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Trump zwischen zwei Kriegen: Netanjahu und Selenskyj

Zwei Kriege, ein Präsident: Warum Trumps Treffen mit Netanjahu und Selenskyj heute explosiver sind als je zuvor.

28.07.2026, 05:00 Uhr

Trump trifft Selenskyj und Netanjahu im Weißen Haus – Graham-Trauerfeier bringt Verbündete zusammen, Lob aus Jerusalem und Bewegung bei Russland-Sanktionen

Die Trauerfeier für den gestorbenen US-Senator Lindsey Graham hat in Washington hochrangige Diplomatie ausgelöst. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nutzten die Gedenkveranstaltung für politische Gespräche in der US-Hauptstadt. US-Präsident Donald Trump empfing beide zuvor getrennt zu bilateralen Gesprächen im Weißen Haus. Auf Bildern war zudem zu sehen, wie Netanjahu und Selenskyj am Rande der Feier miteinander sprachen.

Graham war Mitte des Monats im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Gefäßerkrankung gestorben. Der Republikaner galt in Washington als einflussreicher Unterstützer sowohl Israels als auch der Ukraine. Die Gästeliste der Trauerfeier unterstrich seine außenpolitische Bedeutung.

Trump würdigte seinen langjährigen Verbündeten in einer Rede mit ungewöhnlich deutlichen Worten. Nirgendwo auf der Welt sei etwas ohne Grahams Meinung geschehen, und kein Gesetz sei ohne sein Mitwirken verabschiedet worden, sagte der Präsident. Graham sei „ein geliebter Freund, ein treuer Bruder, ein hoch angesehener Staatsmann, eine prägende Figur des US-Senats und ein wahres amerikanisches Original“ gewesen. „Es gab wirklich niemanden wie Lindsey Graham“, fügte Trump hinzu.

Nach den beiden Unterredungen im Weißen Haus erklärte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt auf X knapp, beide Treffen seien „positiv und produktiv“ verlaufen.

Selenskyj und Trump

Trump empfing Selenskyj zunächst im Weißen Haus. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten ging es dabei vor allem um zusätzliche Unterstützung für die ukrainische Luftverteidigung und um neue Impulse für diplomatische Bemühungen zur Beendigung des russischen Angriffskriegs.

Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen statt und dauerte US-Medien zufolge etwas mehr als eine Stunde. Anschließend erklärte Selenskyj auf X, mit Trump sei unter anderem über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen worden. Zudem habe man über weitere Schritte beraten, die der Ukraine bei der Abwehr russischer Raketenangriffe helfen könnten.

Außerdem sei es um eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen für ein Kriegsende gegangen. „Ich bin den Vereinigten Staaten dankbar für ihre feste Unterstützung“, erklärte Selenskyj. Die USA sehen sich in dem Krieg weiter als Vermittler. Diese Rolle war zuletzt allerdings in den Hintergrund geraten – auch infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran.

Mehrere Begegnungen in kurzer Zeit

Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen mehrfach getroffen – unter anderem am Rande internationaler Gipfel. Das Gespräch in Washington setzte diese Kontakte nun auf höchster Ebene im Weißen Haus fort.

Verhältnis mit Vorgeschichte

Mit Selenskyjs Besuch in Washington werden erneut Erinnerungen an den Eklat im Oval Office wach. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Trump seinen ukrainischen Kollegen dort vor laufenden Kameras scharf attackiert und das Treffen abrupt beendet.

Danach besserte sich das Verhältnis der beiden Staatschefs wieder, auch wenn Trump weiter vorgeworfen wurde, sich nicht deutlich genug von Russlands Präsident Wladimir Putin abzugrenzen. Einen Wendepunkt markierte nach Darstellung Selenskyjs ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025. Er sagte kürzlich, man habe die Beziehung in nur 15 bis 20 Minuten grundlegend verändert.

Was Selenskyj erreichen will

Für Kiew geht es neben möglichen neuen Sanktionen gegen Russland vor allem um zusätzliche Patriot-Flugabwehrraketen vor dem Winter. Die Ukraine soll zwar eine Lizenz zur eigenen Produktion dieser Flugkörper erhalten. Der Aufbau einer Fertigung dürfte jedoch noch Monate dauern, und auch später werden die Stückzahlen den Bedarf angesichts zunehmender russischer Raketenangriffe wohl kaum decken.

Mitte Juli hatte Selenskyj den Mindestbedarf für die drei Wintermonate auf 300 Patriot-Raketen beziffert. Zugleich gibt es Berichte, dass auch die US-Bestände an Luftabwehrmunition wegen des Kriegs gegen den Iran unter Druck geraten sind.

Kurz vor Grahams Tod hatte Selenskyj den Senator noch in Kiew getroffen. Graham galt als treibende Kraft hinter einem neuen Sanktionspaket gegen Russland, das im US-Senat seit längerer Zeit festhing.

Inzwischen gibt es dabei jedoch einen Fortschritt: Senatoren beider Parteien haben nach Angaben aus Washington eine Einigung erzielt. Bekannt wurde dies am Dienstag. Das Gesetz soll nach neu veröffentlichten Ergänzungen den Namen Grahams tragen. Es zielt vor allem auf russische Erdgas- und Ölexporte – eine zentrale Einnahmequelle des russischen Staates zur Finanzierung des Kriegs.

Demnach würde der US-Präsident ermächtigt, die fünf größten Käufer russischer Energieträger mit Sanktionen zu belegen sowie die fünf Länder, die Russland am stärksten bei der Umgehung von Energiesanktionen helfen. Das könnte die US-Handelsbeziehungen zu China und Indien zusätzlich belasten, die zu den wichtigsten Käufern russischen Öls zählen.

Medienberichten zufolge könnte der Senat das Gesetz noch in dieser Woche verabschieden. Das Repräsentantenhaus befindet sich jedoch bereits in der Sommerpause, weshalb das Paket voraussichtlich nicht vor September in Kraft treten dürfte.

Für den Abend wurde zudem erwartet, dass Selenskyj nach der Gedenkveranstaltung Senatoren beider Parteien trifft. Nach Informationen von The Hill wurden alle 100 Mitglieder des Senats zu dem Treffen eingeladen.

Netanjahu und Trump

Unmittelbar nach dem Gespräch mit Selenskyj empfing Trump auch Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Es war das erste persönliche Treffen der beiden seit Beginn des Iran-Kriegs – und es wurde mit besonderer Spannung erwartet, weil zuletzt Differenzen über den weiteren Kurs gegenüber Teheran sichtbar geworden waren.

Trumps Gespräch mit Netanjahu dauerte Berichten zufolge rund anderthalb Stunden. Im Anschluss ließ das Weiße Haus lediglich verbreiten, dass auch dieses Treffen positiv und produktiv verlaufen sei. Netanjahu selbst sprach anschließend in einer Videobotschaft von einem seiner besten Gespräche überhaupt mit Trump.

Erstes Treffen seit Beginn des Iran-Kriegs

Trump hatte Netanjahu zuletzt kurz vor Beginn des Iran-Kriegs im Februar im Weißen Haus empfangen. Seitdem hatte es kein persönliches Treffen mehr gegeben. Im Zentrum der Differenzen stand Berichten zufolge die Frage, wie es nach der militärischen Eskalation weitergehen soll: Israel wollte den Krieg demnach fortsetzen, während Trump eher auf eine diplomatische Lösung drängte.

Kurz vor dem Treffen schien Trump diesen Konflikt selbst anzudeuten. Im Gespräch mit Fox News sagte er mit Blick auf mögliche Informationen Netanjahus zu iranischen Aktivitäten an einer mutmaßlichen Atomanlage namens „Pickaxe Mountain“, er brauche „Bibi“ nicht, um ihm das zu sagen. Netanjahu erzähle ihm das, weil er wolle, dass die USA weiter involviert blieben.

Was Netanjahu Trump vorlegen will

Nach Berichten der New York Post wollte Netanjahu in Washington Geheimdienstinformationen präsentieren, wonach der Iran an dem Standort „Pickaxe Mountain“ im Zentraliran nukleare Bestrebungen vorantreibe.

Der israelische Sender N12 berichtete zudem, Netanjahu wolle Trump Informationen über mutmaßliche Versuche des Irans vorlegen, seine militärischen Fähigkeiten wiederaufzubauen. Dazu zählten auch angebliche Bestrebungen von Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf den Besitz einer Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran weist solche Vorwürfe seit Jahren zurück. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu Trump außerdem um Zustimmung zu weiteren israelischen Angriffen im Iran bitten.

Belastete, aber enge Beziehungen

In den vergangenen Monaten galt das Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu wegen ihrer Differenzen in der Iran-Politik als angespannt. Vor der richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanjahu besonders wichtig, Einigkeit mit Trump zu demonstrieren.

Trump ließ vor dem Treffen erkennen, dass er eine Vereinbarung mit dem Iran schwereren militärischen Schritten vorziehen würde. Nach seiner Darstellung hatte auch Lindsey Graham in den Wochen vor seinem Tod eine Einigung mit Teheran als den besseren Weg angesehen.

Gedenkveranstaltung für Graham

Im Anschluss an die politischen Gespräche in Washington kamen zahlreiche hochrangige Gäste zur Trauerfeier für Lindsey Graham zusammen. Der verstorbene Senator hatte sich im US-Kongress als wichtiger Fürsprecher Israels und der Ukraine profiliert. Dass sowohl Netanjahu als auch Selenskyj anreisten und darüber hinaus im Weißen Haus bei Trump vorsprachen, unterstrich den außenpolitischen Einfluss, den Graham über Jahre in Washington aufgebaut hatte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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