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Erstaunlich: Frühchen führen oft erfüllte Leben

Diese Kinder galten einst als chancenlos. Heute überleben sie – doch eine neue Studie zeigt, warum es für manche hart bleibt.

21.07.2026, 04:00 Uhr

Menschen, die sehr früh oder mit einem extrem niedrigen Geburtsgewicht zur Welt kamen, haben heute oft gute Aussichten auf ein gesundes, zufriedenes und erfülltes Erwachsenenleben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeituntersuchung der Universität Warwick mit Teilnehmenden aus Bayern, die in JAMA Paediatrics veröffentlicht wurde.

Rund ein Fünftel mit Schwierigkeiten

Gleichzeitig zeigt die Studie auch Schattenseiten: Etwa 20 Prozent der Personen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit weniger als 1.500 Gramm geboren wurden, haben im späteren Leben mit Problemen zu kämpfen. Diese betreffen unter anderem die finanzielle Situation, Freundschaften und Partnerschaften.

Aus medizinischer Sicht spielt dabei laut den Forschenden vor allem der Intelligenzquotient eine wichtige Rolle. Studienleiter Dieter Wolke erklärt, frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass der IQ bei Geburten vor der 33. Schwangerschaftswoche pro Woche im Schnitt um 2,3 Punkte sinken könne.

Nicht alle ehemaligen Frühgeborenen kommen gleich gut zurecht

Elif Gönen vom Institut für Psychologie der Universität Warwick betont, dass etwas mehr als die Hälfte der sehr früh oder mit sehr geringem Gewicht geborenen Kinder im Erwachsenenalter in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Entwicklung erreicht habe. 18 Prozent hätten in diesen Punkten jedoch schlecht abgeschnitten. Bei Menschen, die termingerecht geboren wurden, lag dieser Anteil lediglich bei 1,5 Prozent.

Wolke, der viele Jahre auch in München geforscht hat, zieht dennoch eine gemischte Bilanz: Eine beachtliche Minderheit habe weiterhin mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Diese Betroffenen schilderten ihr Leben oft als belastend und wenig erfüllend.

Beobachtung über 34 Jahre

Für die Untersuchung verfolgte das Forschungsteam über 34 Jahre hinweg vor allem die soziale Entwicklung von Menschen, die entweder sehr früh oder mit niedrigem Geburtsgewicht geboren wurden. Insgesamt nahmen 416 Personen teil, etwa die Hälfte davon Frühgeborene. Damit zählt die Arbeit zu den weltweit längsten Studien dieser Art.

Nach Einschätzung der Forschenden lassen sich die Ergebnisse grundsätzlich auf ganz Deutschland übertragen. Wolke verwies darauf, dass medizinische Versorgung und Organisation der Neugeborenenpflege hierzulande weitgehend vergleichbar seien, auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich etwa hinter Finnland liege.

Dank des medizinischen Fortschritts haben Frühgeborene heute deutlich bessere Überlebenschancen als noch vor einigen Jahrzehnten. Nach Ansicht der Forschenden könnte die Gesellschaft zusätzlich davon profitieren, die geistige Entwicklung in der frühen Kindheit noch stärker zu fördern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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