München vergibt hunderte Wiesn-Lizenzen an Influencer
Die Stadt München hat bereits zahlreiche Genehmigungen für kommerzielle Social-Media-Beiträge vom Oktoberfest ausgestellt. Nach Angaben des städtischen Wirtschaftsreferats gingen schon nach dem ersten Wiesn-Wochenende rund 300 Anfragen ein. Etwa 200 davon führten bislang zu konkreten Lizenzvereinbarungen.
Wie hoch die Gebühren im Einzelfall ausfallen, wollte die Stadt nicht offenlegen. Begründet wurde das damit, dass München bei Verträgen mit externen Partnern keine konkreten Beträge nennt. Außerdem gibt es laut Referat eine Bagatellgrenze für Beiträge, die nur geringe Einnahmen erzielen.
Kosten richten sich nach den Einnahmen
Grundlage für die Berechnung der Lizenzgebühren sind demnach die Einnahmen, die mit einem Post erzielt werden. In die genaue Höhe fließen verschiedene Faktoren ein, etwa die Reichweite eines Accounts oder die Form der Monetarisierung auf der jeweiligen Plattform.
Wer sich rechtzeitig um eine Genehmigung kümmert, spart unter Umständen Geld. Denn Inhalte, die zunächst ohne Lizenz veröffentlicht werden, müssen nachträglich genehmigt werden. Dieser zusätzliche Aufwand macht die nachträgliche Lizenzierung teurer.
Neue Regeln sorgen für Diskussionen
Die seit diesem Jahr geltende Regelung hatte unter Influencern für einigen Wirbel gesorgt. Wer mit Inhalten von der Wiesn direkt oder indirekt kommerzielle Ziele verfolgt, braucht nun eine Erlaubnis. Dazu zählen etwa Posts mit Sponsoring, Kooperationen oder Produktplatzierungen. Die Stadt begründet den Schritt damit, dass auf Plattformen wie TikTok, YouTube oder Instagram längst ein eigener Wirtschaftszweig entstanden sei.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsreferats betonte, dass Beiträge vom Oktoberfest selbstverständlich weiterhin willkommen seien. Wenn jedoch mit dem Fest Geld verdient werde, müsse sich daran auch beteiligt werden. Das gelte nicht nur für Influencer, sondern ebenso für Wirte und Schausteller.
Keine Ausnahme im Veranstaltungsbereich
Nach Angaben der Stadt ist ein solches Vorgehen keineswegs ungewöhnlich. Vergleichbare Regelungen seien bei vielen Veranstaltungen inzwischen üblich. Mit den Betroffenen werde jeweils individuell Kontakt aufgenommen. Besonders professionell arbeitende Creator betrachteten solche Lizenzmodelle in der Regel als selbstverständlich.
Cathy Hummels unterstützt den Markenschutz
Eine prominente Rolle in der Debatte spielt Cathy Hummels. Veranstaltungen wie ihr regelmäßiger „Wiesn-Bummel“ hatten mit dazu beigetragen, dass die Stadt ihre Regeln für Influencer-Aktivitäten verschärfte. Für ihre diesjährige Veranstaltung hatte Hummels eine entsprechende Lizenz erworben, die auch ihre Gäste mit einschloss.
Hummels hält es grundsätzlich für richtig, dass München das Oktoberfest als weltweit bekannte Marke schützt und klare Regeln für die kommerzielle Nutzung aufstellt. Zugleich zeigte die Diskussion aus ihrer Sicht, dass viele Creator bislang kaum wüssten, wo privater Content aufhört und geschäftliche Nutzung beginnt.
Vorschlag für eine digitale Lösung
Kritisch sieht Hummels die Regelung nicht grundsätzlich. Ihrer Meinung nach könnte sie aber einfacher, transparenter und digitaler gestaltet werden. Sie schlägt deshalb einen digitalen „Wiesn Content Check“ vor – etwa als App oder Online-Plattform.
Dort könnten Creator vorab Fragen zu ihrem geplanten Content beantworten, zum Beispiel ob eine Kooperation vorliegt, ein Produkt beworben wird oder eine Gewinnerzielungsabsicht besteht. Daraus ließe sich ableiten, ob eine Lizenz nötig ist. Falls ja, könnte diese direkt über die Plattform beantragt und bezahlt werden. Das würde Creatorn schneller Klarheit verschaffen und der Stadt zugleich mehr Transparenz über die kommerzielle Nutzung der Marke Oktoberfest geben.
Einnahmen fließen zurück ins Fest
Nach Angaben des Wirtschaftsreferats dient das Geld aus den Lizenzen nicht dazu, zusätzliche Gewinne für die Stadt zu erzielen. Stattdessen fließen die Einnahmen unmittelbar in die Organisation des Oktoberfests zurück. München verstehe die Wiesn als einen Gebührenhaushalt: Gelder, die etwa über Standgebühren oder Lizenzen hereinkommen, werden demnach direkt für die Finanzierung des Volksfestes verwendet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber