Politik

Warum Frankreich plötzlich Saudi-Ölhafen schützen will

Frankreich schickt Soldaten und Radare nach Saudi-Arabien - und ein Ölterminal könnte plötzlich Ihren Sprit billiger machen.

25.09.2026, 02:46 Uhr

Frankreich will saudisches Ölterminal in Yanbu schützen

Frankreich will Saudi-Arabien beim Schutz eines zentralen Ölterminals am Roten Meer unterstützen. Präsident Emmanuel Macron kündigte in einem Interview mit TF1 und France 2 an, dass dafür französische Soldaten sowie Radar- und Verteidigungssysteme in die Hafenstadt Yanbu verlegt werden sollen. Die Gespräche mit Saudi-Arabien darüber seien nach seinen Angaben am Vortag abgeschlossen worden. Ziel sei es, die Versorgung des Weltmarkts mit saudischem Öl zu stabilisieren.

Vor dem Krieg mit dem Iran war Saudi-Arabien nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent der Welt und der wichtigste Exporteur des Rohstoffs. Große Bedeutung hat dabei die Ost-West-Pipeline, die Öl von den Fördergebieten am Persischen Golf quer durchs Land nach Yanbu am Roten Meer transportiert. Damit kann ein Teil der Ausfuhren die Straße von Hormus umgehen, die derzeit faktisch blockiert ist.

Die rund 1.200 Kilometer lange Leitung war vor etwa zwei Wochen nach Angriffen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz aus dem Jemen vorsorglich außer Betrieb genommen worden. Medien zufolge fließt inzwischen wieder Öl durch die Pipeline, allerdings wegen der Schäden deutlich weniger als zuvor. Die maximale Kapazität liegt bei bis zu sieben Millionen Barrel pro Tag.

Macron erklärte, die Anlagen in Yanbu seien durch die Huthi-Angriffe stark beschädigt worden. Frankreich wolle sich jedoch nicht an Kampfhandlungen beteiligen, sondern ausschließlich zur Absicherung des strategisch wichtigen Terminals beitragen.

Macron sieht Einfluss auf die Spritpreise

Über Yanbu könnten täglich bis zu fünf Millionen Barrel Rohöl verschifft werden, sagte der französische Präsident. Diese Mengen hätten unmittelbare Auswirkungen auf die Kraftstoffpreise. Eine Stabilisierung der Lage dort könne sich seiner Einschätzung nach bereits zwei Tage später an den Tankstellen bemerkbar machen. Macron steht in Frankreich wegen hoher Spritpreise unter Druck. Ähnliches gilt für US-Präsident Donald Trump, der von Partnerstaaten mehr Unterstützung in der Region verlangt.

Wie viele französische Soldaten entsandt werden sollen, ließ Macron offen. Auch zu den genauen eingesetzten Systemen nannte er keine Details. Seine Hinweise auf Radartechnik sprechen jedoch dafür, dass der Schwerpunkt auf Luftabwehr liegen dürfte, etwa zum Schutz vor Drohnen- oder Raketenangriffen der Huthi. Auch Großbritannien hatte Saudi-Arabien zuletzt defensive Militärhilfe zugesagt, unter anderem mit Flugzeugen zur Luftbetankung.

Auf die Frage, ob französische Kampfflugzeuge ebenfalls zum Einsatz kommen könnten, antwortete Macron, das sei derzeit nicht vorgesehen. Man werde die weitere Entwicklung beobachten und bei Bedarf reagieren. Frankreich verfüge in der Region grundsätzlich über Kampfflugzeuge.

Huthi bedrohen wichtige Exportwege

Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar versucht Saudi-Arabien, mit Hilfe der Pipeline einen stärkeren Einbruch seiner Ölexporte zu verhindern. Hintergrund sind Drohungen aus Teheran sowie Angriffe auf Schiffe, die die Passage durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt haben. Inzwischen steht aber auch die Ausweichroute über das Rote Meer zunehmend unter Druck.

Nach jüngsten Geländegewinnen kontrollieren die Huthi die Küste des Jemens am Roten Meer sowie strategisch wichtige Inseln. Damit können sie saudische Schiffe leichter an der Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab hindern. Diese Passage am südlichen Ausgang des Roten Meers ist für Exporte nach Asien von großer Bedeutung. Die Route über das nördliche Rote Meer und den Suezkanal in Richtung Europa gilt derzeit dagegen weiterhin als uneingeschränkt nutzbar.

Teil von Irans regionalem Netzwerk

Mit dem Iran-Krieg hat sich auch der seit Jahren schwelende Konflikt im Jemen erneut verschärft. Die international anerkannte Regierung des Landes kämpft mit Unterstützung Saudi-Arabiens und weiterer Verbündeter gegen die Huthi-Rebellen. Die islamistische Miliz zählt ebenso wie die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen zu jener von Teheran unterstützten „Achse des Widerstands“. Der Iran versorgt diese Gruppen nach westlicher Darstellung mit Waffen, Technologie, Know-how und finanziellen Mitteln.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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