Fußball

Titel trotz Trauer? Frankreich kämpft für Deschamps

Trauer bei Frankreich: Deschamps reist plötzlich ab – wie sein Team leidet und welches Top-Duell der Coach nun dramatisch verpasst.

25.06.2026, 08:12 Uhr

Arm in Arm stehen Frankreichs Nationalspieler im leichten Regen, die Köpfe gesenkt, die Stimmung bedrückt. Für einen Moment kommt der Trubel dieser Fußball-WM völlig zum Stillstand. Der Kreis, den die Franzosen auf dem Rasen bilden, wirkt geschlossen – und doch fehlt eine zentrale Figur: Nationaltrainer Didier Deschamps.

Wegen des Todes seiner Mutter hat der 57-Jährige das Turnier vorübergehend verlassen, um an der Beerdigung teilzunehmen. Ausgerechnet das bislang bedeutendste Spiel der WM gegen Norwegen an diesem Freitag (21.00 Uhr, ZDF und MagentaTV) muss Frankreich ohne seinen langjährigen Chef an der Seitenlinie bestreiten.

"Wir sind mit unseren Gedanken bei unserem Nationaltrainer und seiner Familie", schrieb die französische Mannschaft zu einem Bild der Schweigeminute. Kapitän Kylian Mbappé ergänzte mit deutlichen Worten: "Ihr seid nicht allein." Der persönliche Verlust überschattet die Vorbereitung auf das entscheidende Duell um Platz eins in der Gruppe. Gleichzeitig könnte die schwierige Situation das Team, das aktuell von Assistent Guy Stéphan betreut wird, noch enger zusammenschweißen.

Deschamps verabschiedet sich nach dem Turnier

Eigentlich sollten die WM-Wochen in den USA für Deschamps ein besonderer Abschluss werden. Noch einmal wollte er Frankreich bei einem großen Turnier führen und die letzten gemeinsamen Tage mit seinen vertrauten Weggefährten genießen. Nach 14 Jahren endet mit diesem Wettbewerb seine Zeit als Nationaltrainer der Équipe Tricolore.

Didier Deschamps und Kylian Mbappé
Diesmal kann Deschamps seinem Torjäger Kylian Mbappé keine Anweisungen von der Seitenlinie geben. (Archivbild) Quelle: Thomas Padilla/Pool AP/dpa

Vor dem Turnier hatte Deschamps gesagt, er zähle nicht die Tage bis zum Abschied, sondern koste jeden einzelnen aus. Damals ahnte er nicht, wie einschneidend sich sein Leben nur wenig später verändern würde.

Ein möglicher dritter WM-Titel für Frankreich würde den Schmerz über den Tod seiner Mutter nicht aufheben. Er könnte in dieser schweren Phase aber zumindest ein kleiner Trost sein. Verbandspräsident Philippe Diallo erklärte in einem Video bei X, Deschamps mache derzeit eine sehr schwierige Zeit durch und der Verband stehe geschlossen hinter ihm.

Eine prägende Figur des französischen Fußballs

Viele Spieler kamen und gingen – Deschamps blieb über Jahrzehnte eine der bestimmenden Persönlichkeiten im französischen Nationalteam. Als Kapitän führte der frühere Mittelfeldspieler Frankreich 1998 zum ersten WM-Triumph, als Nationalcoach 2018 zum zweiten. Damit gehört er neben Franz Beckenbauer und Mario Zagallo zu den wenigen, die den Titel sowohl als Spieler als auch als Trainer gewonnen haben.

2022 in Katar verpasste Frankreich den nächsten Coup erst im Elfmeterschießen gegen Argentinien. Dazwischen holte Deschamps mit der Auswahl 2021 auch die Nations League. Sollte Frankreich nun in den USA erneut Weltmeister werden, wäre Deschamps der erste Nationaltrainer seit Vittorio Pozzo 1938, der zwei WM-Titel an der Seitenlinie gewinnt.

Als möglicher Nachfolger gilt seit Langem Zinédine Zidane. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht, doch zwischen Verband und der französischen Fußball-Ikone soll es bereits eine grundsätzliche mündliche Verständigung geben.

Mbappé gegen Haaland im Fokus

Schon am Samstag soll Deschamps in die USA zurückkehren, um seine Mannschaft auf die K.-o.-Runde einzustimmen. Am liebsten natürlich als Gruppensieger. Im besten Fall könnte er dann sogar von Kylian Mbappé empfangen werden, der mit einem Dreierpack Lionel Messi als alleinigen WM-Rekordtorschützen ablösen könnte. Sollte Frankreich die Gruppe gewinnen, könnte im Achtelfinale ein Duell mit Deutschland warten.

Doch ebenso möglich ist, dass Deschamps nach einer Enttäuschung gegen Norwegen zunächst Aufbauarbeit leisten muss. Nach dem 3:1 gegen Senegal und dem 3:0 gegen den Irak geht Frankreich zwar als Favorit in die Partie. Allerdings überzeugte auch Norwegen offensiv – mit einem 4:1 gegen den Irak und einem 3:2 gegen Senegal. Vor allem das direkte Kräftemessen der beiden Torjäger Mbappé und Erling Haaland elektrisiert die Fußball-Welt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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