Scorpions wollen ihren Film auch in Kiew zeigen
Die Scorpions würden ihren Spielfilm „Wind Of Change“ über das Ende des Kalten Krieges gern auch in der ukrainischen Hauptstadt präsentieren. Sänger Klaus Meine sagte, die Band habe oft in der Ukraine gespielt und fühle sich dem Land angesichts des russischen Angriffskrieges besonders verbunden. Es mache die Musiker traurig zu sehen, wie sich die Geschichte scheinbar rückwärts bewege. Zugleich hoffe man, dass sich der „Wind“ bald wieder in Richtung Frieden drehe. Die Premiere des Films ist für Ende Januar 2027 in Berlin geplant.
Eine Aufführung in Moskau hält Meine dagegen derzeit für ausgeschlossen. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine mache das unrealistisch. Die berühmte Scorpions-Ballade „Wind of Change“ gilt seit langem als musikalisches Symbol für das Ende des Ost-West-Konflikts. Der Film mit demselben Titel erzählt, gespielt von Schauspielern, den Aufstieg der Band aus Hannover zum internationalen Erfolg – bis hin zu ihren Auftritten hinter dem Eisernen Vorhang.
Erinnerungen an den Wandel in der Sowjetunion
Bandgründer Rudolf Schenker erinnerte daran, dass frühere Generationen mit Panzern gekommen seien, die Scorpions jedoch mit Gitarren, Rockmusik und einer Botschaft von Liebe und Frieden. Auch Meine sprach von prägenden Bildern: Soldaten der Roten Armee, die ihre Mützen in die Luft warfen und gemeinsam mit den Fans feierten. Für die Band sei damals spürbar gewesen, dass sich die Welt vor ihren Augen verändere.
Nach Ansicht von Meine war Michail Gorbatschow eine Schlüsselfigur dieser Zeit. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, dass 1989 in der DDR keine Panzer gegen Demonstrierende eingesetzt wurden. Dafür müsse man ihm dauerhaft Respekt zollen. Vor fast genau 35 Jahren, im Dezember 1991, traf die Band Gorbatschow im Kreml zu einem intensiven Austausch. Ein solches Gespräch mit dem heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin sei für ihn nicht vorstellbar.
Filmstart auch in weiteren Ländern geplant
Die von Alex Ranarivelo inszenierte Rock-Geschichte soll nicht nur in Deutschland zu sehen sein. Gitarrist Matthias Jabs bezeichnete den Film als Darstellung eines entscheidenden Abschnitts der Weltgeschichte. Die eigene Band auf der Leinwand von Schauspielern verkörpert zu sehen, sei allerdings ungewohnt. Bisher hätten die Scorpions ihr Schaffen immer selbst gestaltet – der Film sei deshalb eine ganz neue Erfahrung.
Mehr als eine Rockband-Geschichte
Für Klaus Meine transportiert der Film vor allem die Hoffnung auf einen Neuanfang. Vielleicht brauche es eine neue Generation, die bereit sei, alte Gräben zu überwinden und Versöhnung zuzulassen. Musik habe schon einmal Brücken gebaut und Menschen verbunden, die durch Grenzen voneinander getrennt waren. Deshalb sei „Wind Of Change“ nicht nur ein Film über eine erfolgreiche Rockband, sondern auch über die deutsche Teilung und das Zusammenwachsen beider deutscher Staaten.
Ein Abschied von der Bühne ist für die Scorpions trotz ihrer mehr als 60-jährigen Bandgeschichte nicht in Sicht. Schenker betonte, dass es der Gruppe weiterhin große Freude bereite, ihr Repertoire weltweit zu spielen. Für 2027 haben die Musiker bereits eine weitere Tour angekündigt, darunter vier Konzerte in Deutschland.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber