Ukraine

Joko und Klaas zeigen, was an der Front keiner sieht

Was Joko und Klaas in ihrer freien Sendezeit zeigen, geht unter die Haut: der brutale Alltag an der ukrainischen Front.

05.06.2026, 00:26 Uhr

Joko und Klaas zeigen in ProSieben-Sondersendung den Kriegsalltag in der Ukraine

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben ihre bei ProSieben gewonnene freie Sendezeit genutzt, um den Alltag im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus Sicht unmittelbar Betroffener zu dokumentieren. Aus den ursprünglich vorgesehenen 15 Minuten wurde am Donnerstagabend eine mehr als dreistündige, werbefreie Ausstrahlung der Dokumentation „Joko & Klaas Live – #dontlookaway“.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die den Krieg Tag für Tag erleben: ein Drohnenpilot, ein Chirurg, eine Mitarbeiterin einer Stadtverwaltung, ein Helfer bei Evakuierungen und ein Polizist. Sie berichten von Zerstörung, Verlust und permanenter Belastung in einem Krieg, der inzwischen seit mehr als 1.560 Tagen andauert. Die Gespräche wurden nach Angaben des Senders von einer Kontaktperson geführt, die in der Ukraine lebt.

Die Dokumentation eröffnet mit einer direkten Botschaft eines Protagonisten. Er sagt, man habe ihnen Kameras in die Ukraine geschickt und gefragt, was andere Menschen über ihren Alltag erfahren sollten. Genau das wolle man nun zeigen: wie ihre Tage aussehen, wie ihr Leben inzwischen geworden sei – verbunden mit dem Appell, nicht wegzuschauen. Zum Ende heißt es, Krieg sei ein so erschütterndes Ereignis, dass er alles verändere. Deshalb lebe man nur noch im Augenblick.

Vor allem jüngere Zuschauer schalteten ein

Die spontane Ausstrahlung stieß insbesondere beim jüngeren Publikum auf Interesse. Im Schnitt verfolgten 310.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Alter von 14 bis 49 Jahren den mehr als 200 Minuten langen Film, was einem Marktanteil von 9,7 Prozent entsprach. Insgesamt schauten 460.000 Menschen zu.

Laut ProSieben lag die sogenannte Netto-Reichweite bei 2,88 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass so viele Personen zumindest zeitweise mit der Dokumentation in Kontakt kamen. Zum Vergleich: Stärkste Sendung ab 20.15 Uhr war laut „DWDL.de“ die ARD-Wiederholung „Der Zürich-Krimi: Borchert und der Schuss ins Herz“ mit rund 4,1 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter 266.000 unter 50.

Langes Rätsel um die Nutzung der Sendezeit

Wie schon bei früheren Gelegenheiten überließen Joko und Klaas ihre erspielte Sendezeit erneut Themen und Menschen, denen sie öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen wollten. Nachdem sie sich am Mittwochabend in ihrer Show gegen ProSieben durchgesetzt hatten, stand ihnen freie Sendezeit zu. Wofür sie diese verwenden würden, war bis zur Ausstrahlung nicht bekannt.

Statt des üblichen kurzen Beitrags sendeten sie eine rund 200 Minuten lange Dokumentation. Darin wechseln die Perspektiven fortlaufend: Zu sehen ist etwa der Chirurg Andriy, der den Arm eines Schwerverletzten bandagiert und berichtet, dass auch Tote in die Klinik gebracht würden. An anderer Stelle sind Menschen zu sehen, die laut weinend um Angehörige trauern. Olha, die für ein kommunales Unternehmen des Stadtrats von Cherson arbeitet, bewegt sich durch verwüstete Wohnungen. Eine 81-jährige Bewohnerin sagt, sie wäre heute wohl nicht mehr am Leben, wenn sie beim Einschlag einer Drohne zu Hause gewesen wäre.

Friedliche Bilder, zerstörte Wirklichkeit

Drohnenpilot Dmytro zeigt zahlreiche Fluggeräte, die in einer Wohnung auf dem Boden stehen, und sagt, es seien jene Drohnen, die an diesem Tag töten würden. Eine Polizistin fragt mit verzweifeltem Blick, warum dieses Leid gerade sie treffe. Arzt Andriy äußert zum Schluss den Wunsch, dass es nie wieder einen so grausamen Krieg geben möge. Gleichzeitig habe er das Gefühl, dass dieser Krieg womöglich niemals ende. Am meisten wolle der 39-Jährige zu seiner Frau zurückkehren.

Wenn die Protagonisten mit Handkameras durch Wohngebiete gehen, wirken manche Szenen zunächst beinahe ruhig. Doch kurz darauf treten die Folgen des Krieges offen zutage: zerstörte Häuser, ausgebrannte Autos, schwer bewaffnete Einsatzkräfte und sichtbar traumatisierte Menschen.

Joko und Klaas greifen in ihren ProSieben-Formaten seit Jahren immer wieder gesellschaftliche und politische Themen auf, darunter Seenotrettung, Rechtsextremismus und Frauenrechte. Beide zählen zu den bekanntesten Gesichtern des Senders. Formate wie „Joko & Klaas gegen ProSieben“ erzielen regelmäßig hohe Reichweiten und gehören zu den wichtigen Publikumsmagneten des Programms.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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