Lennart Karl hatte gehofft, dass diese Weltmeisterschaft zu seinem großen Durchbruch auf der größten Fußballbühne werden würde. Der 18 Jahre alte Offensivspieler des FC Bayern präsentierte sich in der Vorbereitung der Nationalmannschaft so stark, dass ein Platz in der Startelf plötzlich realistisch wirkte. Doch neun Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curaçao platzte dieser Traum in Chicago.
Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach von einem "großen Schock" für den gesamten DFB-Tross und besonders für Karl selbst. Der Youngster zog sich beim Abschlusstraining vor der WM-Generalprobe gegen die USA im Soldier Field einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zu. Damit ist die Weltmeisterschaft für ihn beendet, noch bevor sie begonnen hat. Für Karl rückt Assan Ouédraogo von RB Leipzig in den 26-Mann-Kader nach.
Die Generalprobe gegen die USA findet heute um 20.30 Uhr MESZ (RTL) statt.
Was das WM-Aus für Karl bedeutet
Für Karl dürfte die Enttäuschung deutlich schwerer wiegen als die Verletzung selbst. Körperlich wird er voraussichtlich in einigen Wochen wieder einsatzbereit sein, sodass er zum Bundesliga-Start Ende August zurückerwartet wird. Viel bitterer ist jedoch der verpasste Moment: Eine Weltmeisterschaft gibt es nur alle vier Jahre, die nächste Chance käme also erst 2030.
Karl machte seine Gefühlslage auch selbst öffentlich. Auf Instagram schrieb er: „Es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen.“ Dazu ergänzte er, Verletzungen kämen leider oft genau zum unglücklichsten Zeitpunkt.
Ein Muskelbündelriss zählt zu den schwereren Muskelverletzungen. Dabei reißt nicht nur eine einzelne Faser, sondern gleich ein ganzer, von Bindegewebe umhüllter Faserverband. Entsprechend länger fällt die Heilungszeit aus.
Unter Karls Beitrag sammelten sich schnell tausende Reaktionen. Neben Nationalspielern wie Jamal Musiala, Nick Woltemade und Antonio Rüdiger meldeten sich auch Bayern-Kollegen wie Michael Olise und Dayot Upamecano sowie der Schweizer Granit Xhaka mit aufmunternden Worten. Die Anteilnahme zeigt, wie sehr sein Ausfall die Mannschaft bewegt.
Karls Aufstieg verlief zuletzt rasant. In seiner ersten Profisaison spielte er sich in den Vordergrund, nach seinen ersten beiden Länderspielen im März schien nun sogar eine prägende Rolle bei der WM möglich. Dabei hatte ihn schon im April eine Muskelverletzung im anderen Oberschenkel vorübergehend zurückgeworfen.
Nagelsmann zeigte sich entsprechend betroffen. Karl habe mit seiner Unbekümmertheit, seinem Spielwitz, seinem Tempo und auch menschlich hervorragend ins Team gepasst, erklärte der Bundestrainer. Ein kleiner Trost sei nur, dass der Bayern-Profi noch jung sei und mutmaßlich weitere große Turniere vor sich habe.
Folgen für Nagelsmann und die Mannschaft
Für den Bundestrainer bedeutet der Ausfall kurzfristig eine spürbare Umstellung. Vieles deutete zuletzt darauf hin, dass Karl bei der WM eine wichtige Rolle im Angriff eingenommen hätte. Nagelsmann schien bereit, dem WM-Neuling einen Platz in einer offensiven Dreierreihe mit Jamal Musiala und Florian Wirtz zu geben.
Beim 4:0 gegen Finnland stand Karl in Mainz erstmals in der Anfangsformation und überzeugte auf dem rechten Flügel mit Tempo und Ideenreichtum. Damit hatte er sich offenbar an Leroy Sané vorbeigeschoben.
Gerade für Sané könnte sich die Lage nun schlagartig verändern. Der 30-Jährige gehört mit 75 Länderspielen zu den erfahrensten Spielern im DFB-Kader und rückt vor dem letzten Test gegen die USA automatisch wieder stärker in den Fokus. Für Nagelsmann und die Mannschaft bleibt Karls Verletzung dennoch ein herber Verlust – zumal mit Serge Gnabry bereits ein weiterer Offensivspieler fehlt.
Wer Karl im Kader ersetzt
Als mögliche Nachrücker waren unter anderem Said El Mala aus Köln oder Chris Führich vom VfB Stuttgart genannt worden. Nagelsmann entschied sich letztlich aber für Assan Ouédraogo von RB Leipzig.
Der 20 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler gilt seit Längerem als eines der großen Talente im deutschen Fußball. Gleichzeitig begleitet ihn schon früh eine auffällige Verletzungshistorie. Bei seinem Länderspieldebüt im November 2025 traf er beim 6:0 gegen die Slowakei direkt – ausgerechnet im Leipziger Heimstadion. Kurz darauf musste er allerdings erneut verletzt pausieren.
Dass Nagelsmann viel von Ouédraogo hält, zeigte sich auch bei der Nachnominierung. Der Bundestrainer hob hervor, dass sich der Leipziger trotz vieler Rückschläge immer wieder zurückgekämpft habe und ein außergewöhnlich talentierter Spieler sei.
Für Karl ist die WM damit bittererweise vorbei, bevor sie begonnen hat. Für Ouédraogo eröffnet sich dagegen kurzfristig die Chance, auf der ganz großen Bühne ins Rampenlicht zu rücken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion