Vorläufige Feuerpause nach neuer Eskalation zwischen Iran und Israel
Nach der jüngsten gefährlichen Zuspitzung im Konflikt zwischen Iran und Israel haben beide Erzfeinde ihre gegenseitigen Angriffe vorerst wieder eingestellt. Zugleich drohten beide Seiten für den Fall eines Verstoßes gegen ihre Bedingungen mit noch härteren militärischen Reaktionen.
US-Präsident Donald Trump rief beide Staaten zu einem „sofortigen Waffenstillstand“ auf. Sowohl Iran als auch Israel erklärten anschließend, die Angriffe wieder einzustellen. Die Lage blieb jedoch angespannt.
Israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bestätigte die Feuerpause in einer Videobotschaft. Sollte der Iran erneut angreifen, werde Israel mit voller Härte reagieren, sagte er. Auch Teheran warnte vor schärferen Gegenmaßnahmen, falls es zu weiteren Angriffen komme.
Trump warnt vor möglicher Isolation Israels
Trump sagte dem israelischen Fernsehsender N12, er habe Netanjahu in einem Telefonat gewarnt, dass Israel bei einer weiteren Ausweitung der Kämpfe in Richtung eines größeren regionalen Kriegs womöglich isoliert dastehen könnte.
Die USA und Israel hatten ihren Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, doch die Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Konflikts stocken derzeit.
Nach dem vorläufigen Stopp der Angriffe lockerten beide Länder wieder Beschränkungen. In Israel sollten die Schulen am Dienstag wieder regulär öffnen, in Teheran wurden Einschränkungen im Flugverkehr aufgehoben. Auch Irak und Syrien öffneten ihren Luftraum wieder.
Unklare Angaben zu US-Kampfhubschrauber vor Oman
Für zusätzliche Spannungen sorgten neue Berichte aus dem Umfeld der US-Streitkräfte. Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, der Iran habe einen US-Militärhubschrauber abgeschossen. Die Vereinigten Staaten müssten auf diesen Angriff zwangsläufig reagieren, schrieb er. Wie genau eine Reaktion aussehen könnte, ließ der Präsident zunächst offen.
Nach Trumps Darstellung blieben zwei Piloten eines Apache-Hubschraubers unverletzt und in Sicherheit.
Das US-Regionalkommando Centcom schilderte den Vorfall jedoch vorsichtiger. Demnach retteten US-Streitkräfte am Morgen Ortszeit zwei Besatzungsmitglieder eines AH64-Kampfhubschraubers, der während eines Patrouilleneinsatzes in den Gewässern vor der Küste Omans abgestürzt sei. Die Soldaten seien innerhalb von rund zwei Stunden in Sicherheit gebracht worden und befänden sich in stabilem Zustand. Zur Ursache des Absturzes machte Centcom zunächst keine Angaben.
US-Medien: Unbemanntes Boot half bei Rettung
US-Medien berichteten unter Berufung auf Militärangaben, die beiden Besatzungsmitglieder seien zunächst von einem unbemannten Boot, also einem Drohnenboot, geortet und gerettet worden. NBC News sprach von einem Novum im US-Militär. Laut CNN wurden die Soldaten anschließend von einem Hubschrauber aufgenommen.
Irans Außenminister fordert Abzug ausländischer Truppen
Irans Außenminister Abbas Araghtschi rief nach dem Vorfall ausländische Streitkräfte am Persischen Golf zum Abzug auf. Auf der Plattform X schrieb er, fremde Truppen in der Nähe iranischen Territoriums seien ständig Gefahren ausgesetzt – etwa durch menschliche Fehler, Unfälle oder weil sie ins Kreuzfeuer geraten könnten.
Ein Rückzug dieser Kräfte sei deshalb der beste Weg, Risiken zu verringern, erklärte Araghtschi. Zugleich betonte er, Iran bevorzuge zwar die Sprache der Diplomatie, könne aber auch „andere Sprachen“ sprechen.
Israel meldet Abfang einer Drohne aus dem Jemen
In der Nacht fing die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben über dem Süden des Landes eine Drohne aus dem Jemen ab. Der Vorfall über dem Luftraum der Stadt Eilat am Roten Meer sei abgeschlossen, teilte das Militär auf X mit. Wer hinter dem Angriff stand, wurde zunächst nicht offiziell benannt.
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hatte zuvor einen Angriff auf Israel mit mehreren Raketen für sich reklamiert. Nach ihren Angaben war dies der erste direkte Huthi-Angriff auf Israel seit Anfang April. Offenbar stand er im Zusammenhang mit den jüngsten gegenseitigen Attacken zwischen Israel und dem Iran.
Erste direkte Angriffe seit zwei Monaten
Am Sonntag war der Krieg mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gut zwei Monate nach Beginn der Waffenruhe gefährlich eskaliert. Die iranischen Streitkräfte feuerten ballistische Raketen unter anderem auf einen Luftwaffenstützpunkt im Norden Israels. Aus israelischen Militärkreisen hieß es, in mehreren Wellen seien mehr als 20 ballistische Raketen in Richtung Israel gestartet worden.
Zuvor hatte die israelische Armee nach Raketenangriffen der Hisbollah auf den Norden Israels Ziele in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut attackiert. Daraufhin griff der mit der Hisbollah verbündete Iran wieder direkt ein.
Israel reagierte am Montag mit mehreren Angriffen auf Ziele im Iran. Das Militär sprach von einem groß angelegten Einsatz. Dutzende Kampfflugzeuge hätten strategische Verteidigungssysteme der iranischen Führung ins Visier genommen. Zudem sei im Südwesten des Landes eine Anlage der petrochemischen Industrie angegriffen worden.
Iran droht bei weiteren Angriffen im Libanon
Am Nachmittag erklärte die iranische Militärführung ihre Angriffe auf Israel zunächst für beendet. Sollte es jedoch weiter zu Kampfhandlungen kommen, darunter auch israelische Angriffe im Südlibanon, werde Teheran mit „härteren und vernichtenderen Maßnahmen als bisher“ reagieren, drohte das militärische Hauptquartier Chatam al-Anbija.
Unterdessen gingen die israelischen Angriffe im Libanon weiter. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete erneut von mehreren Attacken im Süden des Landes. Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Fahrzeug seien mindestens fünf Menschen getötet worden.
Die Hisbollah reklamierte mehrere weitere Angriffe auf israelische Stellungen im Südlibanon für sich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion