Nach der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus könnte nun auch die Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste Jemens zum nächsten großen Risiko für den internationalen Seeverkehr werden. Nach Einschätzung des Analyseunternehmens Kpler steigt damit die Gefahr eines doppelten Engpasses auf zwei der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Das Vertrauen der Reedereien in einen sicheren Betrieb auf beiden Strecken stehe zunehmend unter Druck. Am Dienstag ging das Verkehrsaufkommen in beiden Meerengen deutlich zurück.
Die Straße von Hormus am östlichen Rand der Arabischen Halbinsel gilt seit Monaten als besonders heikel. Im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran kam es dort wiederholt zu Angriffen auf Öltanker und andere Handelsschiffe. Auf der westlichen Seite der Halbinsel liegt vor Jemens Küste der Bab al-Mandab. Über diese Meerenge verläuft der zentrale Seeweg von Asien über den Suezkanal nach Europa. Für Saudi-Arabien und andere Exporteure hat diese Route zuletzt auch als Ausweichverbindung zur Straße von Hormus an Bedeutung gewonnen.
Zunehmende Vorsicht auch am Bab al-Mandab
Kpler zufolge lag der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus am Dienstag 31 Prozent unter dem Niveau des Vortags. Am Bab al-Mandab wurde sogar ein Rückgang um 34 Prozent registriert. Im Golf von Aden, der in die Meerenge führt, seien nach neuen Drohungen der Huthi-Miliz im Jemen mindestens vier Schiffe umgekehrt. Das deutet nach Einschätzung von Kpler darauf hin, dass Betreiber auch dort vorsichtiger werden.
Zusätzliche Warnungen kommen vom EU-Marineeinsatzverband Aspides. Demnach sollen Handelsschiffe mit Verbindungen zu israelischen, US-amerikanischen oder saudischen Interessen die Durchfahrt durch das Rote Meer und den Golf von Aden bis zu einer Entspannung der Bedrohungslage möglichst vermeiden.
Schiffe, die den östlichen Golf von Aden und das Rote Meer dennoch passieren müssen, sollten laut Aspides mit erhöhter Wachsamkeit fahren und die Abstimmung mit dem Maritime Security Centre – Indian Ocean (MSCIO) eng aufrechterhalten. Ein Sprecher erklärte zudem, EUNAVFOR Aspides bleibe dem Schutz der Freiheit der Schifffahrt verpflichtet und biete weiterhin Überwachungs- und Nahschutzdienste im gesamten Roten Meer, in der Meerenge Bab al-Mandab sowie im Golf von Aden an.
Auch der maritime Datenanbieter Windward meldete Kursänderungen: Demnach hätten fünf Schiffe ihren Weg angepasst, weil die Passage inzwischen als Risikozone angesehen werde. Gleichzeitig setzten einige Schiffe ihre Fahrt trotz der Warnungen fort. Wer den Bab al-Mandab meidet, muss allerdings einen langen und teuren Umweg über das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika in Kauf nehmen. Laut Windward entstehen dadurch Zusatzkosten von rund zwei Millionen US-Dollar pro Reise.
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte zuvor eine angebliche Blockade der Schifffahrt gegen Saudi-Arabien angekündigt und erklärt, bereits sechs Schiffe zur Umkehr gezwungen zu haben. Bereits seit 2023 hat die Miliz mit Angriffen im Roten Meer den Welthandel massiv belastet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber