Nach der Landung am Smith Reynolds Airport ist die deutsche Nationalmannschaft in ihrem WM-Quartier in Winston-Salem angekommen. Rund um das herrschaftliche „The Graylyn Estate“ erwarten Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Co. vor allem viel Grün, hügelige Straßen, schmucke Villen und kaum Verkehr – ein deutlicher Kontrast zu den elektrisierenden Großstadt-Eindrücken aus Chicago, wo die DFB-Auswahl ihre möglichst lange WM-Reise mit dem 2:1 gegen die USA begonnen hatte.
Im heißen North Carolina startet für Bundestrainer Julian Nagelsmann nun die entscheidende Phase vor dem Turnierbeginn. Erste Zielmarke ist der WM-Auftakt am Sonntag um 19.00 Uhr (ARD) in Houston gegen Curaçao.
Kleines Schlösschen im Grünen
Winston-Salem mit seinen rund 250.000 Einwohnern ist bewusst eine Nummer kleiner als Chicago. Die Stadt im amerikanischen Kernland bietet mit der Wake Forest University und ihrem markanten Sportcampus genau die Umgebung, die Nagelsmann für die Vorbereitung wollte.
Das Graylyn Estate gilt als schlossartige Luxus-Unterkunft – mit viel Marmor, dunklem Holz und Kronleuchtern. Zugleich ist es eine beliebte Hochzeits-Location und damit ziemlich weit entfernt vom üblichen Alltag der Generation „Wusiala“. Rund um das Quartier können sich die Spieler bei Bedarf mit dem Fahrrad oder Golf-Cart bewegen.
Für die DFB-Profis ist die Unterkunft dennoch Neuland. Kai Havertz hatte vor dem Einzug gesagt, er habe bereits ein Video gesehen und freue sich auf das Quartier.
Nagelsmanns Wunschort mit College-Flair
Nagelsmann hatte sich den Standort schon 2025 nach der WM-Auslosung angesehen – und war sofort angetan. Damals trug er bei der Besichtigung sogar ein sandfarbenes Cap mit dem „Wake“-Schriftzug und warf einige Bälle in der Halle, in der einst Tim Duncan seine Karriere begann.
Besonders gefällt dem Bundestrainer das amerikanische College-Leben und die klare Ausrichtung auf den Sport. Er lobt immer wieder die besondere Atmosphäre und den aus seiner Sicht ausgeprägten Sportsgeist in den USA, wo Athleten auch über Teamgrenzen hinweg freundlich und respektvoll behandelt würden.
Erste Einheit vor 3.000 Fans
Trainiert wird die Auswahl auf dem Gelände der Wake Forest University, nur unweit des Teamhotels. Für die erste öffentliche Einheit im Spry Stadium waren die 3.000 Tickets schnell vergriffen. Damit erfüllt die DFB-Elf auch direkt die FIFA-Vorgabe, wonach jedes der 48 WM-Teams mindestens einmal vor Fans trainieren muss.
Auf dem Trainingsgelände ist bereits alles vorbereitet: Ein hohes schwarz-rot-goldenes Banner schirmt die Plätze vor neugierigen Blicken ab. Auf einem großen Transparent steht zudem: „Danke Winston-Salem, Thanks Winston-Salem“.
Auch in der Stadt ist die deutsche Mannschaft sichtbar angekommen. Am markanten Reynolds Building, einem Wahrzeichen der Region, weht bereits die deutsche Flagge neben den amerikanischen Fahnen.
Nach Chicago jetzt bewusst mehr Abschirmung
Nach dem öffentlichen und medialen Trubel in Chicago dürfte Nagelsmann die ruhigere Atmosphäre in North Carolina sehr entgegenkommen. Vor dem Abflug hatte er seiner Mannschaft noch einen freien Sonntag in der Metropole am Lake Michigan gegeben, zugleich aber deutlich gemacht, dass er sich für sein Team mehr Ruhe und weniger ständige Beobachtung wünscht.
Im Graylyn Estate dürfte es diese Rückzugsmöglichkeiten reichlich geben. Das weitläufige Gelände war schon vor der Ankunft der Mannschaft weitgehend abgesperrt.
Wontorras Zweifel sorgen weiter für Debatten
Nach den öffentlichen Zweifeln von TV-Moderatorin Laura Wontorra am Standort Winston-Salem war über das Quartier ausführlich diskutiert worden. Im Umfeld des Teams wird jedoch vor allem auf einen anderen Punkt verwiesen: Ruhe und Rückzug galten auch bei früheren erfolgreichen Turnieren als wichtiger Faktor.
Als Vergleich wird intern gerne das WM-Quartier von Campo Bahia 2014 herangezogen – idyllisch gelegen, aber deutlich abgeschiedener als Winston-Salem. Das Graylyn Estate bietet dagegen zwar viel Ruhe, ist aber im direkten Umfeld dennoch gut erschlossen.
Feinschliff für Neuer und „Wusiala“
Sportlich geht es in Winston-Salem um die letzten Details. Manuel Neuer soll nach seinen Wadenproblemen wieder komplett fit werden. Gleichzeitig hofft das Trainerteam, dass Jamal Musiala und Florian Wirtz ihren zuletzt so gefeierten gemeinsamen Rhythmus – vielerorts schon als „Wusiala“ bezeichnet – rechtzeitig zum Turnierstart wieder voll finden.
Ouedraogo schon vor dem Team da
Noch vor der Reisegruppe aus Chicago war bereits Assan Ouedraogo im Teamquartier eingetroffen. Der 20-Jährige, der für den verletzten Lennart Karl nachnominiert wurde, kam schon am Sonntag am Hotel an – einen Tag vor dem restlichen Team. Laut dpa fuhr der Leipziger dabei in einer schwarzen Limousine auf das bereits gesicherte Gelände.
Am Samstag reist die DFB-Elf nach der letzten Trainingseinheit in Winston-Salem weiter nach Houston. Dort folgt einen Tag später der WM-Auftakt gegen Turnierdebütant Curaçao.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion