1860 München startet trotz Chaos mit Rückenwind in die Regionalliga
Beim TSV 1860 München zeigt sich in diesen Tagen einmal mehr, wie außergewöhnlich dieser Club ist. Obwohl die Mannschaft in die Regionalliga zurückgestuft wurde, der Konflikt mit dem ungeliebten Investor weiter hochkochte und die sportliche Zukunft über Wochen ungewiss war, stehen die Anhänger fest hinter ihrem Verein. Selbst der bekannte Löwe im Wappen muss wegen eines Markenstreits vorerst weichen. Gründe für Enttäuschung gäbe es genug – doch statt sich abzuwenden, strömten Hunderte Fans ans Trainingsgelände, sangen lautstark ihre Schlachtrufe und fiebern dem Saisonauftakt entgegen.
Trainer Alper Kayabunar zeigte sich von den Szenen an der Grünwalder Straße tief beeindruckt. Die Unterstützung habe selbst erfahrene Profis überrascht. Er sprach von einer enormen Motivation innerhalb der Mannschaft. Auch Präsident Gernot Mang reagierte emotional und bezeichnete den Zusammenhalt beim TSV 1860 als etwas Besonderes, das in Deutschland kaum zu finden sei.
Saisonbeginn trotz schwieriger Vorgeschichte
Schon dass die Münchner am Samstag um 14.00 Uhr auswärts beim 1. FC Schweinfurt in die neue Spielzeit starten können, gilt als Erfolg. Nach der Trennung von Investor Hasan Ismaik im Juni war der Verein gezwungen, sich organisatorisch neu aufzustellen. Zuvor hatte die Kündigung eines Darlehens durch Ismaik den Absturz in die Viertklassigkeit ausgelöst. Mit einer neu gegründeten Gesellschaft meldete sich 1860 schließlich für die Regionalliga an. Präsident Mang fasste diese Phase im BR als deutlich turbulenter zusammen als jede Achterbahnfahrt.

Lange blieb zudem offen, ob Ismaik den Neustart des Clubs noch juristisch behindern könnte. Bislang beschränkte sich der Investor jedoch auf teils rätselhafte Botschaften in sozialen Netzwerken. Damit rückt nun wieder stärker der Fußball selbst in den Mittelpunkt.
Mischung aus Talenten, Routiniers und Rückkehrern
Kayabunar, der in der vergangenen Saison mit der U23 der Löwen Meister in der Bayernliga Süd wurde und nach einer kurzen Phase als Interimslösung zum Cheftrainer aufstieg, blickt mit Vorfreude auf den Auftakt. Zugleich erinnerte er an eine lange und nicht immer einfache Vorbereitung.
Der Kader der Sechziger ist bunt zusammengestellt: junge Spieler treffen auf erfahrene Kräfte wie Florian Niederlechner, dazu kommen bekannte Rückkehrer wie Torwart-Routinier Vitus Eicher, Dennis Dressel, Felix Weber und Julian Bell. Dennoch will Kayabunar die Erwartungen bremsen. Seine Mannschaft müsse sich erst finden, sagte er, und brauche dafür noch etwas Zeit.
Keine Rolle als Topfavorit akzeptiert
Entsprechend weist der 40-Jährige die Favoritenrolle im Aufstiegsrennen zurück. Obwohl viele Trainer der Regionalliga den TSV 1860 ganz oben sehen, will Kayabunar davon nichts wissen. Bei einer Umfrage des Bayerischen Fußball-Verbands hatten 15 von 19 Trainern die Münchner als Meisterschaftsanwärter genannt.
Sven Zurawka vom TSV Buchbach begründete diese Einschätzung mit der großen Ausstrahlung des Vereins und der enormen Unterstützung durch die Fans. Schon nach dem früheren Zwangsabstieg in der Saison 2017/18 waren die Löwen der große Zuschauermagnet der Liga – und vieles spricht dafür, dass sich das nun wiederholt. Zum Gastspiel in Schweinfurt werden rund 3200 1860-Anhänger im ausverkauften Auswärtsblock erwartet. Am ersten Spieltag hatte München noch pausieren müssen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber