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Trump zwischen zwei Kriegen: Netanjahu und Selenskyj

Zwei Kriege, ein Präsident: Warum Trumps Treffen mit Netanjahu und Selenskyj heute explosiver sind als je zuvor.

28.07.2026, 05:00 Uhr

Der Tod des US-Senators Lindsey Graham hat in Washington große Aufmerksamkeit ausgelöst. Der Republikaner galt als einer der wichtigsten Fürsprecher Israels und der Ukraine in der amerikanischen Hauptstadt. Zu der Trauerfeier werden Berichten aus den USA und der Ukraine zufolge sowohl Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet. Für beide bietet der Besuch in Washington zugleich die Gelegenheit zu einem Austausch mit US-Präsident Donald Trump.

Netanjahu und Trump

Erstes persönliches Treffen seit dem Beginn des Iran-Kriegs

Zuletzt hatte Trump Netanjahu im Februar im Weißen Haus empfangen. Schon damals stand vor allem der Umgang mit dem Iran im Mittelpunkt. Wenige Wochen später begannen die USA und Israel gemeinsame Angriffe gegen die Islamische Republik. In den fünf Monaten seither traten jedoch unterschiedliche Interessen beider Regierungen im Krieg immer deutlicher zutage. Israel wollte den militärischen Kurs Medienberichten zufolge fortsetzen, während Trump lange auf eine diplomatische Lösung setzte.

Nach der jüngsten Zuspitzung sind sowohl die Waffenruhe als auch das Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran hinfällig. Für Trump ist das innenpolitisch heikel: In weniger als 100 Tagen finden wichtige Kongress-Zwischenwahlen statt. Der Krieg ist in den USA unpopulär, und manche Beobachter geben Netanjahu eine Mitschuld daran, Trump zu den Angriffen auf den Iran gedrängt zu haben.

Angespannte, aber weiterhin enge Beziehungen

In den vergangenen Monaten galt das Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu wegen ihrer Differenzen in der Iran-Politik als belastet. Vor der richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanjahu nun besonders wichtig, Einigkeit mit Trump zu demonstrieren.

Netanjahu - Trump
In den USA gibt es immer wieder Spekulationen darüber, Netanjahu könnte Trump zu den Angriffen auf den Iran überredet haben. (Archivbild) Quelle: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

Netanjahu hob vor dem Treffen hervor, dass es bereits seine achte Zusammenkunft mit Trump in dessen zweiter Amtszeit sei — mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef. Das bezeichnete er als großes Privileg und zugleich als große Verantwortung. Trump erklärte am Montag seinerseits, es gebe mit Blick auf den Iran zwar eine „kleine Unstimmigkeit“, insgesamt liege man aber nah beieinander.

Was Netanjahu von Trump will

Netanjahu machte zum Auftakt seiner USA-Reise deutlich, dass der Iran das wichtigste Thema seines Gesprächs mit Trump sein werde. Nach einem Bericht des israelischen Senders N12 will er dem US-Präsidenten Geheimdienstinformationen vorlegen, die auf einen Wiederaufbau iranischer militärischer Fähigkeiten hindeuten sollen. Dazu zählten demnach auch angebliche Bestrebungen des obersten iranischen Führers, Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf den Besitz einer Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran weist solche Vorwürfe seit Jahren zurück.

Die israelische Zeitung Times of Israel schrieb jedoch, es dürfte äußerst schwierig werden, Trump davon zu überzeugen, einen stockenden diplomatischen Prozess zugunsten eines neuen groß angelegten Militäreinsatzes aufzugeben. Hintergrund sind Medienberichte, wonach Netanjahu auch um ein amerikanisches „grünes Licht“ für weitere israelische Angriffe im Iran bitten könnte.

Selenskyj und Trump

Mehrere Begegnungen in kurzer Zeit

Trump und Selenskyj sind sich in den vergangenen Wochen mehrfach begegnet: Anfang des Monats beim Nato-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian. Bei beiden Treffen vertraten die USA auch gemeinsame Positionen zum Krieg in der Ukraine.

Im Wahlkampf hatte Trump versprochen, den russischen Angriffskrieg binnen 24 Stunden beenden zu können. Ein Durchbruch bei seinen Vermittlungsversuchen blieb bislang jedoch aus. Zudem richtete sich seine Aufmerksamkeit in den vergangenen Monaten stark auf den Konflikt mit dem Iran.

Verhältnis nach dem Eklat im Oval Office

Sollte Selenskyj nach Washington reisen, werden sofort Erinnerungen an den Zwischenfall im Oval Office wach. Kurz nach Beginn seiner Amtszeit hatte Trump seinen ukrainischen Amtskollegen dort vor laufenden Kameras heftig kritisiert und das Treffen abrupt beendet.

Danach entspannte sich das Verhältnis der beiden Staatschefs sichtbar, auch wenn Trump weiterhin vorgeworfen wurde, sich nicht deutlich genug von Russlands Präsident Wladimir Putin abzugrenzen. Einen Wendepunkt markierte laut Selenskyj ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025. In einem Interview in Kiew sagte er kürzlich, man habe in 15 bis 20 Minuten die Beziehung grundlegend verändert. Er sei darüber sehr froh, weil vom Dialog mit Trump viele Menschenleben abhingen.

Was Selenskyj bei Trump erreichen möchte

Kurz vor Grahams Tod traf Selenskyj den Trump-Verbündeten noch in Kiew. Der Senator sprach dort von Unterstützung aus dem Weißen Haus für ein neues Sanktionspaket gegen Russland. Die Initiative richtet sich unter anderem gegen Staaten, die russische Energieträger kaufen und damit zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine beitragen. Das Paket liegt seit längerer Zeit im Senat auf Eis. Nach Grahams Tod versuchen mehrere Senatoren, dieses zentrale Anliegen des Verstorbenen doch noch zum Abschluss zu bringen. In Kiew sieht man darin eine Chance, den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Ebenso wichtig sind für Selenskyj neue Lieferungen von Patriot-Abwehrraketen vor dem Winter. Zwar soll die Ukraine eine Produktionslizenz für diese Flugkörper erhalten. Der Aufbau einer eigenen Fertigung dürfte jedoch noch Monate dauern, und selbst dann werden die Stückzahlen angesichts der zunehmenden russischen Raketenangriffe den Bedarf kaum decken.

Mitte Juli hatte Selenskyj den Mindestbedarf für die drei Wintermonate mit 300 Patriot-Raketen beziffert. Allerdings kämpft Washington Berichten zufolge derzeit selbst mit sinkenden Beständen an Luftabwehrmunition — auch wegen des eigenen Kriegs gegen den Iran.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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