Ein 28 Jahre alter Mann aus South Yorkshire ist im Fall der getöteten britischen Brexit-Politikerin Ann Widdecombe nun wegen Mordes angeklagt worden. Nach Angaben des Crown Prosecution Service soll der Brite an diesem Dienstag vor Gericht erscheinen.
Frank Ferguson, leitender Ankläger der Behörde für England und Wales, erklärte, die Polizei untersuche weiterhin das mögliche Motiv des Beschuldigten. Dabei werde auch geprüft, ob ein politischer oder terroristischer Hintergrund eine Rolle gespielt haben könnte. Zugleich betonte Ferguson, dass dem Angeklagten ein faires Verfahren zustehe.
Der mutmaßliche Mord an Widdecombe hatte in Großbritannien große Aufmerksamkeit ausgelöst. Die 78-jährige frühere Abgeordnete und prominente Befürworterin des Brexits war Anfang Juli in ihrem Haus im Dartmoor in der Grafschaft Devon tot entdeckt worden. Laut Ermittlern wies die Leiche schwere Verletzungen auf, woraufhin eine Morduntersuchung eingeleitet wurde.
Langjährige Politikerin mit scharf konservativem Profil
Widdecombe gehörte viele Jahre den Konservativen im britischen Unterhaus an. Später zog sie als entschiedene Unterstützerin des EU-Austritts für die Brexit-Partei des Brexit-Verfechters Nigel Farage ins Europäische Parlament ein. Danach war sie auch Sprecherin der Nachfolgepartei Reform UK.
Die zum Katholizismus konvertierte Politikerin war zudem für ihre ultrakonservativen Positionen bekannt. Sie setzte sich unter anderem für die Wiedereinführung der Todesstrafe ein, lehnte die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab und sprach sich gegen die Selbstbestimmung von Transpersonen beim Geschlecht aus.
Auch im britischen Fernsehen war Widdecombe einem breiten Publikum bekannt. Sie trat unter anderem in der Tanzshow „Strictly Come Dancing“ sowie bei „Celebrity Big Brother“ auf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber