Olympia

Athleten zerlegen IOC-Prämie: «Da geht mehr!»

10.000 Dollar für Olympia-Starter? Für viele ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein – und manche gehen komplett leer aus.

25.06.2026, 13:09 Uhr

IOC-Zuschuss für Olympia-Teilnehmer sorgt weiter für gemischte Reaktionen

Die vom Internationalen Olympischen Komitee angekündigte Zahlung von 10.000 US-Dollar an jede Olympia-Teilnehmerin und jeden Olympia-Teilnehmer wird in der Athletengemeinde zwar als Fortschritt gewertet, aber keineswegs als ausreichende Lösung. Leo Köpp aus dem Präsidium von Athleten Deutschland sagte, bis zu einer fairen Beteiligung der Sportlerinnen und Sportler sei noch „erheblich Luft nach oben“. Der dafür vorgesehene Fonds von 140 Millionen Dollar entspreche „weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes des IOC im selben Zyklus“.

Mit dem Beschluss hat das IOC nach vielen Jahren mit seiner bisherigen Linie gebrochen. Bei einem Sondergipfel in Lausanne gab die Dachorganisation dem anhaltenden Druck zahlreicher Olympioniken nach und stimmte erstmals einer direkten finanziellen Unterstützung zu. Die internationale Interessenvertretung Global Athlete sprach von einem gemeinsamen Erfolg und verwies darauf, dass zuvor sogar 25.000 Dollar pro Olympia-Starter gefordert worden waren.

Paralympics-Teilnehmer gehen leer aus

Während Olympiateilnehmer nun von der neuen Regelung profitieren sollen, bleiben Paralympics-Athletinnen und -Athleten vorerst außen vor. Marc Möllmann, Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbands, sagte, eine Gleichstellung wäre ausdrücklich wünschenswert. Gespräche über ein vergleichbares Modell beim Internationalen Paralympischen Komitee seien jedoch nicht bekannt.

Inzwischen hat auch das IPC bestätigt, dass es derzeit keine Pläne für Prämienzahlungen an Paralympics-Teilnehmer gibt. Ein Sprecher verwies auf die deutlich anderen finanziellen Rahmenbedingungen der paralympischen Bewegung. Ein ähnlicher Fonds sei aktuell praktisch nicht umsetzbar. Nach dpa-Informationen liegen die IPC-Einnahmen in Jahren ohne Paralympics bei 24 bis 26 Millionen Euro. Das IOC hatte dagegen allein für 2025 Einnahmen von 650 Millionen US-Dollar, also rund 572 Millionen Euro, bekanntgegeben.

IOC betont: Kein Preisgeld, sondern Anerkennung

Über viele Jahre hatte das IOC direkte Zahlungen an Olympioniken abgelehnt und stattdessen auf die Verteilung großer Teile seiner Milliarden-Einnahmen an nationale und internationale Verbände verwiesen. Auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte noch vor Kurzem betont, keine Bezahlung für Olympia-Teilnehmer zu befürworten, was ihr viel Kritik einbrachte. Nun sagte sie, das Thema werde seit vielen Jahren diskutiert, und sie sei stolz darauf, dass die Umsetzung jetzt möglich sei.

Pau Gasol, Vorsitzender der IOC-Athletenkommission, stellte bei der Vorstellung der neuen Zahlung klar, dass die 10.000 Dollar nicht als Preisgeld verstanden werden sollen. Es gehe darum, den Weg und das Engagement anzuerkennen, die nötig seien, um überhaupt Olympionike zu werden.

Auch Athleten Deutschland bezeichnete den einstimmigen IOC-Beschluss als historischen, wenn auch längst überfälligen Schritt. Aus Sicht des Verbands ist das ein vorsichtiger Einstieg in eine im internationalen Profisport längst übliche Praxis: diejenigen an den wirtschaftlichen Gewinnen zu beteiligen, die diese Gewinne mit ihren Leistungen überhaupt erst ermöglichen.

Auszahlung über „Athlete365“

Beantragt werden muss der Zuschuss von den Athletinnen und Athleten über die Plattform „Athlete365“. Anspruchsberechtigt sind bereits die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo im Februar. Nach Angaben von Coventry dürfte die Bearbeitung aller Anträge rund sechs Monate in Anspruch nehmen. Die Auszahlung läuft über die Nationalen Olympischen Komitees, die nachweisen müssen, dass die komplette Summe bei den Sportlerinnen und Sportlern ankommt.

Zuschuss auch für Sport-Millionäre

Bei der Deutschen Sporthilfe wird die neue Zahlung grundsätzlich positiv bewertet. Vorständin Karin Orgeldinger sprach von einer sinnvollen Ergänzung der bestehenden Förderstrukturen im deutschen Sport. Entscheidend sei nun, dass das IOC das Verfahren transparent und möglichst unbürokratisch organisiere. Sporthilfe-Sprecher Max Hartung hob hervor, dass die umgerechnet rund 8.800 Euro vor allem beim Übergang in das Berufsleben helfen könnten.

Bislang erhielten deutsche Olympia-Teilnehmer nur dann Prämien, wenn sie eine Medaille gewannen. Zuletzt zahlte die Sporthilfe 30.000 Euro für Gold, 20.000 Euro für Silber und 10.000 Euro für Bronze. Seit diesem Jahr sind diese Prämien zudem steuerfrei.

Für die Winterspiele in Italien sowie die Sommerspiele in Los Angeles rechnet das IOC mit rund 14.000 berechtigten Athletinnen und Athleten. Darunter sind auch Spitzenverdiener aus Sportarten wie Fußball, Tennis oder Eishockey. Gasol, selbst früher Großverdiener in der NBA, betonte, dass auch diese Sportler Anerkennung verdienten. Wie sie mit dem Geld umgehen, bleibe ihnen selbst überlassen.

Wer den Zuschuss nicht behalten möchte, kann ihn nach IOC-Angaben auch spenden oder darauf verzichten. Nicht abgerufene Mittel sollen im Fonds verbleiben und späteren Athletengenerationen zugutekommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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