Kurz vor der erwarteten Verpflichtung und Präsentation von Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer verdichten sich auch die Hinweise auf sein künftiges Trainerteam. Nach Informationen der „Bild“ soll der frühere Nationalspieler Sven Bender bei der deutschen Nationalmannschaft als Co-Trainer einsteigen. Eine offizielle Bestätigung des DFB steht dazu allerdings weiterhin aus.
Zusätzlichen Rückenwind bekommt die wohl bevorstehende Klopp-Lösung vom FC Bayern München. Präsident Herbert Hainer bezeichnete den 59-Jährigen in München als „den absolut Richtigen“, um die Nationalelf nach dem nächsten WM-Fehlschlag wieder in die Spur zu bringen. „Ich finde, es ist eine gute Lösung“, sagte Hainer am Rande eines Termins der Bayern-Basketballer.
Hainer sieht in Klopp den passenden Impulsgeber
Mit Blick auf die schwachen Auftritte der Nationalmannschaft bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften sagte Hainer, nun brauche es vor allem Motivation und Aufbruchstimmung. Genau dafür stehe Klopp aus seiner Sicht.
Der Bayern-Präsident verwies auf dessen erfolgreiche Stationen bei Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Dort habe Klopp stets eine besondere Dynamik entfacht, Fans, Spieler und den gesamten Club mitgenommen. Hainer ist überzeugt, dass genau dieser Effekt auch dem DFB guttun könnte.
Besonders hob er Klopps Ausstrahlung hervor. Deutschland habe aus seiner Sicht genug gute Fußballer. Klopp sei ein „Menschenfänger auf allen Ebenen“, der Menschen mitreißen und eine Mannschaft so begeistern könne, dass sie auf dem Platz mehr als 100 Prozent gebe.
Verpflichtung offenbar kurz vor dem Abschluss
Die Verpflichtung Klopps als Nachfolger von Julian Nagelsmann (38) soll nach intensiven Verhandlungen noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Auch die Präsentation beim DFB in Frankfurt am Main wird zeitnah erwartet. Geplant ist ein Vertrag bis zur nächsten WM-Endrunde 2030.
Auch Hainer geht inzwischen klar vom Vollzug aus. Er sagte, er habe nichts anderes gehört, weder vom DFB noch von Klopps Seite. Zudem habe Red Bull zugestimmt, dass Klopp aus seinem laufenden Vertrag herauskommen kann. Dort war er eigentlich noch bis 2029 als globaler Fußballchef gebunden.
Bayern kritisiert die jüngsten WM-Auftritte deutlich
Hainer machte zugleich klar, wie kritisch er die jüngsten Turniere bewertet. Für ihn sind die WM-Enttäuschungen 2018 in Russland, 2022 in Katar und nun in Amerika nicht akzeptabel. Deutschland sei der weltgrößte Fußballverband, der Anspruch müsse deshalb ein anderer sein. Fans wollten die Nationalmannschaft wieder mit starken Leistungen und erfolgreichen Turnieren erleben.
Die DFB-Auswahl war unter Ex-Bayern-Coach Nagelsmann beim ersten WM-Turnier mit 48 Teams in den USA bereits in der ersten K.-o.-Runde ausgeschieden – gegen Paraguay im Elfmeterschießen.
Bender als Co-Trainer wäre auch ein Signal
Die mögliche Personalie Sven Bender könnte auch inhaltlich für einen bestimmten Kurs stehen. Mit ihm käme ein früherer Profi hinzu, der für harte Arbeit, Disziplin und Hingabe auf dem Platz stand – Eigenschaften, die bei einer Klopp-Mannschaft traditionell eine große Rolle spielen.
Der 37-Jährige war noch bis vor rund zwei Wochen Cheftrainer der SpVgg Unterhaching in der Regionalliga. Dann kam es überraschend zur Trennung. Gerade deshalb sorgt sein Name im Zusammenhang mit dem DFB nun für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Was Unterhachings Präsident Schwabl sagt
Unterhachings Präsident Manfred Schwabl hatte bereits direkt nach dem Aus betont, dass ihn vor allem die Kurzfristigkeit der Entscheidung überrascht habe. Als Grund wurden damals unterschiedliche Auffassungen über die künftige sportliche Ausrichtung und Zielsetzung genannt.
Ob möglicherweise die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Klopp den Ausschlag gegeben hat, wollte Schwabl im Nachhinein nicht kommentieren. Der dpa sagte er stattdessen mit einem gewissen Stolz: „Es ist schön, dass die SpVgg Unterhaching für den DFB die Trainer ausbildet; erst Manuel Baum, dann Sandro Wagner und jetzt dann Sven Bender.“
Tatsächlich gibt es dafür Beispiele: Manuel Baum, heute Cheftrainer des FC Augsburg, begann seine Laufbahn in Unterhaching und arbeitete später beim DFB mit der U20. Sandro Wagner wechselte 2023 direkt von Unterhaching zum Verband und war nach Stationen bei der U20 von 2023 bis 2025 Assistent von Julian Nagelsmann bei der A-Nationalmannschaft.
Was Klopp und Bender verbindet
Als nahezu sicher gilt, dass Klopp seine langjährigen Vertrauten Peter Krawietz (54) und Pepijn Lijnders (43) als Co-Trainer mit zum DFB bringen wird. Mit Sven Bender käme ein weiterer enger Bekannter hinzu.
Bender wechselte 2009 vom TSV 1860 München zu Borussia Dortmund und erlebte dort unter Klopp die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Mit dem BVB gewann er 2011 und 2012 die deutsche Meisterschaft. 2013 erreichten beide gemeinsam das Finale der Champions League, das Dortmund in London gegen den FC Bayern München mit 1:2 verlor.
Bender war über Jahre hinweg ein zentraler Spieler in Klopps Dortmunder Mannschaft und galt als Musterprofi mit großem Einsatz für das Team – ein typischer Klopp-Spieler. Darüber hinaus bringt er auch DFB-Erfahrung mit: Für die A-Nationalmannschaft absolvierte er sieben Länderspiele, zudem gehörte er 2016 zum deutschen Olympia-Aufgebot. Zwischen 2022 und 2023 war er außerdem Assistenztrainer der U16-Auswahl des DFB.
Gerade diese Verbindung aus Klopp-Vergangenheit, Einsatzmentalität und Verbandserfahrung dürfte Bender für die DFB-Verantwortlichen besonders interessant machen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber