Fußball

Berater weg, Kritik wächst: Wankt FIFA-Boss Infantino?

UEFA droht mit WM-Boykott, Asien rebelliert – und selbst Infantinos enger Berater geht. Kippt jetzt sein Milliardenplan?

31.07.2026, 13:52 Uhr

Der Gegenwind für FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt nach der Präsentation seiner Investorenpläne deutlich zu. Nach Boykottdrohungen aus Europa, scharfer Kritik mehrerer Kontinentalverbände und nun auch dem Rücktritt eines wichtigen Beraters gerät der Chef des Weltverbands immer stärker unter Druck. Gleichzeitig steht auch der angepeilte Milliardendeal zunehmend auf der Kippe.

Neben der UEFA und der Concacaf hat sich inzwischen auch der asiatische Fußballverband AFC klar von Infantinos umstrittenem Vorhaben distanziert. Doch nicht nur außerhalb der FIFA wächst die Ablehnung: Auch intern zeigen sich tiefe Risse. Mit Carlos Cordeiro hat ein enger Berater des Präsidenten sein Amt aus Protest niedergelegt und dies ungewöhnlich scharf begründet.

Cordeiro erklärt Rücktritt mit klaren Worten

Auf LinkedIn schrieb Cordeiro, er könne als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, ehemaliger Banker und lebenslanger Fußballanhänger nicht untätig dabei zusehen, wie die FIFA über den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft nachdenke. Der frühere Präsident des US-Verbands, der seit 2021 für die FIFA tätig ist, stellte klar, dass er an den Plänen nicht mitgewirkt habe und sie entschieden ablehne.

Nach seiner Einschätzung wäre das Vorhaben weder für die Mitgliedsverbände noch für den Fußball insgesamt oder dessen langfristige Zukunft ein gutes Geschäft. Laut AP war Cordeiro zuletzt mehrfach zu Gesprächen im Weißen Haus. Als früherer Partner bei Goldman Sachs gilt er als erfahren in Finanz- und Investmentfragen.

AFC äußert "ernsthafte Bedenken"

Zuvor hatte sich die AFC mit UEFA und Concacaf solidarisiert und mitgeteilt, erhebliche Vorbehalte gegen die FIFA-Pläne zu haben. Die asiatischen Verbände weisen das Konzept demnach nicht grundsätzlich zurück, kritisieren jedoch die tiefen Spaltungen, die dadurch bereits in der Fußballwelt entstanden seien.

Dass öffentlich über einen Boykott der Weltmeisterschaft gesprochen werde, müsse jeden alarmieren, dem die Zukunft des Sports wichtig sei, erklärte die AFC. Eine solche Situation hätte aus ihrer Sicht nie entstehen dürfen. Der Ozeanische Fußballverband OFC teilte lediglich mit, man werde die Vorschläge der FIFA prüfen. Eine Stellungnahme des südamerikanischen Verbands Conmebol blieb zunächst aus. Der afrikanische Kontinentalverband Caf hatte sich zuletzt hingegen offen für das Projekt gezeigt.

Die FIFA selbst hatte angekündigt, durch einen möglichen Verkauf von Teilen ihrer kommerziellen Rechte, etwa rund um die WM, Milliarden einnehmen zu wollen. Dazu soll die Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) gegründet werden. Berichten zufolge setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zu dem Investorendeal und stellte dafür eine Sonderzahlung in Aussicht. Als Stichtag wurde demnach der 19. September genannt.

FIFA weist Vorwürfe zurück

Nach den jüngsten Entwicklungen spricht allerdings vieles dafür, dass Infantino seine Pläne zumindest abmildern oder neu erklären muss. In einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung mit dem Titel "Erläuterungen zum Vorschlag FIFA Forward Enterprise (FFE)" verteidigte die FIFA das Vorhaben ausdrücklich.

Der Verband erklärte, der laufende Konsultationsprozess sei durch fehlerhafte Medienberichte beeinträchtigt worden. Zugleich betonte die FIFA: "Niemand verkauft den Fußball." Ein solcher Schritt komme für den Weltverband niemals infrage. Die FFE sei lediglich vorgeschlagen worden, um sicherzustellen, dass alle FIFA-Mitglieder die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Fußballs in ihren Ländern besser nutzen könnten. Die öffentlich geäußerte Kritik werde respektiert, zugleich halte man an einem offenen und demokratischen Konsultationsprozess fest.

Auch aus dem Fußball kommen harte Angriffe

Zu den prominenten Kritikern zählt auch Chelsea-Coach Xabi Alonso. Er sagte, Fußball müsse den Menschen gehören und dürfe nicht in private Hände geraten. Genau so werde der Sport geliebt, und zuletzt habe man eine großartige Weltmeisterschaft erlebt.

Noch schärfer äußerte sich Ex-Bundesligatrainer Christian Streich im Gespräch mit Sky. Er sprach von hochgradiger Korruption innerhalb der FIFA und bezeichnete die dortigen Zustände als "mafiöse Strukturen". Das sei im Grunde jedem bekannt und müsse auch klar benannt werden, sagte Streich. Was dort geschehe, sei ein Auftreten nach Mafia-Art.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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