Manuel Neuer vor WM-Comeback: Fokus auf die Rückkehr ins DFB-Tor
Manuel Neuer kann noch für kurze Zeit durchschnaufen. Vor allem seine angeschlagene linke Wade steht dabei im Mittelpunkt. Danach richtet sich der Blick ganz auf die anstehende Weltmeisterschaft – und auf seine mögliche Rückkehr auf die ganz große Bühne.
Nach dem Pokalsieg mit dem FC Bayern hatte sich der Nationaltorhüter mit guten Erinnerungen aus Berlin verabschiedet. In den sozialen Netzwerken zeigte er sich ausgelassen und schrieb, dass man die Hauptstadt vermisst habe. Nun aber zählt für ihn nur noch das Turnier in den USA. Die Szenen aus dem Olympiastadion, in denen Neuer unbeschwert feiert, dürften auch Bundestrainer Julian Nagelsmann vor dem Start der WM-Vorbereitung in Herzogenaurach optimistisch stimmen.
Rekordmarke schon zum Turnierstart möglich
Die Muskelverhärtung in der Wade, wegen der Neuer zuletzt beim 3:0 gegen den VfB Stuttgart fehlte, soll rechtzeitig auskuriert sein. Jonas Urbig durfte dadurch für Bayern ein erstes großes Finale bestreiten. Spätestens zum WM-Auftakt am 14. Juni gegen Curaçao in Houston könnte Neuer aber wieder einsatzbereit sein. Mit seinem dann möglichen 20. WM-Spiel würde er mit Hugo Lloris gleichziehen – einer von mehreren möglichen Bestwerten in diesem Sommer.
Nach dem Pokalsieg zeigte sich Neuer bestens gelaunt und kündigte vor den Fans an, dass es zum Feiern allemal reiche. Sollte er jedoch nicht rechtzeitig fit werden, dürfte die Torwartfrage erneut zu einem großen Diskussionsthema werden.

Debatten um Neuer sind nicht neu
Schon vor früheren Weltmeisterschaften war Neuers Rolle häufig Gegenstand intensiver Gespräche.
2010
Mit 24 Jahren rückte Neuer zur Nummer eins auf, nachdem sich René Adler verletzte. Joachim Löw setzte bei der WM in Südafrika auf den damaligen Schalker. Neuer überzeugte, kassierte in sechs Spielen nur drei Gegentore und wurde zu einem der prägenden Gesichter der jungen DFB-Auswahl.
2014
Vor der WM in Brasilien verletzte sich Neuer im Pokalfinale gegen Dortmund an der Schulter. Roman Weidenfeller übernahm daraufhin die letzten Testspiele. Erst beim Turnier selbst stieg Neuer wieder voll ein – und glänzte. Als Weltklassetorwart trug er entscheidend zum Gewinn des vierten WM-Titels bei.
2018
Damals vertrat Marc-André ter Stegen Neuer über längere Zeit. Trotz eines erneuten Mittelfußbruchs setzte Löw zu Beginn des WM-Trainingslagers wieder auf Neuer als Stammtorwart. Nicht alle im Umfeld verstanden diese Entscheidung. In Russland verlief das Turnier jedoch katastrophal, und Deutschland schied früh aus.
2022
Auch vor Katar war Neuer zunächst nicht durchgehend verfügbar – erst wegen eines Infekts, später wegen Schulterproblemen. Wieder war ter Stegen sein Vertreter. Bei der WM spielte dennoch Neuer, stellte mit 19 Einsätzen einen deutschen Rekord auf, konnte das Aus in der Vorrunde aber erneut nicht verhindern. Danach schien seine WM-Laufbahn beendet.
Der Sommer 2026 bringt die nächste Neuer-Diskussion
Nun steht mit der WM 2026 das nächste Kapitel bevor. Kaum eine Personalentscheidung von Julian Nagelsmann sorgt aktuell für so viel Gesprächsstoff wie die Rückkehr Neuers nach fast zwei Jahren seit seinem Rücktritt nach der Heim-EM. Bereits 2024 hatte Nagelsmann ihm erst im März wieder den Status als Nummer eins gegeben. Kurz darauf verletzte sich Neuer, stand bei der Europameisterschaft aber dennoch im Tor.
Der Bundestrainer musste sich zuletzt vor allem für den Umgang mit Oliver Baumann rechtfertigen, der nun nur noch als 1b-Lösung gilt. Für Neuer sprechen aus Sicht des Trainerteams vor allem Erfahrung, Ausstrahlung und seine Präsenz. Die Konkurrenz soll allein durch seinen Namen Respekt verspüren.
Lob aus Spanien
Dass Neuers Rückkehr international wahrgenommen wird, zeigt auch ein Kommentar von Iker Casillas. Der frühere spanische Weltmeister schrieb unter ein DFB-Video zu Neuers Nominierung: "Du bist der Beste" – versehen mit zwei Ausrufezeichen.
Auch innerhalb der Nationalmannschaft dürfte seine Rückkehr gut ankommen. Vor allem die Bayern-Profis im DFB-Kader sollen sich über ihren Kapitän freuen. Leon Goretzka betonte, Neuer habe die größten Titel schon gewonnen, nahezu jede Drucksituation erlebt und könne Mitspieler führen sowie stabilisieren. Gerade in entscheidenden Momenten sei er ein Rückhalt für die Mannschaft.
Neuer soll dabei nicht nur sportlich helfen, sondern auch abseits des Platzes Wirkung entfalten. Nagelsmann sieht daher keinen Grund zur Sorge. Aus Sicht der Nationalmannschaft sei es sogar positiv, dass Neuer zunächst noch etwas Ruhe bekomme und dann bestens vorbereitet zum Team stoße.
Spiel gegen Finnland wohl kein Muss
Im DFB-Camp wird Neuer seine Belastung entsprechend vorsichtig steigern. Sein 125. Länderspiel im Test gegen Finnland am Sonntag in Mainz ist deshalb keineswegs zwingend notwendig. Schon 2014 hatte er nach einer Verletzung erst beim Turnier selbst wieder richtig eingegriffen.
So könnte Oliver Baumann in seiner neuen Rolle als Ersatzmann im Testspiel zum Einsatz kommen. An Neuers Stellenwert für die WM würde das aber wenig ändern. Im Idealfall kehrt er in einigen Wochen erneut nach Berlin zurück – dann vielleicht zur großen Titel-Feier vor dem Brandenburger Tor, so wie beim WM-Triumph 2014.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion