Anklage nach mutmaßlichen schweren Misshandlungen in Soest
In Soest in Westfalen soll eine Frau über Monate hinweg in einem Wohnhaus gequält, erniedrigt, misshandelt und vergewaltigt worden sein. Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Arnsberg wurde gegen vier männliche Personen Anklage wegen verschiedener Straftaten zum Nachteil einer Frau erhoben.
Zu den angeklagten Personen und den einzelnen Vorwürfen machte die Behörde zunächst keine weiteren Angaben und verwies auf das Landgericht Arnsberg, wo nun ein Strafprozess bevorsteht.
Medien berichten über das „Soester Horrorhaus“
Zuvor hatten der Soester Anzeiger und der WDR über den Fall berichtet. Demnach sollen sich die Taten im Jahr 2025 über mehrere Monate hingezogen haben. Ein Anwohner habe die Frau am 3. November spätabends halbnackt und gefesselt auf der Terrasse eines benachbarten Reihenhauses entdeckt und die Polizei alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt sei sie bereits bewusstlos gewesen. Anschließend habe sie über Monate im Krankenhaus behandelt werden müssen.
Prozess beginnt am 12. Oktober
Wie das Landgericht Arnsberg auf Anfrage mitteilte, soll der Prozess gegen die vier Angeklagten am 12. Oktober beginnen. Für das Verfahren sind demnach zwölf Verhandlungstage angesetzt. Nach Gerichtsangaben geht es unter anderem um gefährliche Körperverletzung und Vergewaltigung, die den vier Beschuldigten in unterschiedlicher Beteiligung vorgeworfen werden.
Zwei Männer sitzen laut Gericht in Untersuchungshaft. Bei den beiden weiteren Angeklagten handelt es sich demnach um Jugendliche.
Zwei Erwachsene und zwei Jugendliche angeklagt
Aus Justizkreisen verlautete, dass es sich bei dem Opfer um eine 33-jährige Frau handeln soll. Die Vorwürfe stützen sich demnach unter anderem auf den Verdacht der gefährlichen Körperverletzung, der gemeinschaftlichen Körperverletzung, der Vergewaltigung, der Nötigung und der Freiheitsberaubung.
Unter den Angeklagten sollen sich zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren befinden. Als Hauptverdächtiger gilt laut Justizkreisen ein 29 Jahre alter Mann.
Hauptverdächtiger soll mit Familie im Haus gewohnt haben
Der 29-Jährige soll mit seiner damaligen Lebensgefährtin und drei Kindern in dem Haus gewohnt haben, in dem sich die Taten abgespielt haben sollen. Die Lebensgefährtin des Mannes und das spätere Opfer sollen sich bereits vor den mutmaßlichen Gewalttaten gekannt haben. Laut WDR ist der Mann polizeibekannt.
Haus liegt in ruhiger Reihenhaussiedlung
Der mutmaßliche Tatort liegt in einer ruhigen Reihenhaussiedlung im Grünen. Das Haus wirkt nach Beobachtungen eines dpa-Reporters unauffällig und steht leer. Einsatzkräfte sind dort nicht mehr vor Ort. Nur ein Polizeisiegel an einem Fenster deutet noch darauf hin, dass es sich um einen mutmaßlichen Tatort handelt. Vereinzelt seien in der Straße noch Medienvertreter zu sehen. Aus der Nachbarschaft wollte sich zunächst niemand äußern.
Erinnerungen an den Fall Höxter
Der Fall weckt Erinnerungen an das sogenannte „Horrorhaus von Höxter“, auch wenn es nach derzeitigen Informationen deutliche Unterschiede gibt. In Höxter waren Frauen über längere Zeit schwer misshandelt worden, zwei starben an den Folgen. Wilfried W. wurde 2018 wegen Mordes durch Unterlassen zu elf Jahren Haft verurteilt; Ende 2023 ordnete das Landgericht Paderborn zusätzlich Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der Strafe an. Seine Ehefrau war zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.
Im Soester Fall soll das Opfer laut Justizkreisen jedoch nicht dauerhaft eingesperrt gewesen sein. Dennoch soll es immer wieder zu den angeklagten Gewalttaten gekommen sein. Viele Fragen zu dem Verfahren sind weiterhin offen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber