Fußball

Nagelsmanns WM-Lehren: Darum der Bulls-Besuch überrascht

Nach USA-Sieg lockt Chicago: DFB-Stars haben frei, Nagelsmann tüftelt heimlich schon am letzten WM-Feinschliff.

07.06.2026, 05:23 Uhr

Rücklings auf einem Golfcart fahrend verließ Julian Nagelsmann nach dem 2:1 (1:1) gegen die USA den Schauplatz der geglückten WM-Generalprobe. Nachdem der Bundestrainer im Soldier Field seine Medienpflichten erledigt hatte, entließ er Joshua Kimmich und die Nationalspieler in einen freien Sonntag in Chicago.

Freier Tag in Chicago

„Die Jungs haben frei und können den Tag gestalten, wie sie möchten“, sagte Nagelsmann nach dem Sieg. Chicago biete genug Möglichkeiten für ein paar entspannte Stunden. Wer kein eigenes Programm hatte, konnte alternativ an einer Führung durch das Trainingszentrum der Chicago Bulls teilnehmen.

Nagelsmann selbst wollte die freie Zeit vor allem für die Analyse des USA-Spiels und zur Schonung seiner angeschlagenen Stimme nutzen. Das Trainerteam werde die Partie erneut auswerten und wichtige Szenen für die Nachbereitung in der kommenden Woche zusammenschneiden, kündigte er an.

Raue Stimme kein größeres Problem

Die auffällig angeschlagene Stimme nahm Nagelsmann mit Humor. So schlimm klinge sie gar nicht, meinte er scherzhaft. Ursache seien nicht etwa ein oder zwei Bourbon, sondern die stark heruntergekühlten Klimaanlagen in Chicago. Mit dem Umzug ins WM-Quartier nach Winston-Salem in North Carolina soll das Kratzen im Hals schnell verschwinden – möglichst schon am Montag, spätestens am Dienstag.

Dort bezieht die DFB-Elf das Basecamp im Graylyn Estate. Trainiert wird auf dem Campus der Wake Forest University, dessen professionelle Bedingungen Nagelsmann bereits ausdrücklich lobte. Danach gilt der Fokus nur noch dem Feinschliff für den WM-Auftakt.

Trotz Sieg noch Luft nach oben

Auch wenn der Erfolg wichtig für das Selbstvertrauen war, sieht Nagelsmann vor dem Turnier weiter Verbesserungsbedarf. „Natürlich haben wir noch ein paar Dinge zu tun. Das ist normal“, sagte der 38-Jährige vor dem Weiterflug nach North Carolina. Zum WM-Start am kommenden Sonntag um 19.00 Uhr MESZ in Houston gegen Curaçao soll dann möglichst alles passen.

Ergebnistechnisch liest sich der WM-Vorlauf stark: Seit September gelangen neun Siege in Serie. Das 2:1 gegen die USA war zudem der zweite Testspielerfolg innerhalb weniger Tage nach dem 4:0 gegen Finnland.

Alle Neune auf Kurs Richtung WM

Joshua Kimmich hob vor allem den guten Rhythmus und das Einspielen mit einer weitgehend unveränderten Mannschaft hervor. Das liefert auch Hinweise auf die mögliche Startelf für den Turnierauftakt. Nach dem verletzungsbedingten WM-Aus von Lennart Karl dürfe sich die Mannschaft nun nicht ablenken lassen. „Jeder muss dafür sorgen, dass er bereit ist“, forderte der DFB-Kapitän.

Nagelsmann nimmt aus der Partie vor allem positive Eindrücke zur Mentalität seines Teams mit. Trotz des Rückschlags um Karl und trotz eines robusten Gegners habe die Mannschaft konzentriert weitergearbeitet und sportlich die richtige Antwort gefunden, als der Spielfluss zwischenzeitlich verloren ging. Sportdirektor Rudi Völler sprach von einem gelungenen Nachmittag und betonte, die USA hätten der DFB-Elf einiges abverlangt. Besonders die ersten 20 Minuten gefielen ihm.

Offensive macht Hoffnung

Ein großer Pluspunkt bleibt die Offensive. Kai Havertz unterstrich erneut seine starke Form und kann im Turnier zu einer Schlüsselfigur werden. Völler nannte ihn einen „begnadeten Fußballer“. Auch Leroy Sané überzeugte als Ersatz für Karl, arbeitete engagiert auf dem Flügel und belohnte sich mit seinem Treffer.

Für Nagelsmann ist genau das eine der wichtigsten Qualitäten eines Offensivspielers. Zugleich machte er deutlich, dass es auf der rechten offensiven Seite mehrere Optionen gibt und der Konkurrenzkampf dort hoch bleiben soll.

Pressing nur mit voller Intensität

Den Leistungsabfall nach der starken Anfangsphase erklärte Nagelsmann auch taktisch. Bei hohen Temperaturen müsse seine Mannschaft variabel reagieren. Wenn hoch gepresst werde, dann mit voller Intensität. Reiche die Kraft dafür nicht aus, sei ein kompakter Rückzug die bessere Lösung.

Zugleich benannte der Bundestrainer konkrete Baustellen: Die gute Positionsbesetzung im letzten Drittel müsse noch effektiver genutzt werden, damit aus Pressingmomenten mehr klare Torchancen entstehen. Außerdem seien in der Rückwärtsbewegung einige Bälle zu schlampig verloren gegangen.

Startelf noch nicht offiziell fix

Eine endgültige Aussage zur Anfangsformation für das Curaçao-Spiel wollte Nagelsmann noch nicht treffen. Viel spricht allerdings dafür, dass – sofern alle fit bleiben – nur im Tor gewechselt wird und Manuel Neuer für Oliver Baumann zurückkehrt. Baumann hatte gegen die USA mit starken Paraden überzeugt und großen Anteil am Sieg. Nagelsmann lobte ihn erneut als „großen Sportsmann“.

Größere Umbauten kündigte der Bundestrainer nicht an. „Was wir nicht machen, ist achtmal wechseln“, sagte er. Nach dem freien Tag in Chicago richtet sich der Blick nun komplett auf das Basecamp, die letzten Korrekturen – und den Start in die WM.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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