobauer Tesla vier Fahrzeuge für Top-Mitarbeiter bereit.
Streit um die Doppelstruktur von OpenAI
OpenAI besteht aus einem gemeinnützigen Kern und einer gewinnorientierten Firma, die diesem laut Satzung untergeordnet ist. In seiner im August 2024 eingereichten Klage warf Musk Altman und Brockman vor, ihn über diese Entwicklung getäuscht zu haben. Er und seine Anwälte argumentierten, sein Geld sei für eine Non-Profit-Organisation bestimmt gewesen. Heute stecke der Großteil des Unternehmenswerts jedoch in der gewinnorientierten Gesellschaft.
OpenAI weist die Vorwürfe zurück und betont, dass die Kontrolle weiterhin beim Non-Profit-Kern liege. Ohne die gewinnorientierte Tochter wären die nötigen Milliardeninvestitionen für die Entwicklung moderner KI-Systeme nach Darstellung des Unternehmens nicht möglich gewesen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion