Ukraine greift Ziele tief in Russland mit Drohnen und Raketen an
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russisches Gebiet erneut deutlich ausgeweitet und dabei nach eigenen Angaben sowie nach russischen Behördenberichten Ziele in großer Entfernung von der Front ins Visier genommen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht seien 326 ukrainische Drohnen abgefangen worden. Unabhängig überprüfen lässt sich diese Zahl nicht, sie deutet jedoch auf einen umfangreichen Angriff hin.
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs war Mittwoch der 1.568. Tag des Krieges. Damit dauert die von Kremlchef Wladimir Putin 2022 befohlene Invasion inzwischen genauso lange wie der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918. Ein Ende der Kämpfe ist weiterhin nicht in Sicht.
Russland versucht, die Ukraine militärisch und politisch wieder in seinen Einflussbereich zu zwingen. Einschließlich der bereits 2014 annektierten Krim kontrolliert Moskau derzeit fast ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets. Zugleich erhöht Kiew in den vergangenen Wochen mit seinem Arsenal an Langstreckendrohnen den Druck auf russische Ziele.
Brand in Raffinerie bei Samara
Zu den angegriffenen Objekten gehörte laut Berichten in Telegram-Kanälen auch eine Raffinerie in Samara an der Wolga. Dort soll nach einem Drohnentreffer ein Feuer ausgebrochen sein. Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Fedorischtschew, sprach auf Telegram von drei Verletzten sowie Schäden an mehreren Industrieanlagen.
Auch im Gebiet Wladimir östlich von Moskau wurden nach offiziellen Angaben zwei Einrichtungen der Ölindustrie beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf X Angriffe auf diese Standorte.

In Tscheboksary an der Wolga, rund 1.300 Kilometer von Kiew entfernt, meldeten russische Behörden drei Verletzte nach einem Raketenangriff. Selenskyj zufolge wurde dort ein Rüstungsbetrieb getroffen, der Komponenten für russische Drohnen und Raketen herstellt. Eingesetzt worden seien ukrainische Marschflugkörper vom Typ FP-5 Flamingo. Der Präsident erklärte, die Ukraine setze ihre "Langstreckensanktionen" gegen russische Militärziele und die Ölindustrie fort.
Es war bereits der dritte Angriff auf dieses Werk. Schon Anfang Mai war die Anlage Ziel eines ukrainischen Raketenangriffs geworden.
Drohnenalarm bis nach Sibirien
Die Sorge vor Angriffen reicht inzwischen bis nach Sibirien. In den Regionen Tjumen und Omsk wurde offiziell Drohnenalarm ausgelöst. Omsk liegt etwa 2.800 Kilometer von Kiew entfernt und beherbergt Russlands größte Ölraffinerie sowie mehrere Rüstungsunternehmen. Hinweise auf einen tatsächlichen Angriff gab es dort zunächst allerdings nicht.
Museum in Sewastopol getroffen
In Sewastopol auf der von Russland annektierten Krim schlug nach russischen Angaben eine Drohne in ein Geschichtsmuseum ein. Betroffen war das Panorama zur Belagerung der Stadt im Krimkrieg des 19. Jahrhunderts. Der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Michail Raswoschajew sprach von einem gezielten Angriff auf eine Kultureinrichtung.
Ein solches Ziel würde allerdings nicht dem bisherigen Muster ukrainischer Angriffe entsprechen. Russland wiederum hat in mehr als vier Jahren Krieg zahlreiche Museen, Theater, Bibliotheken, Schulen und Kirchen in der Ukraine durch Luftangriffe beschädigt oder zerstört.
Russische Drohnen treffen Charkiw besonders schwer
Auf ukrainischer Seite war in der Nacht vor allem die frontnahe Großstadt Charkiw von russischen Angriffen betroffen. Nach Angaben der Regionalverwaltung kam es dort innerhalb kurzer Zeit zu 26 Einschlägen. Acht Menschen wurden demnach verletzt.
Auch Saporischschja wurde attackiert; dort entstanden Schäden an Gebäuden. Die ukrainische Luftwaffe meldete insgesamt 207 russische Drohnen in der Nacht, von denen 181 abgefangen worden seien.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion