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Israel und Iran stoppen Feuer – doch jetzt droht mehr

Plötzliche Feuerpause zwischen Israel und Iran – doch ein neuer Verstoß könnte alles sprengen. Droht jetzt die nächste Eskalation?

09.06.2026, 04:05 Uhr

Vorläufige Feuerpause nach neuer Eskalation zwischen Iran und Israel

Nach der jüngsten gefährlichen Zuspitzung im Konflikt zwischen Iran und Israel haben beide Erzfeinde ihre gegenseitigen Angriffe vorerst wieder eingestellt. Zugleich drohten beide Seiten für den Fall eines Verstoßes gegen ihre Bedingungen mit noch härteren militärischen Reaktionen.

US-Präsident Donald Trump hatte beide Staaten zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgefordert. Sowohl Iran als auch Israel kündigten daraufhin an, ihre Angriffe auszusetzen. Die Lage bleibt jedoch äußerst angespannt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bestätigte die Feuerpause in einer Videobotschaft. Sollte der Iran erneut angreifen, werde Israel mit voller Härte antworten, sagte er. Auch Teheran warnte vor schärferen Gegenmaßnahmen bei weiteren Attacken.

Trump warnt vor möglicher Isolation Israels

Trump sagte dem israelischen Sender N12, er habe Netanjahu in einem Telefonat gewarnt, dass Israel bei einer weiteren Ausweitung der Kämpfe in Richtung eines größeren regionalen Kriegs womöglich isoliert dastehen könnte.

Die USA und Israel hatten ihren Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, doch die Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Konflikts kommen derzeit nicht voran.

Nach dem vorläufigen Stopp der Angriffe lockerten beide Länder einige Beschränkungen. In Israel sollten die Schulen am Dienstag wieder regulär öffnen, in Teheran wurden Einschränkungen im Flugverkehr aufgehoben. Auch Irak und Syrien öffneten ihren Luftraum wieder.

USA beginnen nach Hubschrauber-Abschuss mit Vergeltungsschlägen

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben inzwischen mit Vergeltungsschlägen gegen den Iran begonnen. Das Regionalkommando Centcom erklärte auf X, die Einsätze seien auf Anweisung von Präsident Trump und als Reaktion auf den Abschuss eines US-Militärhubschraubers erfolgt. Die Mission sei eine verhältnismäßige Antwort auf eine ungerechtfertigte iranische Aggression, hieß es.

Nach Angaben des US-Militärs begannen die Angriffe um 17.00 Uhr US-Ostküstenzeit. Zu Umfang und Zielen der Schläge machte Centcom zunächst keine näheren Angaben.

Trump hatte zuvor erklärt, der Iran habe einen Apache-Hubschrauber der US-Streitkräfte abgeschossen. Die zwei Piloten seien dabei unverletzt geblieben und in Sicherheit gebracht worden.

Aus dem Iran kamen am Abend erste Berichte über mögliche Folgen der Angriffe. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr meldeten Bewohner in der Hafenstadt Sirik am Golf von Oman und in der Umgebung Explosionen. Eine eindeutige Zuordnung gab es zunächst nicht.

Irans Außenminister fordert Abzug ausländischer Truppen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi rief nach dem Vorfall ausländische Streitkräfte am Persischen Golf zum Abzug auf. Auf X schrieb er, fremde Truppen in der Nähe iranischen Territoriums seien ständig Gefahren ausgesetzt – etwa durch menschliche Fehler, Unfälle oder weil sie ins Kreuzfeuer geraten könnten.

Ein Rückzug dieser Kräfte sei deshalb der beste Weg, Risiken zu verringern, erklärte Araghtschi. Zugleich betonte er, Iran bevorzuge zwar die Sprache der Diplomatie, könne aber auch andere Sprachen sprechen.

Israel meldet Abfang einer Drohne aus dem Jemen

In der Nacht fing die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben über dem Süden des Landes eine Drohne aus dem Jemen ab. Der Vorfall über dem Luftraum der Stadt Eilat am Roten Meer sei abgeschlossen, teilte das Militär auf X mit. Wer hinter dem Angriff stand, wurde zunächst nicht offiziell benannt.

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hatte zuvor einen Angriff auf Israel mit mehreren Raketen für sich reklamiert. Nach ihren Angaben war dies der erste direkte Huthi-Angriff auf Israel seit Anfang April. Offenbar stand er im Zusammenhang mit den jüngsten gegenseitigen Attacken zwischen Israel und dem Iran.

Erste direkte Angriffe seit zwei Monaten

Am Sonntag war der Krieg mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gut zwei Monate nach Beginn der Waffenruhe gefährlich eskaliert. Die iranischen Streitkräfte feuerten ballistische Raketen unter anderem auf einen Luftwaffenstützpunkt im Norden Israels. Aus israelischen Militärkreisen hieß es, in mehreren Wellen seien mehr als 20 ballistische Raketen in Richtung Israel gestartet worden.

Zuvor hatte die israelische Armee nach Raketenangriffen der Hisbollah auf den Norden Israels Ziele in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut attackiert. Daraufhin griff der mit der Hisbollah verbündete Iran wieder direkt ein.

Israel reagierte am Montag mit mehreren Angriffen auf Ziele im Iran. Das Militär sprach von einem groß angelegten Einsatz. Dutzende Kampfflugzeuge hätten strategische Verteidigungssysteme der iranischen Führung ins Visier genommen. Zudem sei im Südwesten des Landes eine Anlage der petrochemischen Industrie angegriffen worden.

Iran droht bei weiteren Angriffen im Libanon

Am Nachmittag erklärte die iranische Militärführung ihre Angriffe auf Israel zunächst für beendet. Sollte es jedoch weiter zu Kampfhandlungen kommen, darunter auch israelische Angriffe im Südlibanon, werde Teheran mit härteren und vernichtenderen Maßnahmen als bisher reagieren, drohte das militärische Hauptquartier Chatam al-Anbija.

Unterdessen gingen die israelischen Angriffe im Libanon weiter. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete erneut von mehreren Attacken im Süden des Landes. Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Fahrzeug seien mindestens fünf Menschen getötet worden.

Die Hisbollah reklamierte mehrere weitere Angriffe auf israelische Stellungen im Südlibanon für sich.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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