Neue Bemühungen um Feuerpause im Konflikt zwischen den USA und dem Iran
Während die US-Angriffe im Iran inzwischen seit zehn Nächten andauern, arbeiten mehrere Vermittlerstaaten laut Medienberichten an einer neuen Unterbrechung der Kämpfe. Nach Informationen von Axios und dem Wall Street Journal haben Katar, Ägypten, Pakistan und weitere regionale Akteure beiden Seiten eine zehntägige Waffenruhe vorgeschlagen.
Hintergrund der Initiative ist die Sorge, Washington und Teheran könnten in eine anhaltende Eskalationsspirale geraten: kein offener Großkrieg, aber ein Dauerzustand, der die Wirtschaft der Region massiv belastet. Der Vorschlag werde nach US-Angaben derzeit in Washington geprüft. Zugleich hätten die USA Israel aufgefordert, nichts zu unternehmen, was laufende diplomatische Bemühungen gefährden könnte.
Trump empfängt Libanons Präsidenten
US-Präsident Donald Trump will heute den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus empfangen. Es ist der erste Besuch eines libanesischen Staatsoberhaupts in Washington seit 2009. Im Mittelpunkt dürfte die Stabilisierung der bestehenden Waffenruhe zwischen Israel und der im Libanon aktiven, mit dem Iran verbündeten Hisbollah stehen.
Seit April führen Israel und der Libanon erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Die libanesische Regierung ist dabei selbst keine Kriegspartei, die Hisbollah nimmt an den Verhandlungen nicht teil. Die USA und Israel drängen auf eine Entwaffnung der Miliz, was diese bislang ablehnt. Aoun hofft seinerseits, Trump könne auf Israel einwirken, damit dessen Truppen den Südlibanon vollständig verlassen. Trotz der Feuerpause greift Israel dort weiterhin Ziele an.

Teheran verknüpft ein dauerhaftes Abkommen mit Washington nach Berichten nicht nur mit Forderungen rund um die Straße von Hormus, sondern auch mit einem langfristigen Ende der Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah.
Neue Angriffe und harte Drohungen
Vorerst setzt sich die Gewalt jedoch fort. Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, der Iran werde jeden getöteten US-Soldaten „um ein Vielfaches“ vergelten müssen. Kurz darauf erklärte das US-Regionalkommando Centcom die jüngste Angriffswelle am Morgen für beendet. Nach eigenen Angaben wurden erneut militärische Ziele attackiert, darunter Flugabwehrsysteme, Kommandoeinrichtungen sowie Abschussrampen für Drohnen und Raketen.
Iranische Medien meldeten Explosionen in mehreren Landesteilen, darunter nahe Konarak in der Provinz Sistan-Belutschistan, in der Hafenstadt Tschahbahar am Golf von Oman, in Schiras, bei der Insel Gheschm in der Straße von Hormus sowie in Bandar Abbas. Nach Darstellung des US-Militärs sollen die Angriffe iranische Attacken auf Handelsschiffe in der strategisch wichtigen Straße von Hormus unterbinden.
Erneut Tanker in der Straße von Hormus getroffen
Trotzdem wurde dort wieder ein Tanker angegriffen. Die britische Behörde für maritime Sicherheit UKMTO teilte in der Nacht mit, ein Schiff sei vor Omans Küste von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden. Bereits einen Tag zuvor war in derselben Region ein anderes Schiff attackiert worden und in Brand geraten. Der Iran fordert, dass Schiffe nur noch eine Route entlang seiner Küste nutzen, die nach seiner Darstellung die einzige sichere Passage sei.
Kuwait meldet Abwehr iranischer Angriffe
Auch Kuwait wurde nach eigenen Angaben erneut beschossen. Das Militär des Golfstaats erklärte auf X, in der Nacht „feindliche Raketen- und Drohnenangriffe“ abgewehrt zu haben. Kuwait gehört wie andere Länder mit US-Militärstützpunkten in der Region immer wieder zu den Zielen iranischer Gegenangriffe.
Frühere Vereinbarungen faktisch ausgehöhlt
Mitte Juni hatten die USA und der Iran ein Rahmenabkommen vereinbart, das einen Weg zu einem Kriegsende eröffnen sollte. Zudem galt seit April eine Waffenruhe, die Trump inzwischen jedoch für beendet erklärt hat. Auch Teheran sieht sich offenbar nicht länger an die damalige vorläufige Verständigung gebunden.
Die jüngste Eskalation hat zugleich die Sorge verstärkt, dass auch der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah wieder aufflammen könnte. Zwar hatten die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zuletzt zu einem Rahmenabkommen geführt, das auch einen israelischen Truppenabzug und die Entwaffnung der Miliz vorsieht. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass sich ein vollständiger Rückzug noch über Monate oder länger hinziehen könnte.
Pilotzonen im Südlibanon als Test
Einen festen Zeitplan gibt es bislang nicht. Am Montag wurden im Südlibanon erste sogenannte Pilotzonen eingerichtet. Sie sollen als Test für einen weiteren israelischen Rückzug dienen. In diesen Gebieten sollen die libanesischen Streitkräfte schrittweise die Kontrolle übernehmen, während sich die israelische Armee parallel zurückzieht.
Die derzeitige Waffenruhe gilt als möglicher Ausgangspunkt für eine dauerhafte Friedensregelung zwischen Israel und dem Libanon. Ob daraus tatsächlich ein stabiler Frieden entsteht, ist jedoch offen.
Friedensaussichten bleiben unklar
Auch im Krieg zwischen den USA und dem Iran ist weiterhin völlig ungewiss, ob eine neue Feuerpause zustande kommen kann. Trotz der laufenden Vermittlungsversuche gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass eine der beiden Seiten bereit ist, die Kämpfe kurzfristig einzustellen.
US-Medien berichten stattdessen, Washington verlege zusätzliche Kampfjets und Tankflugzeuge in die Region. Der iranische Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte auf X, dies zeige, dass die USA es mit einem Kriegsende nicht ernst meinten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber