Olympia

Warum Rauhe jetzt von Olympia träumt

Olympia-Showdown in Deutschland: Der neue Sport-Staatsminister hat schon ein Wunschjahr – und das sorgt jetzt für Spannung.

25.09.2026, 04:25 Uhr

Olympia-Entscheidung offen: Rauhe pocht auf verantwortungsvolle Wahl und sieht 2040 weiter als Wunschjahr

Vor der Richtungsentscheidung des deutschen Sports über eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele hat Sport-Staatsminister Ronald Rauhe zu einer Wahl mit "ganz viel Verantwortung" aufgerufen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am Samstag in Baden-Baden, ob München oder Köln/Rhein-Ruhr für Deutschland ins Rennen um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 geschickt wird.

Das Finale gilt nach dem späten Rückzug Berlins als ungewöhnlich offen. Kurz vor der Abstimmung gewann das Rennen zwischen München und Köln/Rhein-Ruhr noch einmal an Dynamik. Beide Lager betrieben bis zuletzt intensive Überzeugungsarbeit hinter den Kulissen. Eine Vorabend-Veranstaltung im Kurhaus von Baden-Baden fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Bekanntgabe des Siegers ist für 13.45 Uhr vorgesehen und soll von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündet werden.

Rauhe: Deutschland muss mit dem aussichtsreichsten Projekt antreten

Rauhe, der bis zu seinem Amtsantritt die Berliner Bewerbung unterstützt hatte, reist mit einer klaren Botschaft zur Abstimmung. Aus seiner Sicht muss Deutschland mit der Stadt oder Region antreten, die im internationalen Auswahlverfahren die größten Erfolgsaussichten besitzt. Die Entscheidung darüber liege beim organisierten Sport, sagte der 44-Jährige. Er gehe davon aus, dass diese mit großer Verantwortung getroffen werde.

An seiner grundsätzlichen Präferenz für das Jahr 2040 hält Rauhe fest. Dieses Datum habe für ihn wegen des 50. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung eine besondere symbolische Kraft. Der gebürtige Berliner verbindet damit auch persönlich die Erinnerung an das Zusammenwachsen eines zuvor geteilten Landes. Unabhängig vom konkreten Jahr sei für ihn aber entscheidend, Olympische und Paralympische Spiele überhaupt wieder nach Deutschland zu holen.

Keine Festlegung auf München oder Köln/Rhein-Ruhr

Öffentlich wollte sich Rauhe weiterhin auf keinen der beiden verbliebenen Bewerber festlegen. Positiv sei aus seiner Sicht zwar, wenn Ostdeutschland eine wichtige Rolle spiele. Das gelte etwa für die von Köln/Rhein-Ruhr eingeplanten Standorte Rostock-Warnemünde für die Segel-Wettbewerbe und Markkleeberg für Wildwasser-Kanu. Ausschlaggebend sei das für ihn aber nicht.

Ebenso wichtig sei, möglichst kompakte Spiele zu organisieren, die für die Athletinnen und Athleten gute Bedingungen schaffen. Genau darauf schaue auch das Internationale Olympische Komitee (IOC), betonte Rauhe. Er selbst hat beim Votum keine Stimme.

Söder gegen Wüst: Zwei politische Schwergewichte werben für ihre Konzepte

Im Endspurt werben beide Bewerber mit sehr unterschiedlichen Stärken. München setzt auf das olympische Erbe von 1972, die internationale Strahlkraft der bayerischen Landeshauptstadt und das bekannte Bild von "Laptop und Lederhose". Bayerns Ministerpräsident Markus Söder trommelte zuletzt offensiv für das Projekt und verknüpfte die Spiele sogar mit dem Oktoberfest.

Köln/Rhein-Ruhr hielt mit dem Versprechen eines besonders großen Eventpotenzials dagegen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst warb in den vergangenen Monaten intensiv um Stimmen aus den Verbänden. Nach Angaben des Projekts könnten 17,6 Millionen Tickets verkauft werden – mehr als bei früheren Sommerspielen. Im DOSB-Prüfbericht liegt das NRW-Konzept beim Eventpotenzial vor München, auch wegen spektakulärer Ideen wie Schwimm-Wettbewerben in der Schalke-Arena.

Zugleich versucht Köln/Rhein-Ruhr, mögliche Schwächen etwa beim Verkehrssystem mit einer politischen Botschaft zu kontern: Das Projekt vereine Standorte in Ost und West und sende damit ein Zeichen für das vereinigte Deutschland.

Wer abstimmen darf – und wer außen vor bleibt

Stimmberechtigt sind die 42 olympischen Spitzenverbände, die jeweils drei Stimmen en bloc abgeben. Hinzu kommen die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums sowie die acht persönlichen Mitglieder des Dachverbands. Drei persönliche Mitglieder fehlen allerdings: Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka, die frühere Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber und Kanupolo-Spielerin Elena Gilles haben ihre Teilnahme abgesagt.

Nicht abstimmen dürfen die Landessportbünde und die nicht-olympischen Spitzenverbände. Auch der Deutsche Behindertensportverband ist von der Wahl ausgeschlossen, obwohl die Bewerbung ausdrücklich auch die Paralympics umfasst.

Kritik am Verfahren – Berlin und Hamburg bereits ausgeschieden

Der rund 16 Monate dauernde Auswahlprozess des DOSB steht weiterhin in der Kritik. Spätestens nach dem Berliner Aus nahm die Diskussion erneut Fahrt auf. In der Hauptstadt fühlten sich die Verantwortlichen bei der Bewertung ihres Projekts missverstanden und deutlich schlechter beurteilt als die Konkurrenz. Im Prüfbericht lag München knapp vor Köln/Rhein-Ruhr, doch bindend ist diese Einschätzung für die Wahlberechtigten nicht.

Als möglicher Fingerzeig gilt, dass viele Fachverbände München in mehreren Kategorien stärker einschätzten als der DOSB insgesamt. Beide verbliebenen Bewerber können allerdings auf Rückhalt in der Bevölkerung verweisen: In München sprach sich bereits im Oktober 2025 eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei einer Bürgerbefragung für die Bewerbung aus. In den beteiligten Kommunen in Nordrhein-Westfalen fiel ein Bürgerentscheid im April ähnlich deutlich aus.

Hamburg war dagegen schon Ende Mai am fehlenden Rückhalt gescheitert. In Berlin besiegelte spätestens die Abgeordnetenhauswahl das Ende der Bewerbung, nachdem die Olympia-Befürworter im Roten Rathaus abgewählt worden waren. Der Berliner Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand räumte ein, dass die Hauptstadt die von den Verbänden erwartete politische Stabilität nicht habe bieten können.

Trotz des Rückzugs reiste eine Berliner Delegation nach Baden-Baden. Sie will dort ein Zeichen für eine gemeinsame deutsche Bewerbung setzen. Zugleich bleibt spannend, welchem Lager sich die Unterstützer der Hauptstadt im Schlussspurt anschließen – eine Frage, die im engen Rennen zwischen München und Köln/Rhein-Ruhr entscheidend sein könnte.

Ziel bleibt ein Gewinn für den gesamten deutschen Sport

Unabhängig vom Ausgang erwartet Rauhe, dass sich nach der Abstimmung auch die unterlegene Seite hinter den Sieger stellt. Es solle nicht nur darum gehen, eine einzelne Region herauszuheben. Vielmehr müsse eine deutsche Olympia-Bewerbung genutzt werden, um Investitionen in Sport und Sportinfrastruktur im ganzen Land voranzubringen. Sein Ziel sei, nicht nur einen Standort, sondern den deutschen Sport insgesamt zu stärken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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