Die EU-Kommission hat die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch den Konkurrenten Paramount unter Bedingungen genehmigt. Nach Angaben der Brüsseler Wettbewerbshüter betreffen die Auflagen vor allem den Filmvertrieb in Europa.
Die Behörde prüft große Zusammenschlüsse darauf, ob sie den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt beeinträchtigen könnten. Das gilt auch für ausländische Konzerne mit hohem Umsatz, die in der EU aktiv sind.
Warner und Paramount sind in Europa unter anderem mit Streamingdiensten wie Max und Paramount+ vertreten, lizenzieren Filme und TV-Formate an Fernsehsender und verleihen Kinofilme. Bei der Filmproduktion sieht die EU-Kommission auch nach der Übernahme weiterhin ausreichend Konkurrenz im Europäischen Wirtschaftsraum. Genannt werden etwa Disney, NBC Universal, Sony sowie kleinere US-Studios wie Amazon MGM, A24 und Lionsgate, daneben auch europäische Filmstudios.
Änderungen beim Filmvertrieb
Probleme sieht die Kommission dagegen beim Vertrieb von Filmen an Kinos. Paramount Pictures und Universal Pictures vertreiben über das Gemeinschaftsunternehmen United International Pictures (UIP) Filme an Kinobetreiber.
Nach Einschätzung der EU wären nach dem Zusammenschluss auch Warner-Filme über UIP vertrieben worden. Ohne Gegenmaßnahmen hätte das zu schlechteren Miet- und Vertriebsbedingungen für Kinos führen und am Ende auch Verbraucher benachteiligen können.
Paramount hat deshalb Zusagen gemacht: Das Unternehmen muss innerhalb von 13 Monaten nach Abschluss der Transaktion seine Beteiligung an UIP im Europäischen Wirtschaftsraum abgeben. Zudem darf Paramount für zehn Jahre keine Vereinbarungen mit Universal über einen gemeinsamen Filmvertrieb in Europa schließen. Außerdem dürfen Warner- oder Paramount-Filme nicht über denselben Kinofilmvertrieb laufen wie Produktionen von Disney und Universal. Ein unabhängiger Treuhänder soll die Umsetzung kontrollieren.
UIP mit Sitz in London wurde 1981 gegründet und vertreibt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 1.000 Filme unter Lizenz, darunter über 100 Oscar-prämierte Titel wie „Der Pate“ und „Frühstück bei Tiffany“. In Deutschland und einigen anderen Märkten arbeiten Universal Pictures und Paramount Pictures allerdings bereits seit Jahren nicht mehr gemeinsam über UIP, sondern über eigene Verleihstrukturen.
US-Verfahren noch nicht abgeschlossen
Unabhängig von der EU läuft die Prüfung in anderen Ländern weiter. Die US-Regierung hatte den milliardenschweren Deal zwar bereits ohne Auflagen gebilligt. Nach einer Klage von zwölf US-Bundesstaaten wurde die Übernahme jedoch zu Beginn der Woche per Gerichtsbeschluss zunächst für zwei Wochen gestoppt.
In diesem Zeitraum soll über eine längerfristige einstweilige Verfügung verhandelt werden. Die Bundesstaaten argumentieren, der Zusammenschluss könne den Wettbewerb bei populären Filmen verzerren und Kinos unter Druck setzen. Nach Ansicht der zuständigen Richterin konnten die Kläger zumindest plausibel machen, dass Warner und Paramount zusammen in diesem Geschäft über einen erheblichen Marktanteil verfügen.
Kritik an politischem Einfluss und Marktmacht
Für zusätzliche Diskussionen sorgt die Eigentümerseite von Paramount. Hinter dem Unternehmen steht die Familie des Software-Milliardärs Larry Ellison, der als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump gilt. Kritiker in den USA befürchten deshalb, dass CNN unter einem Paramount-Dach an redaktioneller Unabhängigkeit verlieren könnte. Als Warnsignal gilt ihnen eine nach der Übernahme durch die Ellison-Familie beobachtete wohlwollendere Berichterstattung des Paramount-Senders CBS über Trumps Regierung.
Mit der Übernahme will Ellison den Einfluss von Paramount in Hollywood deutlich ausbauen. Paramount zählt bislang zu den kleineren großen Studios und ist unter anderem für Marken wie „PAW Patrol“ und „Mission: Impossible“ bekannt. Warner bringt starke Filmreihen wie „Harry Potter“, das DC-Universum mit Superman und Batman sowie ein bedeutendes Streaminggeschäft ein.
Ende Februar hatte Warner Bros. Discovery dem mehr als 100 Milliarden Dollar schweren Verkauf an Paramount zugestimmt, nachdem Netflix zuvor aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen war. Gegen den Deal regte sich jedoch auch in Hollywood Widerstand: Stars wie Jane Fonda, Javier Bardem und Ben Stiller kritisierten im April, dass immer weniger mächtige Akteure bestimmten, was produziert werde und zu welchen Bedingungen. Ein entsprechender Brief wurde laut Mitteilung von mehr als 1.000 Branchenvertretern unterstützt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber