Vor der Küste Omans ist in der Straße von Hormus erneut ein Handelsschiff attackiert worden. Nach Angaben der britischen Seefahrtsicherheitsbehörde UKMTO geriet ein Frachter rund 37 Kilometer nordöstlich des omanischen Ortes Al Chasab unter Beschuss. Zu möglichen Schäden oder Verletzten an Bord lagen zunächst keine Angaben vor.
Diplomatische Bemühungen laufen weiter
Trotz neuer Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran gehen die Bemühungen um eine politische Entschärfung des Konflikts weiter. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, sagte in Doha, in der Region arbeiteten alle Seiten gemeinsam daran, eine weitere Eskalation zu verhindern. Die diplomatischen Gespräche seien bereits weit fortgeschritten.
Eine Lösung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus könnte nach Angaben aus Katar und den USA schon bald zustande kommen. US-Finanzminister Scott Bessent stellte eine mögliche Öffnung der Meerenge noch für heute oder morgen in Aussicht. Dem Sender CNBC sagte er, es liefen Gespräche mit dem Iran und es gebe Chancen auf eine rasche Einigung. Auf die Frage nach möglichen Gebühren für die Durchfahrt erklärte er, er rechne mit freier Passage.
Auch US-Außenminister Marco Rubio sprach in Washington von Gesprächen über die Meerenge zwischen dem Iran und Oman, an denen die USA beteiligt seien. Es habe Fortschritte gegeben, eine endgültige Einigung gebe es aber noch nicht. Er äußerte die Hoffnung, dass diese sehr bald erreicht werde.
Aus Katar hieß es ebenfalls, eine Vereinbarung sei bislang noch nicht erzielt, dies könne sich jedoch in den nächsten Stunden oder Tagen ändern.
Trump erhöht den Druck auf Teheran
Trump hatte dem Iran am Montag erneut mit scharfen Worten gedroht, um eine Verhandlungslösung zu erzwingen. Im Weißen Haus sprach er davon, Teheran eine letzte Chance geben zu wollen. Nach seiner Vorstellung soll zunächst die wichtige Meerenge zwischen Iran und Oman wieder geöffnet werden. In einem zweiten Schritt soll dann der Streit um das iranische Atomprogramm angegangen werden.
Wie weit die Verhandlungen tatsächlich gediehen sind, bleibt jedoch unklar. Aus dem Iran hieß es, derzeit gebe es lediglich Kontakte über Vermittler, aber keine direkten Gespräche mit den USA.
Iran bringt neues Routenmodell für Schiffe ins Spiel
Teheran hat inzwischen ein Modell mit getrennten Ein- und Ausfahrtsrouten für Schiffe vorgeschlagen. Demnach könnten Frachter gemeinsam mit Oman auf einer nördlichen Strecke durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren. Für die Rückfahrt nach Stopps in iranischen oder arabischen Golfhäfen wäre dann eine südliche Route durch omanische Gewässer vorgesehen.
Nach einem Bericht der New York Times, die sich auf iranische und US-Beamte beruft, stößt dieser Plan im US-Verteidigungsministerium jedoch auf Vorbehalte. Dort wird demnach befürchtet, eine solche Regelung käme einem politischen Nachgeben gegenüber dem Iran gleich. Hinzu kommt dem Bericht zufolge, dass in omanischen Gewässern weiterhin viele iranische Seeminen liegen sollen, was Durchfahrten dort nur mit enger Abstimmung mit Teheran ermöglichen würde.
Eine solche Lösung würde dem Iran zudem erheblichen Einfluss verschaffen: Die Führung in Teheran könnte kontrollieren, welche Schiffe in den Persischen Golf einfahren, Kriegsschiffen den Zugang verwehren und möglicherweise Gebühren für die Passage verlangen.
Schifffahrt im Nahen Osten weiter unter Druck
Auch wenn direkte Angriffe zwischen den USA und dem Iran zuletzt ausgeblieben sind, bleibt die Lage für die Handelsschifffahrt angespannt. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar kommt es in der strategisch wichtigen Meerenge immer wieder zu Angriffen auf Tanker und andere Schiffe durch iranische Streitkräfte. Der Schiffsverkehr in der Passage, die für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung ist, wurde dadurch nahezu zum Stillstand gebracht.
Wie stark der Verkehr bereits eingebrochen ist, zeigen neue Daten des Analysehauses Kpler: Am Montag passierten demnach nur neun Schiffe die Straße von Hormus. In der vergangenen Woche waren es im Tagesdurchschnitt noch etwa 16 Schiffe.
Die Folgen reichen weit über die Region hinaus: Weil die Straße von Hormus für den Energieexport von entscheidender Bedeutung ist, trieb der Einbruch der Schifffahrt die Preise an den weltweiten Energiemärkten nach oben und setzte auch die USA unter Druck.
Zusätzlich ist auch ein weiterer zentraler Seeweg beeinträchtigt. Durch Drohungen und Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz im Jemen auf Saudi-Arabien steht auch die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers unter Druck.
Streit um Kontrolle der Passage als Kriegsfaktor
Der Konflikt um die Kontrolle und Regelung der Durchfahrt durch die Straße von Hormus gilt als ein wichtiger Auslöser der jüngsten Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Vor Ausbruch des Krieges war die Passage für die internationale Schifffahrt ohne Einschränkungen nutzbar.
Am 28. Februar hatten die USA gemeinsam mit Israel begonnen, den Iran anzugreifen. Im Gegenzug attackierte der Iran Verbündete der USA am Persischen Golf und in der weiteren Region. Trump betont seither immer wieder, Teheran dürfe niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen.
Ursprünglich hatte Trump den Eindruck erweckt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen zieht sich der Krieg seit rund fünf Monaten hin. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, die Lage falsch eingeschätzt zu haben, und warnen vor einem langwierigen Krieg.
Auch innenpolitisch wächst der Druck auf Trump. Schlechte Umfragewerte und die anstehenden Zwischenwahlen zum US-Parlament am 3. November setzen den Präsidenten zusätzlich unter Zugzwang. Die Republikaner wollen dabei ihre knappen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus verteidigen.
Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon
Der Iran-Krieg führte Anfang März auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon mit gegenseitigen Angriffen. Im Libanon wurden dabei nach Behördenangaben mehr als 4.000 Menschen getötet.
Seit April führen die libanesische und die israelische Regierung erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Diese wurden nun in Rom in einer neuen Runde fortgesetzt, wie die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete. Thema ist die weitere Umsetzung ihres Sicherheitsabkommens. Nach Angaben aus libanesischen Regierungskreisen spielt dabei ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah eine zentrale Rolle.
Washington vermittelt in dem Konflikt und versucht dabei auch, eine Lösung unabhängig vom Iran zu erreichen, der als wichtiger Verbündeter der Hisbollah gilt. Die Miliz selbst sitzt nicht mit am Verhandlungstisch.
Das bisherige Rahmenabkommen sieht sowohl den Abzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon als auch eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt. Die laufende Runde in Rom ist die siebte und soll bis Donnerstag fortgesetzt werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber