Fußball

1860 München warnt Fans: «Was jetzt beginnt, wird hart»

Neustart mit Absturzgefahr: 1860 warnt Fans vor harten Zeiten – und macht trotzdem Hoffnung trotz Rechtszoff.

25.06.2026, 14:12 Uhr

Nach dem Zerwürfnis mit Investor Hasan Ismaik und dem bereits feststehenden Zwangsabstieg in die Regionalliga ist beim TSV 1860 München nun das Insolvenzverfahren über die bisherige Spielbetriebsgesellschaft eröffnet worden. Der Verein wandte sich zugleich mit einem eindringlichen Appell an seine Anhänger und warb um Geschlossenheit, Zuversicht und Unterstützung für den Neustart.

Schon am Morgen hatte der Club auf seiner Homepage angekündigt, dass nun eine schwierige Phase beginne. Die Fans wurden aufgefordert, den eingeschlagenen Weg mitzutragen, Optimismus auszustrahlen, den Verein sichtbar zu unterstützen, Mitglied zu werden und weitere Menschen für die Gemeinschaft der Löwen zu gewinnen.

Insolvenz betrifft die KGaA, nicht den Stammverein

Das Amtsgericht München bestellte einen Insolvenzverwalter, um das Vermögen der Gesellschaft zu sichern. Betroffen ist dabei nicht der eingetragene Verein selbst, sondern die TSV München von 1860 GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Diese Gesellschaft war bislang gemeinsam vom e.V. und Ismaik getragen worden und verantwortete unter anderem den Profispielbetrieb sowie die U21 und die U19.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Max Liebig bestellt. Er verfügt bereits über Erfahrung mit prominenten Insolvenzverfahren, darunter beim Fußballverein Türkgücü München und im Fall des Gastronomen Alfons Schuhbeck. Medienberichten zufolge soll 1860-Geschäftsführer Manfred Paula den Insolvenzantrag am Dienstagabend beim Amtsgericht eingereicht haben.

Zwangsabstieg nach Kündigung des Darlehens

Auslöser der aktuellen Entwicklung ist die Kündigung eines Darlehens durch Ismaik. Dadurch konnte der Traditionsclub die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Verbleib in der 3. Liga nicht mehr erfüllen. Die Folge ist der Abstieg in die Regionalliga.

Zuvor waren Verhandlungen zwischen Ismaik und dem Stammverein gescheitert. Der Jordanier, der bei vielen Fans umstritten ist, warf dem Verein zuletzt vor, die Insolvenz bewusst herbeigeführt zu haben, um ihn loszuwerden. Der TSV 1860 hielt dagegen, die Forderungen des Investors seien nicht umsetzbar gewesen, und kündigte daraufhin den seit 2011 bestehenden Kooperationsvertrag.

Hoffnung auf einen Neuanfang in neuer Struktur

Das Spielrecht beim Bayerischen Fußball-Verband liegt weiterhin beim Verein. Deshalb wurde auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende bereits eine neue Spielbetriebsgesellschaft gegründet. Künftig soll sie den Profifußball der Löwen organisieren und den Neustart in der 4. Liga stemmen.

Vordringlich ist nun, bis zum Start der Regionalliga Ende Juli einen konkurrenzfähigen Kader und eine funktionierende Organisation aufzustellen. Der Verein betonte, man arbeite mit aller Kraft daran, 1860 auf ein gesundes wirtschaftliches Fundament zu stellen und eine nachhaltige, erfolgreiche Zukunft aufzubauen. Jeder gemeinsame Schritt stärke den Club langfristig.

Appell an die Fans: „Glaubt an diesen Weg“

Mit Blick auf die kommenden Wochen wirbt der TSV offensiv um Rückhalt aus dem Umfeld. Die Botschaft an die Anhänger ist eindeutig: Sie sollen an den Neustart glauben, Zuversicht verbreiten, die Löwen mit Stolz tragen, das Wappen sichtbar machen und zusammenstehen.

Der Verein hofft, dass gerade in der Krise neue Unterstützung entsteht – durch zusätzliche Mitglieder, mehr Präsenz im Alltag und ein klares Bekenntnis zum eingeschlagenen Kurs.

Viele offene Fragen rund um den Neustart

Trotz der eingeleiteten Neuaufstellung sind zentrale Punkte noch ungeklärt. Dazu gehört auch, unter welchen Rahmenbedingungen die künftige Mannschaft auftreten wird. Brisant ist dabei, dass die Merchandising GmbH samt der Nutzungsrechte an Logos und Schriftzügen vollständig Ismaik gehört.

Juristische Folgen noch offen

Welche rechtlichen Konsequenzen die jüngsten Vorgänge nach sich ziehen, ist derzeit weiter unklar. Das betrifft sowohl die Darlehenskündigung durch Ismaik als auch das Ende des Kooperationsvertrags, die Insolvenz der KGaA und die Gründung der neuen Gesellschaft.

Ismaik hatte bereits eine vollständige und transparente juristische Aufarbeitung angekündigt. Im Umfeld des Vereins wächst daher die Sorge, dass der frühere Geldgeber mit Klagen oder einstweiligen Verfügungen den Neustart der Münchner erschweren oder verzögern könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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