Wirtschaft

30-Milliarden-Coup: Italiens größte Bank jagt Rivalin

Mega-Deal in Italien? Zwei Bankriesen steuern auf eine brisante Fusion zu – mit Folgen für den ganzen Finanzsektor.

08.06.2026, 08:05 Uhr

Die Fusionswelle im italienischen Bankensektor nimmt weiter Fahrt auf: Die Großbank Intesa Sanpaolo aus Turin will den heimischen Rivalen Banca Monte dei Paschi di Siena übernehmen und hat dafür ein Angebot von etwas mehr als 30 Milliarden Euro vorgelegt.

Wie Intesa mitteilte, sollen die Aktionäre von Monte dei Paschi je Anteilsschein einen Euro in bar sowie 1,6 Intesa-Aktien erhalten. Auf dieser Grundlage wird eine Monte-Paschi-Aktie mit gut zehn Euro bewertet. Das entspricht einem Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Insgesamt bewertet Intesa die ausstehenden Aktien des Instituts damit auf rund 30,6 Milliarden Euro.

Mit dem Schritt reagiert Intesa auch auf die Pläne der deutlich kleineren Banco BPM, die bereits am Wochenende ihr Interesse an einem Zusammenschluss mit Monte dei Paschi angekündigt hatte. Einen konkreten Preis für eine mögliche Offerte nannte Banco BPM zwar nicht. Nach ihren Angaben käme die fusionierte Bank aber auf einen gemeinsamen Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Euro. Damit deutet sich nun ein Bieterkampf um die einstige Krisenbank an, die vor neun Jahren vom italienischen Staat vor dem Untergang gerettet worden war.

Börse reagiert unterschiedlich

An der Mailänder Börse fielen die Reaktionen am Montag unterschiedlich aus. Die Aktie von Monte dei Paschi legte am Morgen um knapp zehn Prozent zu. Das Papier von Intesa Sanpaolo verlor dagegen knapp vier Prozent, während Banco BPM um rund 0,5 Prozent nachgab.

Größter Deal der jüngsten Fusionswelle

Eine Übernahme von Monte dei Paschi wäre der bislang größte Schritt in der seit 2024 laufenden Konsolidierung unter Italiens Banken. Im vergangenen Jahr hatte Monte dei Paschi selbst die Konkurrentin Mediobanca übernommen, Banco BPM kaufte den Vermögensverwalter Anima.

Der Versuch von Unicredit, Banco BPM zu übernehmen, war dagegen gescheitert. Unicredit-Chef Andrea Orcel konzentriert sich seither auf eine mögliche Übernahme der Commerzbank.

Banco BPM bringt derzeit an der Börse nur rund 20 Milliarden Euro auf die Waage. Daraus ergibt sich für Monte dei Paschi in dem skizzierten Zusammenschluss rechnerisch eine Bewertung von etwa 30 Milliarden Euro. Intesa Sanpaolo ist mit einer Marktkapitalisierung von knapp 100 Milliarden Euro deutlich größer.

Teile von Monte dei Paschi sollen an Unipol gehen

Monte dei Paschi soll im Zuge der Übernahme nicht vollständig im Turiner Institut aufgehen. Um kartellrechtliche Bedenken abzufedern, plant Intesa, die Marke Monte dei Paschi, rund die Hälfte der Filialen, den Großteil der Konzernzentrale sowie weitere Vermögenswerte an den Versicherer Unipol zu verkaufen. Dafür soll Unipol nach Angaben von Intesa etwa 3 bis 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Konkret sollen 635 Geschäftsstellen von Monte dei Paschi an Unipol gehen, die übrigen 625 Filialen an Intesa. Die jüngst von Monte dei Paschi übernommene Mediobanca soll mitsamt ihrer Marke bei Intesa landen.

Synergien von 2,9 Milliarden Euro angepeilt

Intesa-Chef Carlo Messina stellt durch die Transaktion Synergien von rund 2,9 Milliarden Euro vor Steuern in Aussicht, die bis 2029 erreicht werden sollen. Davon entfallen 1,5 Milliarden Euro auf Kostensenkungen, der übrige Teil soll aus höheren Erträgen kommen.

Dem stehen laut Intesa Integrationskosten von 2,1 Milliarden Euro gegenüber. Nach Steuern würden diese mit rund 1,4 Milliarden Euro zu Buche schlagen.

Zudem will Intesa die mit der Übernahme verbundene 13-prozentige Beteiligung an Generali behalten und sie um etwa drei Prozentpunkte aufstocken. Dabei handele es sich lediglich um eine Finanzbeteiligung, betonte die Bank.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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