Der neue britische Premierminister Andy Burnham hat unmittelbar nach seinem Amtsantritt sein Kabinett neu aufgestellt. Nur kurze Zeit nach seiner Beauftragung durch König Charles III. ernannte der 56-Jährige den früheren Verteidigungsminister John Healey zum neuen Finanzminister. Healey war im Juni aus Protest gegen den Kurs von Burnhams Vorgänger Keir Starmer aus dem Kabinett ausgeschieden. Streitpunkt waren damals vor allem die Verteidigungsausgaben – ein Thema, das ihn wohl auch in seinem neuen Amt weiter begleiten wird.
Healey sprach von der „größten Ehre“, das Amt des Chancellor of the Exchequer zu übernehmen. Gemeinsam wolle man die Wirtschaft neu aufbauen, Zuversicht schaffen und die Interessen der arbeitenden Bevölkerung stärken.
Überraschend fiel auch die Entscheidung für das Verteidigungsressort aus: Der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting übernimmt künftig dieses Ministerium. Streeting war zeitweise als möglicher Konkurrent Burnhams im Rennen um die Parteiführung gehandelt worden, zog sich aber nach Burnhams Einzug ins Parlament zurück. Auf X erklärte er, die britischen Streitkräfte würden mit den nötigen Mitteln ausgestattet und Verbündete – insbesondere die Ukraine – weiter entschlossen unterstützt. Zur angespannten Lage rund um den Iran-Konflikt und die Straße von Hormus äußerte er sich zunächst nicht. Grundlegende Kurswechsel in der Außen- und Verteidigungspolitik werden unter Burnham allerdings nicht erwartet.
Bekannte Namen in neuen Ämtern
Neuer Außenminister wird Ed Miliband, bislang Energieminister und früherer Labour-Vorsitzender. Zwischenzeitlich war auch spekuliert worden, er könne das Finanzministerium übernehmen. Sein Bruder David Miliband hatte dieses Amt bereits unter Premier Gordon Brown inne. Für Ed Milibands Wechsel muss Yvette Cooper, bisher im Foreign Office, ihren Posten räumen; sie übernimmt nun das Gesundheitsministerium. Shabana Mahmood bleibt Innenministerin.

Auch Angela Rayner kehrt ins Kabinett zurück und wird erneut Wohnungsbauministerin. Dieses Amt hatte sie bereits von 2024 bis 2025 unter Keir Starmer ausgeübt. Damals war sie zudem Starmers Stellvertreterin, trat jedoch wegen einer Steueraffäre zurück. Inzwischen gilt der Verdacht der Steuerhinterziehung als ausgeräumt.
Mehrere enge Vertraute Starmers spielen unter Burnham dagegen keine zentrale Rolle mehr. Dazu zählen der frühere Vize-Regierungschef und Justizminister David Lammy sowie die bisherige Finanzministerin Rachel Reeves. Lammy erklärte laut der Nachrichtenagentur PA, er hätte dem Kabinett gern weiter angehört, doch ein neuer Premierminister habe selbstverständlich das Recht, sein eigenes Team zu formen.
Frühes Telefonat mit Donald Trump
Zu Burnhams ersten offiziellen Amtshandlungen gehörte ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Das Verhältnis zwischen Downing Street und Weißem Haus hatte sich unter Starmer spürbar abgekühlt – vor allem aufgrund von Trumps Haltung. Nun erklärte Trump auf Truth Social, das Gespräch mit Burnham sei „sehr gut“ gewesen. Der neue Premier habe eine große Aufgabe vor sich, werde sie aber bewältigen, und die USA würden ihn dabei unterstützen.
Nach Angaben der Downing Street stellte Burnham in dem Gespräch seine Vision für Großbritannien vor. Im Mittelpunkt stehe eine Reindustrialisierung des gesamten Landes. Zugleich habe er sein Bekenntnis zu Verteidigung und Sicherheit unterstrichen. Der Schutz Großbritanniens und seiner Verbündeten habe für ihn höchste Priorität. Trump zufolge ging es unter anderem um Nordsee-Öl, Handel, das Militärbündnis sowie Minenräumung in der Straße von Hormus. Ein persönliches Treffen sei ebenfalls in nicht allzu ferner Zukunft geplant.
Ein Sprecher der Downing Street teilte zudem mit, Burnham hoffe, Trump bei einem künftigen Besuch zeigen zu können, „was Manchester zu bieten hat“ – ein Hinweis auf Burnhams vorherige Rolle als Bürgermeister von Greater Manchester. Trump hatte Burnham zuvor noch skeptisch beurteilt und ihn als „Bürgermeister einer Kleinstadt“ sowie als „extrem liberal“ bezeichnet. Später äußerte er die Hoffnung, Burnham könne wieder Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee zulassen.
Austausch mit Macron und Einladung aus Berlin
Auch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach Burnham bereits. Nach Angaben der Downing Street ging es dabei unter anderem um die weitere Unterstützung der Ukraine, etwa durch die gemeinsame Führung der sogenannten Koalition der Willigen. Außerdem telefonierte Burnham mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Mit Blick auf den Nahen Osten waren sich Macron und Burnham demnach einig, dass die Bemühungen um Deeskalation fortgesetzt und die Straße von Hormus wieder geöffnet werden müssten. Macron äußerte auf X zudem die Hoffnung, dass die Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich auch den britischen Beziehungen zur Europäischen Union neuen Schwung verleihen könnten.
Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Burnham bereits am Montagmittag. In seiner Nachricht betonte er, Deutschland und das Vereinigte Königreich seien enge Verbündete und Partner. Gerade in der aktuellen Zeit zeige sich diese enge Verbindung besonders deutlich. Merz lud Burnham zu einem baldigen Besuch nach Berlin ein, um über die bevorstehenden gemeinsamen Herausforderungen zu sprechen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber