Kompany richtet den Blick nach dem Königsklassen-Aus auf Double und nächsten Entwicklungsschritt
Vincent Kompany hat das verpasste Champions-League-Finale zwar mit großem Ärger über Schiedsrichterentscheidungen aufgenommen, den Fokus aber sofort wieder nach vorn gerichtet. Nach dem 1:1 im Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain in München und dem spektakulären 4:5 im Hinspiel reichte es für den FC Bayern insgesamt knapp nicht zum Endspiel.
Der Münchner Trainer machte deutlich, dass er Niederlagen nicht lange mit sich herumträgt. Schon unmittelbar nach dem Spiel betonte der 40 Jahre alte Belgier, dass seine Motivation für die kommende Saison längst da sei. Gleichzeitig wurde in der Allianz Arena bereits das letzte große Ziel dieser Spielzeit ausgerufen: der Gewinn des Doubles.
Ärger über den Schiedsrichter und Lob für PSG
Kompany haderte vor allem mit mehreren Schlüsselszenen. Besonders verärgert war er darüber, dass PSG-Verteidiger Nuno Mendes aus seiner Sicht nicht mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Auch die Auslegung beim Handspiel von João Neves im Strafraum sorgte beim Bayern-Coach für Unverständnis. Das entsprechende Regelwerk bezeichnete er sinngemäß als unsinnig.
Auch Sportvorstand Max Eberl sah in den umstrittenen Entscheidungen einen wichtigen Faktor. Solche Details seien in der Summe mitentscheidend gewesen, warum Bayern dieses Halbfinale mit einem Tor Unterschied verloren habe. Trotz aller Kritik stellten sowohl Kompany als auch Eberl aber klar, dass Paris den Finaleinzug verdient habe. Der Titelverteidiger sei eine absolute Spitzenmannschaft und habe seine Reife auf höchstem internationalen Niveau erneut gezeigt.
Das Rückspiel nahm dabei einen bitteren Verlauf für die Münchner: Ousmane Dembélé brachte PSG früh in Führung, Harry Kane traf erst in der Nachspielzeit zum 1:1. Damit war der Ausgleich zu spät, um das Blatt noch zu wenden.
Finale verpasst, Double weiter möglich
Statt Bayern trifft PSG nun am 30. Mai in Budapest im Finale auf den FC Arsenal um den deutschen Nationalspieler Kai Havertz.
Für die Münchner ist die Saison aber noch nicht beendet. Nach dem bereits feststehenden 35. Meistertitel wartet am 23. Mai in Berlin noch das DFB-Pokalfinale gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart. Nationalverteidiger Jonathan Tah forderte deshalb, das Ausscheiden möglichst schnell abzuschütteln.
Manuel Neuer richtete den Blick ebenfalls sofort auf das Endspiel in Berlin. Der Kapitän sprach von einer großen Chance, die Saison mit dem Double zu krönen. Zu Fragen über eine mögliche Vertragsverlängerung wollte sich der 40 Jahre alte Torhüter nach dem Spiel dagegen nicht äußern.
Nächster Schritt Richtung Finale?
Trotz der Enttäuschung sehen die Bayern ihren europäischen Weg weiter nach oben führen. Nach dem Viertelfinale 2025 und dem Halbfinale 2026 erscheint aus Münchner Sicht das Endspiel 2027 als nächster logischer Schritt. Kompany betonte, wie schwer es sei, die Champions League zu gewinnen, zeigte sich aber zugleich überzeugt, dass seine Mannschaft in der kommenden Saison erneut Fortschritte machen kann.
Auch Joshua Kimmich sieht das Potenzial für den ganz großen Wurf. Das Aus werde das Team weder umwerfen noch vom eingeschlagenen Weg abbringen, sagte der Nationalmannschaftskapitän. Er sprach davon, in der Kabine das klare Gefühl zu haben, mit dieser Mannschaft die Champions League gewinnen zu können.
Kimmich verzichtete jedoch weitgehend darauf, den Schiedsrichter in den Mittelpunkt zu stellen. Stattdessen verwies er auf sportliche Defizite im Rückspiel. Bayern habe in einigen Momenten etwas vermissen lassen, vor allem die nötigen Tore. Zudem habe die Mannschaft zuletzt zu oft Rückständen hinterherlaufen müssen. Dennoch wachse sein Vertrauen in Team und Trainer weiter, weil die Entwicklung erkennbar sei und Bayern in dieser Saison noch näher an das große Ziel herangerückt sei.
Eberl sieht den Titelgewinn als Entwicklung
Eberl ordnete das Scheitern als Teil eines längeren Prozesses ein. Einen Titel dieser Größenordnung zu gewinnen, sei eine Reise, auf der eine Mannschaft lernen müsse. Aus den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre solle Bayern die richtigen Schlüsse ziehen, um in der kommenden Saison erneut anzugreifen.
Als Beispiele dienen frühere Münchner Erfolgszyklen: Die Champions-League-Sieger von 2001 zogen Lehren aus dem dramatisch verlorenen Finale 1999, und auch das Team um Arjen Robben krönte sich 2013 ein Jahr nach dem bitteren "Finale dahoam" doch noch zum König Europas.
Kader-Update und Entwicklungspotenzial
Parallel zur sportlichen Aufarbeitung steht für die Verantwortlichen auch die Weiterentwicklung des Kaders an. Leon Goretzka, Raphael Guerreiro und Leihspieler Nicolas Jackson gelten als sichere Abgänge. Zugleich setzt der Verein auf eine gute Altersstruktur und auf weiteres Entwicklungspotenzial bei jungen Spielern wie Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl und Tom Bischof.
Hinzu kommen Leistungsträger wie Michael Olise, der bereits auf Topniveau agiert. Jamal Musiala und Alphonso Davies sollen nach ihren schweren Verletzungen wieder zu entscheidenden X-Faktoren werden. Im Tor könnte Neuer seinen möglichen Nachfolger Jonas Urbig weiter heranführen.
Auch Harry Kane bleibt ein zentraler Hoffnungsträger. Der Stürmer zeigte sich nach dem Aus tief enttäuscht und kämpfte mit den Tränen. Zugleich machte er klar, dass der Anspruch unverändert hoch bleibt: Bayern wolle sich weiter verbessern, und genau diese Haltung müsse die Mannschaft nun beibehalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion