Kane führt Bayern zum Double – Schampus, Goretzka-Abschied und neue Unruhe um Eberl
Harry Kane genoss die Berliner Pokalnacht in vollen Zügen: Teamkollege Leon Goretzka schüttete ihm den Schampus direkt aus dem riesigen DFB-Pokal in den weit geöffneten Mund. Anschließend feierten die Münchner ihren 14. Double-Gewinn erst im Olympiastadion und später bei einer Veranstaltung in der Innenstadt.
Im Mittelpunkt stand einmal mehr "King Kane". Der englische Torjäger entschied das Finale mit einem Hattrick nach der Pause nahezu allein und führte den deutschen Meister zu einem 3:0 (0:0) gegen den bis kurz vor der Stunde widerstandsfähigen Titelverteidiger VfB Stuttgart. Für die Bayern war es der 21. Pokalsieg – auf diesen Titel hatte der Rekordchampion zuletzt sechs Jahre warten müssen.
Goretzka verriet nach dem Endspiel, er habe vorab mit Kane gesprochen. Der Angreifer habe ihm versprochen, ihm zum Abschied noch den Pokal zu holen – und genau das habe er getan. Für Goretzka endet damit seine Zeit in München nach acht Jahren.
Vincent Kompany verließ die Bayern-Kabine im Olympiastadion als Letzter – den Pokal in der Hand. Der Trainer reichte die Trophäe demonstrativ an Kane weiter, der in den Katakomben noch sein letztes Interview des Abends gab. Es war ein sichtbares Zeichen für den Mann, der dieses Finale geprägt hatte.
„Eine der schönsten Nächte meiner Karriere“
Kane sprach von einer der schönsten Nächte seiner Laufbahn. In München, wo er endlich auch Titel sammelt, krönt sich der 32-Jährige zunehmend zu dem Gewinner, der ihm bei Tottenham Hotspur und mit England lange verwehrt blieb.
Trotz des knappen Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain zog Kane ein glänzendes Fazit. Es sei eine fantastische Spielzeit gewesen – persönlich sogar die beste seiner Karriere. Diese Einschätzung untermauert er mit beeindruckenden Zahlen: 61 Tore in 51 Pflichtspielen.
Kompany lobte nicht nur die drei Finaltreffer, sondern das Gesamtpaket seines Stürmers. Kane sei ein kompletter Fußballer, ein absoluter Führungsspieler und jemand mit totaler Hingabe für die Mannschaft. Selbst in der Nachspielzeit grätschte der Angreifer noch an der Eckfahne wie ein Verteidiger. Für den Bayern-Coach ist klar: Kane reist topfit zur WM, die nächste große Krönung mit England ist sein nächstes Ziel.
Stuttgarts Alptraum heißt Kane
Auch im vierten Saisonduell mit dem VfB wurde Kane zum alles entscheidenden Faktor. Acht der 14 Bayern-Tore gegen Stuttgart in dieser Spielzeit gehen auf sein Konto, in jedem Spiel traf der Engländer mindestens einmal.
Lob gab es deshalb auch von der unterlegenen Seite. VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nannte Kane ein Gesamtpaket auf Weltklasse-Niveau. Er habe erneut den Unterschied ausgemacht und gegen Stuttgart wieder einen besonderen Tag erwischt. Es sei kaum zu glauben, was er leiste.
Auch Nationalstürmer Deniz Undav zeigte sich beeindruckt. Man dürfe Kane keinen Meter Platz geben, weil er eiskalt sei und mit rechts wie links überragend abschließen könne. Genau daran sehe man, was Weltklasse bedeute.
Hoeneß adelt den Transfer
Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß bezeichnete die Verpflichtung des Angreifers, der im Sommer 2023 für rund 100 Millionen Euro nach München gekommen war, in der ARD als den besten Transfer der Vereinsgeschichte.
Auch Kompanys Rolle beim Double wurde hervorgehoben. Mit viel Empathie, großem Arbeitsethos und sichtbarem Erfolgshunger hat der Belgier in kurzer Zeit wieder eine dominante Bayern-Mannschaft geformt – auch wenn das Champions-League-Finale und damit die Chance auf das Triple verpasst wurden.
Zukunft in München offen – Tendenz klar positiv
In seinen drei Jahren beim FC Bayern wurde Kane dreimal Bundesliga-Torschützenkönig. Sein Vertrag läuft nur noch ein Jahr, eine Verlängerung soll möglichst bald angegangen werden. Der Angreifer zeigte sich in der Pokalnacht offen dafür und betonte erneut, wie wohl er sich in München fühlt.
Kane schwärmte von einem fantastischen Team und sprach von einer der besten Mannschaften Europas, wenn nicht sogar der besten. Entsprechend gelassen blickt er auf mögliche Gespräche. Beide Seiten, sagte er, seien glücklich miteinander.
Für Uli Hoeneß ist ohnehin klar, dass ein Verkauf kein Thema ist. Der FC Bayern sei ein Käuferverein, kein Verkäuferverein.
Neue Diskussion um Eberl
Abseits des sportlichen Triumphs sorgte ein anderes Thema für Nebengeräusche: die Zukunft von Sportvorstand Max Eberl. Dessen Vertrag läuft bis 2027, doch Uli Hoeneß säte mit Aussagen im Spiegel neue Zweifel. Er sprach zwar von einer Tendenz von 60 zu 40 für eine Verlängerung, sagte aber auch unmissverständlich: Es gebe noch Zweifel.
Eberl reagierte darauf irritiert. Sein Fell sei in München zwar dick geworden, sagte der 52-Jährige, dennoch müsse er mit Szenarien leben, die ihm auferlegt würden. Er warte auf eine Entscheidung des Aufsichtsrats über einen neuen Vertrag. Seine Arbeit mache er mit viel Herzblut und großer Freude – und wenn man ihn lasse, werde er sie auch weiterführen.
Dabei fallen in Eberls Amtszeit wichtige Personalentscheidungen: Er holte Kompany als Trainer und verantwortete unter anderem die Verpflichtungen von Michael Olise, Luis Díaz und Jonathan Tah. Gleichzeitig werden teure Vertragsverlängerungen mit Stars wie Jamal Musiala, Alphonso Davies oder Dayot Upamecano intern kritisch begleitet.
Eberl selbst verwies darauf, dass sportlicher Erfolg, große Abende und die Rückkehr zu Titeln auch ihren Preis hätten. Rückendeckung bekam er ausgerechnet vom Star des Abends: „Max ist großartig“, sagte Kane.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion