IOC-Zuschuss für Olympia-Teilnehmer löst gemischte Reaktionen aus
Die vom Internationalen Olympischen Komitee angekündigte Zahlung von 10.000 US-Dollar an jede Olympia-Teilnehmerin und jeden Teilnehmer wird von Athletenvertretern zwar als Fortschritt gesehen, aber nicht als ausreichende Lösung. Leo Köpp vom Präsidium von Athleten Deutschland erklärte, von einer wirklich fairen Beteiligung der Sportler an den IOC-Einnahmen sei man noch deutlich entfernt. Der dafür vorgesehene Fonds von 140 Millionen Dollar entspreche nicht einmal zwei Prozent der IOC-Gesamterlöse im betreffenden Vierjahreszeitraum.
Mit dem Beschluss hat das IOC nach jahrelanger Zurückhaltung erstmals einer direkten finanziellen Unterstützung für Olympioniken zugestimmt. Die internationale Interessenvertretung Global Athlete wertete dies als Erfolg des gemeinsamen Drucks aus der Athletenschaft. Dort war zuletzt sogar eine Zahlung von 25.000 Dollar pro Olympia-Starter gefordert worden.
Während Olympiateilnehmer nun von der neuen Regelung profitieren sollen, bleiben Paralympics-Athletinnen und -Athleten vorerst außen vor. Marc Möllmann vom Deutschen Behindertensportverband sagte, eine vergleichbare Unterstützung durch das Internationale Paralympische Komitee wäre ausdrücklich wünschenswert. Konkrete Gespräche dazu seien jedoch bislang nicht bekannt.
IOC: Keine Siegprämie, sondern Anerkennung
Über viele Jahre hatte das IOC direkte Zahlungen an Olympioniken abgelehnt und stattdessen auf die Verteilung großer Teile seiner Milliarden-Einnahmen an nationale und internationale Verbände verwiesen. Auch IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte noch vor Kurzem betont, keine Bezahlung für Olympia-Teilnehmer zu befürworten, was ihr viel Kritik einbrachte. Nun sprach sie davon, dass das Thema seit Jahren diskutiert werde und sie stolz sei, die Umsetzung jetzt möglich zu machen.

Pau Gasol, Vorsitzender der IOC-Athletenkommission, stellte klar, dass die 10.000 Dollar nicht als Preisgeld verstanden werden sollen. Aus seiner Sicht gehe es darum, den langen Weg, die Anstrengungen und das Engagement zu würdigen, die notwendig sind, um überhaupt an Olympischen Spielen teilnehmen zu können.
Auch Athleten Deutschland bezeichnete die einstimmige IOC-Entscheidung als historisch, wenn auch überfällig. Der Verband sieht darin einen ersten, vorsichtigen Schritt hin zu einer Praxis, die im internationalen Profisport längst verbreitet ist: diejenigen an den wirtschaftlichen Erträgen zu beteiligen, die mit ihren Leistungen überhaupt erst die Grundlage dafür schaffen.
Auszahlung über „Athlete365“
Beantragt werden muss der Zuschuss von den Athletinnen und Athleten über die Plattform „Athlete365“. Anspruchsberechtigt sind bereits die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo im Februar. Nach Angaben von Coventry dürfte die Bearbeitung aller Anträge etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Die Auszahlung läuft über die Nationalen Olympischen Komitees, die sicherstellen und nachweisen müssen, dass die komplette Summe bei den Sportlern ankommt.
Auch Topverdiener erhalten den Betrag
Bei der Deutschen Sporthilfe wird die neue Zahlung grundsätzlich positiv bewertet. Vorständin Karin Orgeldinger sprach von einer sinnvollen Ergänzung der bestehenden Förderstrukturen im deutschen Sport. Entscheidend sei nun, dass das IOC das Verfahren transparent und ohne unnötige Bürokratie organisiere. Sporthilfe-Sprecher Max Hartung hob hervor, dass die umgerechnet rund 8.800 Euro vor allem beim Übergang in das Berufsleben helfen könnten.
Bislang erhielten deutsche Olympia-Teilnehmer nur dann Prämien, wenn sie eine Medaille gewannen. Zuletzt zahlte die Sporthilfe 30.000 Euro für Gold, 20.000 Euro für Silber und 10.000 Euro für Bronze. Seit diesem Jahr sind diese Prämien zudem steuerfrei.
Für die Winterspiele in Italien sowie die Sommerspiele in Los Angeles rechnet das IOC mit ungefähr 14.000 berechtigten Athletinnen und Athleten. Darunter sind auch Spitzenverdiener aus Sportarten wie Fußball, Tennis oder Eishockey. Gasol betonte, dass auch diese Sportler Anerkennung verdienten. Wie sie mit dem Geld umgehen, bleibe ihnen selbst überlassen.
Wer den Zuschuss nicht behalten möchte, kann ihn nach IOC-Angaben auch spenden oder darauf verzichten. Nicht abgerufene Mittel sollen im Fonds verbleiben und späteren Athletengenerationen zugutekommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber