Kontinuität statt Neuanfang: Alfred Gislason bleibt auch über die Heim-Weltmeisterschaft hinaus Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der Deutsche Handballbund hat den Vertrag mit dem 66 Jahre alten Isländer bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles verlängert.
Gislason zeigte sich nach der Entscheidung erfreut. Er sei stolz auf die Entwicklung der Mannschaft und dankbar für das Vertrauen, bis 2028 weiterarbeiten zu dürfen. Zugleich äußerte er die Überzeugung, mit dem Team noch den letzten Schritt machen zu können.
Zuletzt waren in der Öffentlichkeit immer wieder Bennet Wiegert vom SC Magdeburg und Florian Kehrmann vom TBV Lemgo Lippe als mögliche Nachfolger genannt worden. In der wichtigsten Personalfrage setzte der Verband jedoch auf Erfahrung und Stabilität.
DHB-Führung stellt sich klar hinter Gislason
DHB-Präsident Andreas Michelmann lobte den Bundestrainer ausdrücklich. Neben seinen fachlichen Qualitäten sei Gislason für den Verband ein verlässlicher Stabilitätsfaktor, der in unruhigen Zeiten Ruhe und Sicherheit gebe.
Auch DHB-Sportvorstand Ingo Meckes würdigte die Arbeit des Isländers. Gislason sei nicht nur ein herausragender Coach, sondern auch menschlich äußerst verlässlich. Zudem habe er die Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren grundlegend erneuert und damit auch über die WM 2027 hinaus zukunftsfähig gemacht. Mit Olympia 2028 könne er diesen Weg vollenden.
Vertrag lief eigentlich nach der WM aus
Der bisherige Vertrag des 66-Jährigen wäre ursprünglich nach der Weltmeisterschaft im kommenden Januar ausgelaufen. Gislason ist seit Februar 2020 im Amt und hatte seinen Wunsch nach einer Fortsetzung der Zusammenarbeit früh bekräftigt. Er betonte erneut, wie viel ihm die Aufgabe als Bundestrainer bedeute.
Allerdings hatte die DHB-Spitze in der Personalfrage lange gezögert. Umso größer ist nun das Signal, dass der Verband die komplette Olympiade mit Gislason bestreiten will.
Rückendeckung aus der Mannschaft
Auch aus dem Team hatte Gislason zuletzt deutliche Unterstützung erhalten. Spielmacher Juri Knorr und Kapitän Johannes Golla sprachen sich bereits im März rund um die Testspiele gegen Ägypten für einen Verbleib des Bundestrainers aus. Beide verwiesen auf die positive Entwicklung der Mannschaft und das Vertrauen, das Gislason seinen Spielern schenkt.
Schwieriger Start, dann Silber bei Olympia und EM
Gislason musste nach seinem Amtsantritt zunächst schwierige Jahre bewältigen. Auf die Anfangszeit in der Corona-Phase folgte ein umfassender personeller Umbruch. Inzwischen gehört die DHB-Auswahl zu den jüngsten Spitzenteams im Welthandball.
Dass Talente wie Nils Lichtlein, David Späth oder Renars Uscins früh Verantwortung übernehmen, gilt als ein wesentlicher Verdienst des Bundestrainers. Auch Spieler wie Juri Knorr und Julian Köster entwickelten sich unter ihm zu prägenden Kräften.
Sportlich kann Gislason ebenfalls starke Resultate vorweisen: 2024 führte er Deutschland überraschend zu Olympia-Silber, in diesem Jahr kam EM-Silber hinzu. In beiden Fällen war erst gegen das überragende Dänemark Endstation. Kritiker halten ihm allerdings weiter vor, den Abstand zur Weltspitze noch nicht entscheidend verkleinert zu haben.
Im Januar noch heftig in der Kritik
Dass Gislason nun verlängert, war zu Jahresbeginn alles andere als sicher. Nach der Niederlage gegen Serbien in der EM-Vorrunde stand er massiv unter Druck, eine Trainerdebatte entbrannte. Auch prominente Stimmen wie Stefan Kretzschmar und Michael Kraus übten damals deutliche Kritik.
Mal ging es um personelle Entscheidungen, mal um sein Coaching in den Auszeiten. Doch die deutsche Mannschaft reagierte, gewann das entscheidende Spiel gegen Spanien, zog in die Hauptrunde ein und holte nach Erfolgen gegen Portugal, Norwegen, Frankreich und Kroatien am Ende doch noch die Silbermedaille.
Mit der Verlängerung setzt der DHB nun bewusst auf Kontinuität – und auf die Hoffnung, dass Gislason die Mannschaft bei der Heim-WM und anschließend auf dem Weg nach Los Angeles 2028 weiter an die Weltspitze heranführen kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion