Klose bleibt im Trainingslager gelassen – Nürnbergs Defensive wird neu aufgebaut
Miroslav Klose strahlt im Südtiroler Gais trotz einiger offener Baustellen viel Ruhe aus. Vor beeindruckender Bergkulisse wirkt der Trainer des 1. FC Nürnberg entspannt, obwohl der Sommer für den Club gerade in der Abwehr einschneidende Veränderungen gebracht hat.
Denn die komplette Viererkette der vergangenen Saison steht nicht mehr zur Verfügung. Die beiden Außenverteidiger Henri Koudossou und Berkay Yilmaz waren nur ausgeliehen und sind nicht geblieben. Hinzu kommen die Abgänge von Kapitän Fabio Gruber, der zum 1. FSV Mainz wechselt, sowie Luka Lotschoschwili, der künftig für den 1. FC Köln spielt. Vor allem der Verlust der beiden Innenverteidiger dürfte schwer wiegen, zählten sie in der vergangenen Zweitliga-Spielzeit doch zu den stärksten Akteuren auf ihren Positionen.
Faye soll die Lücke in der Innenverteidigung schließen
Auch beim 3:2 im dritten Testspiel gegen Waldhof Mannheim konnte sich in der Defensive noch niemand dauerhaft aufdrängen. Weder Neuzugang Alexios Kalogeropoulos, Kapitän der griechischen U21, noch Stjopa Mkrtschjan, der bereits im Winter gekommen war, hinterließen einen so stabilen Eindruck, dass die Verantwortlichen auf weitere Verstärkung verzichten könnten.
Diese soll nun mit Mikayil Faye kommen. Der 22 Jahre alte Senegalese wird für ein Jahr von Stade Rennes ausgeliehen, zudem sicherte sich Nürnberg eine Kaufoption. Rennes hatte vor zwei Jahren selbst tief in die Tasche gegriffen, um den Verteidiger vom FC Barcelona zu holen.

Seitdem verlief Fayes Entwicklung allerdings nicht wie erhofft. Beim Club und unter Klose soll der frühere Barça-Profi nun wieder in die Spur finden. Eigentlich war seine Verpflichtung schon für Dienstag vorgesehen, doch ein gestrichener Flug verzögerte den Abschluss. Spätestens im Laufe des heutigen Tages soll der Transfer aber fix werden.
Auch links hinten besteht noch Handlungsbedarf
Nicht nur im Abwehrzentrum, auch auf der linken Seite sucht Nürnberg weiterhin dringend nach einer Lösung. Abgesehen davon ist der Kader im Vergleich zu den beiden Vorjahren jedoch ungewöhnlich früh nahezu komplett.
Ganz vom Tisch sind personelle Veränderungen trotzdem noch nicht. Sowohl Rafael Lubach als auch Torhüter Jan Reichert könnten den Verein noch verlassen. Ihre Verträge enden im kommenden Sommer, weshalb ein Verkauf in diesem Jahr die letzte realistische Möglichkeit wäre, noch eine Ablöse zu erzielen.
Unklare Zukunft bei Torjäger Zoma
Fragezeichen gibt es außerdem bei Mohamed Ali Zoma. Der Offensivspieler steht zwar noch langfristig bis 2029 bei den Franken unter Vertrag, doch sein Marktwert ist nach der starken vergangenen Saison deutlich gestiegen. Mit 14 Treffern hat er Interesse anderer Vereine geweckt.
Klose gibt sich in dieser Personalie nach außen gelassen. Aus seiner Sicht sei aktuell alles in Ordnung, konkrete Signale für einen Abschied habe er bislang nicht erhalten.
Zoma selbst äußert sich dagegen eher zurückhaltend zu seiner Zukunft. Ein klares Bekenntnis zum 1. FC Nürnberg vermeidet er bislang. Nach seinen Worten müsse man abwarten, was komme. Sportvorstand Joti Chatzialexiou denkt bei einem möglichen Verkauf offenbar an eine sehr hohe Summe: Mindestens 15 Millionen Euro sollen es für den schnellen und dribbelstarken Italiener sein – das wäre eine neue Rekordablöse für den Club.
Aufstieg ist im Hinterkopf präsent
Trotz aller offenen Fragen herrscht in Nürnberg Zuversicht. Offiziell wird zwar kein konkretes Saisonziel ausgegeben, intern scheint der Gedanke an den Sprung in die Bundesliga aber durchaus präsent zu sein.
Mittelfeldspieler Adam Markhiev formuliert es offen: Jeder Profi wolle aufsteigen, dafür spiele man schließlich Fußball. Mit Blick auf den Kader und den Trainerstab sieht er den FCN dafür gut aufgestellt.
Auch Klose hat das Gefühl, dass seine Mannschaft im Vergleich zum selben Zeitpunkt des Vorjahres schon weiter ist. Die Abläufe würden früher greifen, weil ein großer Teil des Teams bereits länger zusammenspiele. Lediglich in der neu formierten Defensive brauche es naturgemäß noch etwas Zeit. Bis zum Zweitliga-Auftakt am 9. August gegen Dynamo Dresden bleibt diese noch. Klose ist überzeugt: Wenn die Frische zurückkommt und die Beine wieder leichter werden, wird das Gesamtbild noch einmal deutlich besser aussehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber