Die „New York Times“ zählt Bayreuth in diesem Jahr zu ihren 52 weltweiten Reisezielen. Ausschlaggebend ist vor allem das Jubiläum der Bayreuther Festspiele, die heuer 150 Jahre alt werden und am 25. Juli starten. Karten für Aufführungen im Festspielhaus sind allerdings längst vergriffen. Wer trotzdem nach Bayreuth reist, findet neben Wagner noch etliche weitere Gründe für einen Besuch.
Fränkische Küche: Bier und Bratwurst
Neben der Musik spielt in Bayreuth natürlich auch das Essen eine wichtige Rolle. Die fränkische Küche ist bekannt für herzhafte Gerichte und richtet sich eher an Liebhaber klassischer Fleischküche. Der Verein „Genussregion Oberfranken“ wirbt besonders mit Braten- und Fleischspezialitäten aus der Region.
Typisch für Bayreuth ist die Bayreuther Bratwurst, die an mehreren Ständen in der Fußgängerzone verkauft wird – sogar vor dem Festspielhaus wird gegrillt. Ebenfalls ein Klassiker ist das Schäufele, ein Braten aus der Schweineschulter, der traditionell mit Kartoffelklößen serviert wird. Dazu passt ein Bier: Oberfranken ist schließlich auch für seine außergewöhnlich hohe Brauerdichte bekannt.
Wagner auch außerhalb des Festspielhauses
Ein Festival von internationalem Rang beschränkt sich in Bayreuth nicht nur auf das Festspielhaus. Seit vielen Jahren gibt es ergänzende Angebote wie kleinere Konzerte im Richard-Wagner-Museum, Vorträge oder Signierstunden.
Eine breite Wagner-Euphorie war in der Stadt jedoch lange nicht überall zu spüren. Für viele Einheimische war der Grüne Hügel eher eine abgeschlossene Welt für Operngäste. Das änderte sich mit einer Idee von Katharina Wagner: dem Festspiel-Open-Air.

Seitdem kommen Tausende Menschen aus Bayreuth und der Umgebung in den Park unterhalb des Festspielhauses. Dort wird gepicknickt, während das Festspielorchester und ausgewählte Solisten kostenlos musizieren. Kinder spielen auf den Wiesen, Weingläser klingen, die Atmosphäre ist entspannt. Besonders beliebt ist dabei ausgerechnet Isoldes „Liebestod“ – heute ein fester Favorit des Publikums.
Das Markgräfliche Opernhaus
Schon lange bevor Richard Wagner seine Festspielpläne in Bayreuth verwirklichte, prägte Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth die Stadt kulturell. Die kunstbegeisterte Schwester Friedrichs des Großen ließ nach ihrer Hochzeit mit dem Bayreuther Markgrafen ein prachtvolles Opernhaus errichten und machte aus der kleinen Residenzstadt ein Zentrum von Kunst und Kultur.
Das Markgräfliche Opernhaus zählt zu den wenigen erhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts in Europa. Besucher beeindruckt vor allem die aufwendig gestaltete Innenarchitektur und die historische Bühnentechnik. Anders als viele vergleichbare Häuser blieb es von Kriegsschäden, Bränden und tiefgreifenden Umbauten verschont. Heute gehört es zum Unesco-Welterbe.
Natur und Ausflüge rund um Bayreuth
Im Vergleich zu großen Metropolen wirkt Bayreuth eher provinziell – was durchaus auch Vorteile hat. Die Stadt liegt in kurzer Distanz zu reizvollen Landschaften und lohnenden Zielen in der Umgebung. Dazu zählen die Tropfsteinhöhlen der Fränkischen Schweiz, mittelalterliche Burgen, Flusstäler und Kletterfelsen.
Nördlich von Bayreuth beginnt das Fichtelgebirge. Dort liegt mit dem Ochsenkopf ein mehr als 1.000 Meter hoher Gipfel, der inzwischen auch mit einer modernen Gondelbahn erreichbar ist.
Wer sich für Zeitgeschichte interessiert, kann in rund 50 Minuten das frühere Grenzdorf Mödlareuth erreichen, das wegen seiner Teilung im Kalten Krieg auch „Little Berlin“ genannt wurde. Dort standen sich am Tannbach zwei politische Systeme unversöhnlich gegenüber. Ein kürzlich erweitertes und modernisiertes Museum erinnert heute an dieses Kapitel deutscher Geschichte.
Anreise: Vorsicht beim Bahnverkehr
Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bayreuth reisen will, sollte seine Strecke genau prüfen. Die Stadt hat zwar einen Hauptbahnhof, aber keinen ICE-Halt. Die nächsten Fernverkehrsanschlüsse liegen in Bamberg oder Nürnberg. Von dort geht es nur mit Regionalverkehr weiter – oder mit dem SEV.
Diese Abkürzung steht für Schienenersatzverkehr, also Busse statt Bahn. Hintergrund sind beschädigte Brücken auf der Strecke zwischen Nürnberg und Bayreuth, weshalb die Verbindung zumindest teilweise gesperrt ist. Reisende können in Nürnberg direkt in den Bus umsteigen und über die Autobahn weiterfahren. Alternativ ist auch eine Kombination aus Bus bis Pegnitz und anschließendem Regionalzug möglich.
Etwas umständlich ist die Anreise also durchaus – lohnen kann sich die Reise nach Bayreuth trotzdem.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber