Das Geburtshaus Adolf Hitlers im österreichischen Braunau hat eine neue Funktion: Künftig wird es von der Polizei genutzt. Nach Darstellung der österreichischen Regierung soll so verhindert werden, dass das Gebäude an der Grenze zu Bayern weiterhin ein Anlaufpunkt für Neonazis bleibt. Zur Eröffnung erklärte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), das Haus solle nun für Demokratie, Rechtsstaat, Freiheit und Menschenwürde stehen.
Der Umbau des Gebäudes und des zugehörigen Areals mit Nebengebäuden und Innenhof kostete rund 20 Millionen Euro. Dort werden künftig Mitarbeiter des Bezirkspolizeikommandos sowie der örtlichen Polizeiinspektion arbeiten. Damit dürfte eine jahrelange Debatte darüber, wie Braunau mit diesem belasteten Ort umgehen soll, vorerst beendet sein.
Möglichst stark verändert
In dem Haus wurde Hitler am 20. April 1889 geboren. Es befand sich lange in Privatbesitz und wurde 2017 nach einem Rechtsstreit enteignet. Eine Expertenkommission hatte sich damals weder für einen Abriss noch für ein Museum ausgesprochen. Stattdessen empfahl sie einen Umbau, durch den das Gebäude möglichst wenig Wiedererkennungswert behalten sollte.
Polizeinutzung auch aus Sicherheitsgründen
Der Geburtsort des späteren Diktators zog über Jahre hinweg immer wieder Rechtsextreme an. Aus staatlicher Sicht hat die Nutzung als Polizeidienststelle auch deshalb Vorteile, weil auffällige oder verdächtige Personen dort sofort kontrolliert werden können.
Zugleich gibt es Stimmen, die sich an diesem Ort eine deutlich sichtbarere Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit gewünscht hätten. Der Historiker Florian Kotanko, Vorsitzender des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, fordert etwa eine mehrsprachige Informationstafel zur historischen Einordnung. Bislang erinnert vor allem ein 1989 aufgestellter Gedenkstein vor dem Haus an die Verbrechen der NS-Zeit. Darauf steht: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen.“

Hitler löste den Zweiten Weltkrieg aus, dem mindestens 60 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Im Holocaust wurden außerdem rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber