Fußball

WM-Drama pur: Weinender Karl, Sané in der Jubeltraube

WM-Traum geplatzt! Bei Lennart Karl fließen Tränen, statt Turnier wartet Reha – und andere drängen schon in seine Rolle.

07.06.2026, 09:00 Uhr

Als sich nach dem 2:1-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA ausgerechnet Leroy Sané im Zentrum des Jubels wiederfand, war Lennart Karl bereits wieder in Deutschland. Für den 18-Jährigen endete der Traum von der Weltmeisterschaft abrupt und unter Tränen.

Karl hatte sich bei der letzten Turnierprobe im Soldier Field eigentlich noch einmal zeigen wollen. Der Bayern-Youngster hoffte, seinen steilen Aufstieg auf der größten Fußballbühne fortzusetzen. Stattdessen profitierte nun Sané von der Situation: Er übernahm auf der rechten Offensivseite, erzielte in der 57. Minute mit links das entscheidende Tor und wurde so zum Matchwinner. Danach stellte er klar, dass für ihn nicht der persönliche Treffer, sondern die Mannschaft im Vordergrund stehe.

Verletzung bei einfachem Torschuss

Für Karl kam das Aus denkbar unglücklich. Wie Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärte, erlitt der Offensivspieler bei einem "relativ einfachen Torschuss" im Training vor dem letzten WM-Test einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel. Damit platzte sein Traum von einer Teilnahme am Turnier auf dramatische Weise.

Im Stadion flossen bei Karl Tränen, ebenso später beim Abschied von der Mannschaft im Teamhotel. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sprach von sehr emotionalen Momenten. Karl habe sich trotz seiner Enttäuschung noch an die Mannschaft gewandt, was ihm sichtlich schwergefallen sei.

"Es tut unbeschreiblich weh"

Auf Instagram schilderte der 1,68 Meter große Offensivspieler, den viele nur Lenny nennen, seine Enttäuschung offen. Es sei kaum in Worte zu fassen, wie schmerzhaft es sei, das größte Turnier zu verpassen. Er habe alles für die WM getan, doch Verletzungen kämen oft genau dann, wenn man sie am wenigsten brauche.

USA - Deutschland
Torschütze Leroy im Zentrum der deutschen Jubeltraube. Quelle: Christian Charisius/dpa

Die Anteilnahme war groß. Nagelsmann sprach von einem schweren Schlag für alle. Kapitän Joshua Kimmich, ebenfalls Bayern-Profi, sagte, es tue ihm für Karl "brutal leid". Auch Lothar Matthäus zeigte Mitgefühl. Der frühere Weltmeister-Kapitän erinnerte daran, dass eine WM für viele Spieler ein Kindheitstraum sei, auf den man jahrelang hinarbeite. Gerade für Karl, der in nur wenigen Monaten als Profi einen rasanten Aufstieg hingelegt habe, sei dieser Rückschlag auch mental schwer zu verarbeiten.

Reha statt WM

Statt Weltmeisterschaft steht für Karl nun Rehabilitation auf dem Programm. Vom FC Bayern erhielt er volle Unterstützung. Sportvorstand Max Eberl betonte, dass sich nichts an Karls Talent, seiner Leidenschaft und seinen Perspektiven ändere. Karl selbst kündigte bereits an, stärker zurückkehren zu wollen.

Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler versuchte, Mut zu machen. Karl sei noch sehr jung und werde in Zukunft weitere Chancen auf große Turniere bekommen.

Ouédraogo rückt nach

So hart das Geschäft ist: Verletzungen gehören dazu, und der Blick geht schnell nach vorn. Für Karl rückt überraschend Assan Ouédraogo in den 26er-Kader nach. Der 20-Jährige aus Leipzig übernimmt den frei gewordenen Platz im Aufgebot.

Auch auf dem Platz gegen die USA war Karls Ausfall bereits sichtbar. Sané zeigte viel Einsatz, suchte immer wieder das Dribbling und strahlte trotz einiger zunächst erfolgloser Aktionen Gefahr aus. Schließlich nutzte er eine starke Vorlage von Kai Havertz zum Siegtreffer. Völler hob vor allem Sanés Tempodribblings und sein sehenswertes Tor hervor.

Nagelsmann zeigte sich mit Sanés Auftritt insgesamt zufrieden. Der Bundestrainer betonte, ein Tor sei für einen Offensivspieler immer ein zentraler Faktor. Einen Stammplatz wollte er ihm dennoch nicht garantieren. Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten in der Offensive.

Mehrere Optionen für die Startelf

Nagelsmann verwies unter anderem auf Maximilian Beier, Jamie Leweling, Jamal Musiala und erneut Havertz. Deutschland verfüge über genügend Alternativen und wolle mit großer Vorfreude in das Turnier gehen.

Sané formulierte das Ziel klar: Die Mannschaft freue sich riesig auf die Weltmeisterschaft und wolle angreifen. Genau das hätte wohl auch Lennart Karl gerne mitgestaltet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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