Wirtschaft

Diese Geldgeber wollen Start-Ups

Deutschlands Start-ups haben Ideen im Überfluss – aber zu wenig Geld. Kann mehr Wagniskapital die Wirtschaft retten?

08.06.2026, 06:00 Uhr

VC-Branche wirbt in Berlin für 15 Milliarden Euro jährlich an Wachstumskapital

Die deutsche Venture-Capital-Branche drängt mit Unterstützung der Bundesregierung auf deutlich mehr Geld für wachstumsstarke Start-ups. Nach Darstellung von 24 Fonds und Investoren könnten jährlich 15 Milliarden Euro an zusätzlichem Risikokapital helfen, die deutsche Wirtschaft nach Jahren der Stagnation wieder anzuschieben.

Vorgestellt wurde das Strategiepapier am Montag beim Investorenkongress „Super Return“ in Berlin im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Initiative richtet sich vor allem an große Vermögensverwalter und institutionelle Kapitalanleger.

Die Unterzeichner haben sich im German Venture and Growth Forum zusammengeschlossen, auf Deutsch: Deutsches Wagnis- und Wachstumsforum. Sie verweisen auf die USA, deren Wirtschaft in den vergangenen 25 Jahren deutlich stärker gewachsen ist als die der EU. Viele der heute dominierenden und hochprofitablen US-Technologiekonzerne seien einst junge Firmen gewesen, die in ihrer Frühphase auf Risikokapital angewiesen waren.

Kernthese: Ohne Wachstumskapital fehlt der Schub

Tech-Investor Alexander Kudlich sieht im Mangel an Wachstumskapital einen wesentlichen Grund für den Abstand zwischen Europa und den USA. Nach Einschätzung der Initiative könnten europäische Start-ups Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und eine Bewertung von mehr als drei Billionen Dollar erreichen – sofern ausreichend Kapital verfügbar ist.

Viele Start-ups kommen ohne Anschlussfinanzierung nicht voran

Die Initiative greift damit ein seit Langem bekanntes Problem auf. Für junge Unternehmen in der Gründungsphase gibt es in Deutschland oft öffentliche Förderung. Doch gerade innovative Tech-Firmen brauchen häufig viele Jahre, bis sie profitabel arbeiten. In dieser Zeit sind sie auf Investoren angewiesen, die die verlustreiche Aufbauphase finanzieren.

Genau an solchen Geldgebern mangelt es hierzulande weiterhin. Eine Ausnahme sind derzeit vor allem Start-ups aus dem Rüstungsbereich, die vergleichsweise leicht Investoren finden. Banken fallen als klassische Finanzierer meist aus, weil sie Kredite vor allem an wirtschaftlich stabile Unternehmen vergeben und hohe Risiken meiden müssen.

Martin Blessing, früherer Commerzbank-Chef und heute Investitionsbeauftragter von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), schreibt in dem Papier, dass es in allen Wachstumsphasen schnell skalierender Technologieunternehmen an Finanzierung fehle.

Große Anleger verfügen über das nötige Geld

Im Blick der Initiative stehen vor allem Europas große Vermögensverwalter, darunter Gesellschaften von Banken und Versicherern. Anders als Banken vergeben sie keine klassischen Darlehen, sondern investieren das Geld ihrer Kunden in Anleihen, Aktien und andere Wertpapiere.

Als Schwergewicht der Branche gilt etwa die Allianz: Deren zwei Investmentgesellschaften betreuten Ende des ersten Quartals zusammen mehr als zwei Billionen Euro an Kundengeldern. Aus Sicht der Start-up-Investoren liegt genau hier ein großes Potenzial. Bislang gilt Risikokapital bei vielen Vermögensverwaltern jedoch nicht als Kerngeschäft, weil die Häuser traditionell vorsichtig anlegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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