Wirtschaft

IW-Chef Hüther fordert neue Arbeitszeit-Regel

Wochenarbeitszeit statt Acht-Stunden-Tag? Ein Ökonom sieht überraschende Vorteile – was jetzt auf Beschäftigte zukommen könnte.

18.05.2026, 09:21 Uhr

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, hat sich erneut für die geplante Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Arbeitszeitgrenze ausgesprochen. Im ARD-„Morgenmagazin“ sagte er, der Acht-Stunden-Tag habe in der klassischen Industriegesellschaft eine wichtige Funktion gehabt. Heute sei die Wirtschaft jedoch deutlich stärker vom Dienstleistungssektor geprägt. Zudem hätten sich die Lebensrealitäten vieler Familien verändert, etwa weil häufig beide Partner berufstätig seien. Dadurch müssten Arbeitszeit, Freizeit, Familie und Beruf anders aufeinander abgestimmt werden.

Der gesetzliche Acht-Stunden-Tag gilt in Deutschland seit 1918. Nach den bisherigen Plänen der Koalition aus Union und SPD soll künftig statt einer täglichen Obergrenze ein wöchentlicher Arbeitszeitrahmen gelten. Das Vorhaben ist jedoch umstritten. Arbeitgeber dringen auf Deregulierung und Entlastung, während der Deutsche Gewerkschaftsbund die Pläne ablehnt. Im Arbeitszeitgesetz ist bislang festgelegt, dass die werktägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten darf. Nur in Ausnahmefällen sind bis zu zehn Stunden möglich.

Hüther wirbt für flexiblere Verteilung

Nach Hüthers Darstellung geht es in der Debatte nicht darum, Beschäftigte in der Industrie regelmäßig zwölf Stunden am Stück arbeiten zu lassen. Im Mittelpunkt stünden vielmehr Bürojobs und vergleichbare Tätigkeiten. Eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit könne aus seiner Sicht auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen, weil Unternehmen ihre Abläufe wirtschaftlich leichter und besser organisieren könnten. Entscheidend sei nicht eine Ausweitung der gesamten Arbeitszeit, sondern deren andere Verteilung, wenn dies im Einzelfall notwendig sei.

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte sich zuletzt klar von einer Abschaffung des Acht-Stunden-Tages distanziert. Sie sagte, weder sie persönlich noch die SPD wollten das Thema eigentlich anfassen, verwies aber darauf, dass es im Koalitionsvertrag festgeschrieben sei. Beim Bundeskongress des DGB sprach sie sich dafür aus, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften nach einer tragfähigen Lösung zu suchen.

Kritik kam auch von Juso-Chef Philipp Türmer. Er warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, mit dem Vorstoß für eine Wochenarbeitszeit die Bedürfnisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu missachten.

Sozialverband mahnt klare Grenzen an

Neu in die Debatte eingeschaltet hat sich auch der Sozialverband Deutschland. Dessen Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier forderte, den Rahmen für mögliche Änderungen klar zu definieren. Schon nach geltendem Arbeitszeitrecht seien flexible Lösungen möglich. Deshalb dürfe es nicht darum gehen, bestehende Schutzstandards schrittweise auszuhöhlen.

Engelmeier betonte zudem, niemand dürfe unter Druck geraten, längere Arbeitstage akzeptieren zu müssen. Entscheidungen über flexible Arbeitszeitmodelle müssten freiwillig bleiben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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