DFB-Pokalfinale als WM-Test unter den Augen von Nagelsmann
Beim Endspiel im DFB-Pokal am Samstag im Berliner Olympiastadion geht es nicht nur um einen nationalen Titel. Das Duell entwickelt sich zugleich zu einer wichtigen Bühne mit Blick auf die Weltmeisterschaft. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird genau hinschauen, denn gleich elf Akteure von Meister FC Bayern und Titelverteidiger VfB Stuttgart stehen in seinem 26-köpfigen WM-Aufgebot.
Sieben Bayern-Profis – Manuel Neuer, Jonathan Tah, Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka, Jamal Musiala und Lennart Karl – treffen auf die vier Stuttgarter Alexander Nübel, Angelo Stiller, Jamie Leweling und Deniz Undav. In Berlin sind sie Gegner, ab Mittwoch dann in Herzogenaurach und später bei der WM in Kanada, Mexiko und den USA Mitspieler. Das Finale könnte also schon Hinweise liefern, wer rechtzeitig in Topform ist.
Fokus auf das Tor: Neuer, Nübel oder doch Urbig?
Besonders im Mittelpunkt steht Manuel Neuer. Der 40 Jahre alte Bayern-Kapitän könnte nach seinem zwischenzeitlichen Rückzug aus der Nationalmannschaft nun doch wieder als deutsche Nummer eins bei seiner fünften WM seit 2010 antreten.
Allerdings ist fraglich, ob Neuer im Finale überhaupt spielen kann. Wegen Problemen an der linken Wade konnte der Weltmeister von 2014 in dieser Woche nicht trainieren. Damit steigt die Chance, dass Bayern-Coach Vincent Kompany kein Risiko eingeht und stattdessen Jonas Urbig aufstellt. Dann käme es zum direkten Vergleich mit Stuttgarts Alexander Nübel – ebenfalls ein Duell mit WM-Bezug. Nagelsmann nimmt den 22-jährigen Urbig zusätzlich zu Neuer, Oliver Baumann und Nübel als Trainingskeeper mit nach Nordamerika.

Mittelstädt und Führich: Reaktion auf die Nichtnominierung?
Nicht alle Finalteilnehmer schafften es in den WM-Kader. Vor allem Maximilian Mittelstädt und Chris Führich vom VfB gingen leer aus, obwohl beide in der entscheidenden Saisonphase starke Leistungen zeigten. Nagelsmann sprach bei ihnen von besonders schwierigen Entscheidungen.
Nun stellt sich die Frage, wie das Duo reagiert: mit zusätzlicher Motivation und einer überzeugenden Vorstellung im Endspiel? Ein Pokalsieg wäre für beide ein versöhnlicher Abschluss vor der Sommerpause.
Auch Bayerns Talent Tom Bischof hatte auf eine Berufung gehofft. Laut Nagelsmann war der 20-Jährige sehr nah dran, bekam aber noch keinen Platz im Aufgebot. Die Perspektive bleibt für ihn dennoch positiv.
Musiala im Blickpunkt
Bei Bayern ruhen die Offensivhoffnungen im Finale vor allem auf internationalen Stars wie Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz. Doch auch Jamal Musiala könnte zur Schlüsselfigur werden.
In München wartet man weiterhin darauf, dass der 23-Jährige nach seinem Beinbruch bei der Club-WM 2025 wieder vollständig zu alter Stärke findet. Für Nagelsmann ist Musiala ungeachtet dessen unverzichtbar. Der Bundestrainer sieht ihn auf einem guten Weg und hält ihn selbst dann für außergewöhnlich, wenn er noch nicht ganz bei 100 Prozent ist.
Stiller gegen Pavlovic im Mittelfeld
Spannend wird auch das Duell zwischen Angelo Stiller und Aleksandar Pavlovic. Beide wurden in München geboren und gelten als starke Optionen auf der defensiven Mittelfeldposition. Stiller ist in Stuttgart ein zentraler Taktgeber, musste aber lange um seinen WM-Platz bangen. Pavlovic wiederum hat sich beim FC Bayern neben Joshua Kimmich festgespielt und sich im internen Konkurrenzkampf sogar vor Leon Goretzka geschoben.
Nagelsmann bezeichnete beide als die konstantesten tiefen Sechser der Bundesliga. Das Pokalfinale könnte daher auch im Hinblick auf die Rollenverteilung im DFB-Team zusätzliche Aussagen liefern.
Endspiel mit doppelter Bedeutung
Das Finale zwischen Bayern und Stuttgart ist damit weit mehr als nur ein Kampf um den Pokal. Für zahlreiche Nationalspieler bietet sich die Chance, kurz vor dem WM-Start noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen – vor dem Bundestrainer und vor großem Publikum.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion