Doku blickt auf Taylor Swifts Aufstieg zum Weltstar zurück
Taylor Swift hat den Wandel vom Country-Nachwuchs zur wohl größten Popkünstlerin der Gegenwart öffentlich vollzogen. Rund anderthalb Jahre nach dem Abschluss ihrer großen "Eras Tour" zeichnet die zweiteilige Dokumentation "Becoming Taylor Swift" diesen Weg noch einmal nach.
Regisseur Guy King setzt bei den frühen Jahren der Sängerin in Nashvilles Country-Szene an. Zu Wort kommen dabei ehemalige Wegbegleiter, Journalistinnen und Journalisten sowie Fans. Produziert wurden die beiden Filme für den britischen Sender Channel 4, in Deutschland sind sie ab sofort im Streamingangebot des ZDF verfügbar. Die erste Folge läuft zudem am 12. Juni um 0.45 Uhr im ZDF.
Vom frühen Songwriting bis zum Plattenvertrag
Mithilfe von Archivmaterial, Audioaufnahmen und Songzitaten schildert die Dokumentation Swifts außergewöhnliche Laufbahn. King folgt dabei weitgehend einer chronologischen Erzählweise: Er zeigt, wie Swift schon in jungen Jahren eigene Lieder schreibt und sich mit Ausdauer, Talent und der Unterstützung ihrer Eltern Schritt für Schritt einen Plattenvertrag erarbeitet.
Auch ihre musikalische Entwicklung steht im Mittelpunkt: von den Country-Anfängen über die stetige Veränderung ihres Sounds bis hin zur vollständigen Neuaufstellung als Popstar. Fachleute in der Doku betonen, dass Swift in den 2000er- und 2010er-Jahren gezielt ein junges weibliches Publikum ansprach. Statt Provokation und freizügiger Inszenierung setzte sie auf Emotionen und persönliche Geschichten.

Die Journalistin Zing Tsjeng beschreibt das als Ansprache einer lange vernachlässigten Zielgruppe: junge Frauen und Mädchen, die sich in den Songs wiederfinden und das Gefühl haben, die Texte handelten direkt von ihrem Leben.
Prägende Jahre, Rückzug und Neustart
Einblicke in Swifts frühe Karriere liefern unter anderem ihr früherer Manager Rick Barker und die Journalistin Vanessa Grigoriadis, die 2009 ein längeres Interview mit ihr führte. Ausschnitte aus diesen Aufnahmen machen deutlich, wie intensiv sich die damals 19-Jährige bereits mit ihrer Musik und ihrer Karriere beschäftigte.
Ergänzt wird das durch Erzählungen langjähriger "Swifties", die berichten, wie sie mit ihrer Musik aufgewachsen sind und welche Parallelen sie zwischen ihrem eigenen Leben und dem der Sängerin sehen.
Der erste Teil endet mit einem Einschnitt, den Swift selbst später immer wieder als besonders prägend beschrieben hat: dem öffentlichen Konflikt mit Kanye West und Kim Kardashian im Jahr 2016 sowie ihrem anschließenden Rückzug aus der Öffentlichkeit. Nach einer Phase fernab des Rampenlichts kehrte sie 2017 mit dem Album "Reputation" zurück.
Swift selbst kommt nur aus dem Archiv zu Wort
"Becoming Taylor Swift" versteht sich weniger als klassische Musikdokumentation. In der zweiten Folge werden spätere Alben deshalb nur noch am Rande behandelt. Stattdessen richtet sich der Fokus auf Swifts Versuch, sich auch politisch zu positionieren, sowie auf den Streit um die Rechte an ihren ersten sechs Alben.
Wenn die Doku schließlich beim Beginn der "Eras Tour" im Jahr 2023 ankommt, schlägt sie noch einmal den Bogen zum Konflikt mit Kanye West. Zing Tsjeng formuliert dazu, für eine Frau gebe es kaum eine wirkungsvollere Antwort als wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolg.
Gerade hier zeigt sich jedoch eine Schwäche der Produktion: Die Deutung von Swifts Motiven und Gefühlen überlässt sie weitgehend anderen. Die Sängerin selbst ist nur über älteres Archivmaterial präsent, das in vielen Fällen bereits bekannt ist, etwa aus der Netflix-Dokumentation "Miss Americana" von 2020.
Solider Überblick, aber wenig Neues
Dass Swift in dieser Doku nicht aktuell selbst zu Wort kommt, fällt umso mehr auf, weil sie im vergangenen Jahr durchaus interviewfreudig war. So sprach sie ausführlich im Podcast ihres Partners Travis Kelce, gab zahlreiche Interviews rund um ihr neues Album "The Life of a Showgirl" und war in mehreren Late-Night-Shows zu sehen. Bereits Ende 2025 erschien bei Disney+ zudem eine sechsteilige Dokureihe über die "Eras Tour". Zuletzt veröffentlichte auch die "New York Times" ein längeres Video-Interview mit ihr über ihr Songwriting.
Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die diese Formate bereits kennen, dürfte "Becoming Taylor Swift" daher nur wenige neue Erkenntnisse bieten. Wer sich jedoch erstmals intensiver mit ihrer Karriere beschäftigt, erhält einen kompakten und unterhaltsamen Überblick über ihren Werdegang.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion