Baugenehmigungen starten mit kräftigem Plus ins Jahr
Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Deutschland ist im ersten Quartal spürbar gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden allein im März in Neu- und Bestandsbauten rund 21.800 Wohnungen bewilligt. Das entsprach einem Zuwachs von 11,5 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres.
Von Januar bis März summierte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen auf 63.500. Im Vergleich zum ersten Quartal 2025 bedeutet das ein Plus von 14,6 Prozent. Besonders stark legten im Neubau die Genehmigungen für Zweifamilienhäuser zu, hier betrug das Wachstum 23,2 Prozent. Auch Wohnungen in Mehrfamilienhäusern verzeichneten mit 14,9 Prozent einen deutlichen Anstieg.
Die Entwicklung gilt als Lichtblick angesichts des anhaltenden Wohnungsmangels und hoher Mieten. Gleichzeitig könnten steigende Zinsen und höhere Kosten im Zuge des Iran-Kriegs den Aufwärtstrend wieder abbremsen.
Höhere Zinsen und mehr Kostendruck
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sieht in den März-Zahlen zunächst eine robuste Entwicklung der Bauwirtschaft im ersten Monat des Iran-Kriegs. Zugleich warnt er jedoch davor, dass der Konflikt die beginnende Erholung merklich dämpfen könnte.
Nach seiner Einschätzung sind die Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite seit Anfang März um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Dadurch werde Wohnungsbau teurer. Hinzu komme die höhere Inflation: Steigende Energiepreise schmälerten die Kaufkraft vieler Haushalte, sodass weniger finanzieller Spielraum für den Bau eines Eigenheims bleibe. Mittelfristig dürften außerdem höhere Ausgaben für Kraftstoffe und Energie auch die Baukosten weiter steigen lassen.
Schon beim aktuellen Stand der Genehmigungen würden allerdings noch nicht genug Wohnungen entstehen, um den Wohnungsmarkt spürbar zu entlasten.
Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe mahnte zur Zurückhaltung. Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa erklärte, für eine Deckung des Bedarfs seien monatlich mindestens 10.000 zusätzliche Genehmigungen nötig. Zudem machten der Iran-Krieg, anfällige Lieferketten, hohe Finanzierungskosten und die geopolitische Unsicherheit Bauherren und Investoren zu schaffen. Eine Baugenehmigung bedeute noch weder Baubeginn noch fertigen Wohnraum.
Wohnungsbau bleibt in der Krise
Baugenehmigungen gelten als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung im Wohnungsbau. Denn Projekte, die nicht genehmigt werden, können später auch nicht umgesetzt werden. Die Branche leidet seit längerem unter höheren Finanzierungskosten und gestiegenen Baupreisen. Besonders in Großstädten und Ballungsräumen fehlt es weiterhin an bezahlbarem Wohnraum.
Die Bundesregierung versucht deshalb gegenzusteuern. Mit einem sogenannten Bau-Turbo sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Zudem wurden Förderprogramme für energieeffizientes Bauen wieder aufgenommen, um den Wohnungsbau anzukurbeln.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion