Iran

Trump jubelt: Hormus ist wieder offen

Trump meldet die Straße von Hormus unter US-Kontrolle – doch Teheran dürfte diese Machtdemonstration kaum hinnehmen.

11.08.2026, 05:00 Uhr

US-Präsident Donald Trump zufolge ist der Streit um die Wiederöffnung der Straße von Hormus im Wesentlichen entschieden. Nach einer Minenräumung sei die Passage für den Schiffsverkehr wieder offen und werde nun „zu 100 Prozent“ von den Vereinigten Staaten kontrolliert, sagte er im Weißen Haus. Zwar platziere der Iran gelegentlich noch Minen, diese würden jedoch entdeckt und unschädlich gemacht. Zugleich forderte Trump von der Führung in Teheran Entschädigungszahlungen.

Der Iran reagierte zunächst nicht auf diese Darstellung. Die Islamische Republik hatte zuletzt erklärt, eine Öffnung der wichtigen Seestraße hänge von Zugeständnissen der USA und ihrer Verbündeten ab. Zudem wollte Teheran Gebühren für die Durchfahrt erheben. Erst am Sonntag hatte die britische Behörde UKMTO gewarnt, die Lage in der Meerenge bleibe wegen Angriffen der iranischen Revolutionsgarden auf Handelsschiffe und weiterer Behinderungen weiterhin ernst.

Seit Längerem ringen die Konfliktparteien um eine vollständige Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in der faktisch blockierten Straße von Hormus. Über diese Route wird ein großer Teil der Öltransporte aus den Golfstaaten abgewickelt. Der iranische Nationale Sicherheitsrat knüpfte eine Öffnung unter anderem an ein Ende aller US-Drohungen, die Aufhebung der Blockade iranischer Häfen, den Abzug amerikanischer Truppen aus der Region sowie an umfassende finanzielle Entschädigungen für Kriegsschäden. Diese Punkte hatte Teheran schon früher als Voraussetzungen für Gespräche mit Washington genannt.

Straße von Hormus
Trump sagt, die Straße von Hormus sei geöffnet, die Minen seien geräumt. (Archivbild) Quelle: Wen Xinnian/Xinhua/dpa

Vor Kriegsbeginn lief der Schiffsverkehr weitgehend normal

Vor dem Ende Februar begonnenen Krieg der USA und Israels gegen den Iran verlief die Schifffahrt zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman größtenteils ohne größere Störungen. Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde über die Straße von Hormus transportiert. Auch für Flüssiggas und Düngemittel ist die Route von zentraler Bedeutung.

Mit Beginn des Krieges setzte der Iran den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen stark unter Druck, sodass er beinahe zum Stillstand kam. In der Folge zogen die Preise für Öl und Gas auf dem Weltmarkt deutlich an. Nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance verfolgt Washington das Ziel, den Energie-Transport durch die Meerenge wieder auf das Niveau vor dem Krieg zu bringen.

Trump macht Entschädigungen zur Bedingung

Wie die iranische Führung koppelte auch Trump weitere Verhandlungen an die Frage von Entschädigungen. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte er, der Iran solle für jedes Opfer zahlen, für dessen Tod oder Verletzung der Machtapparat in Teheran verantwortlich sei. Auch die Familien von Demonstranten, die in den vergangenen 50 Jahren getötet worden seien, müssten entschädigt werden.

Darüber hinaus verlangte Trump, der Iran müsse auch für Tötungen und Schäden im Libanon, in Syrien, im Jemen und im Gazastreifen zur Rechenschaft gezogen werden. Er habe seine Unterhändler angewiesen, dieses Thema in künftigen Gesprächen mit Nachdruck einzubringen. Zur möglichen Höhe solcher Forderungen äußerte er sich nicht.

Wadephul verlangt freie Passage ohne Vorbedingungen

Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte Teheran in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi auf, endlich konstruktiv mit den Nachbarstaaten der Region und den USA zu verhandeln, um den Konflikt zu beenden. Auf X schrieb er, die Straße von Hormus müsse ohne Bedingungen geöffnet werden, damit die Schifffahrt für alle frei und sicher möglich sei.

Aus Teheran kamen jedoch keine Signale des Einlenkens. Im Gegenteil: Außenamtssprecher Ismail Baghai warf US-Finanzminister Scott Bessent auf X vor, damit geprahlt zu haben, den Iran mit Sanktionen „ersticken“ zu wollen. Wenn Washington keine Diplomatie zustande bringe, greife es immer wieder zu Strafmaßnahmen und verschärfe diese weiter. Spöttisch bezeichnete Baghai dies als eine „Sucht“, die das Denken verdrängt habe.

Bessent hatte bereits Anfang Mai erklärt, die USA wollten den Iran durch wirtschaftlichen und finanziellen Druck „ersticken“. Ende Juli verschärfte die US-Regierung den Druck mit neuen Sanktionen erneut.

Teheran besetzt Spitzenposten im Militär neu

Parallel dazu ordnete der Iran mehrere Personalwechsel in der Militärführung an. Auf einem Telegram-Kanal, der Mitteilungen des obersten Führers Modschtaba Chamenei verbreitet, wurden Dekrete zu sechs Neubesetzungen veröffentlicht. Besonders auffällig sind zwei Entscheidungen: Ahmad Wahidi wurde zum General befördert und nun auch offiziell zum Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden ernannt, eine Rolle, die er seit dem Tod seines Vorgängers faktisch bereits innehatte. Außerdem übernimmt der Geheimdienstveteran Hossein Taeb die Führung der paramilitärischen Basidsch-Milizen.

Nachdem bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen vor allem zu Beginn des Krieges gezielt ranghohe Militärs getötet worden waren, könnten die Personalentscheidungen dazu dienen, die Führungsstrukturen wieder klarer zu ordnen. Zugleich lassen sich die Ernennungen als Hinweis darauf verstehen, dass Teheran sich womöglich von einem akuten Krisenmodus in Richtung Konsolidierung seines Machtapparats bewegt.

Iranische Medien veröffentlichten Bilder von der Ernennungszeremonie, auf denen Chamenei allerdings nicht zu sehen ist. Seit seiner Ernennung zum obersten Führer vor mehr als vier Monaten ist er nicht mehr öffentlich aufgetreten. Deshalb halten die Spekulationen über seinen Aufenthaltsort und seinen Gesundheitszustand an.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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