Prozess in Ellwangen nach tödlichem Schuss auf Ehefrau unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gestartet
Begleitet von einem massiven Sicherheitsaufgebot hat vor dem Landgericht Ellwangen der Prozess gegen einen 37-jährigen Mann begonnen. Er soll seine 38 Jahre alte Ehefrau im vergangenen Februar am gemeinsam betriebenen Dönerimbiss in Schrozberg im Landkreis Schwäbisch Hall erschossen haben – ausgerechnet am Geburtstag des ältesten der drei gemeinsamen Kinder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor und geht von Heimtücke sowie niedrigen Beweggründen aus.
Zum Auftakt des Verfahrens wurde zunächst nur die Anklage verlesen. Bis Ende September sind noch fünf weitere Verhandlungstage vorgesehen.
Staatsanwaltschaft sieht Eifersucht als Motiv
Nach Darstellung der Anklage soll der Mann aus Eifersucht gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, der 37-Jährige habe sich durch ein vermeintliches Verhalten seiner Frau in seiner Ehre verletzt gesehen. Demnach soll er geglaubt haben, sie bestrafen und seine Ehre durch die Tat wiederherstellen zu müssen. Neben einem übersteigerten Ehrverständnis spielt aus Sicht der Anklage auch Besitzdenken eine Rolle.
Frau soll auf Feuertreppe aufgelauert worden sein
Laut Gericht soll der Angeklagte am 10. Februar auf einer Feuertreppe hinter dem Imbiss auf seine Frau gewartet haben. Als sie das Geschäft durch den Hinterausgang verlassen wollte, um über die Treppe zur gemeinsamen Wohnung zu gelangen, soll er aus erhöhter Position mit einer Walther PPK geschossen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fiel der Schuss aus einer Entfernung von etwa 40 bis 50 Zentimetern direkt in die Stirn der Frau. Die 38-Jährige starb noch am Tatort an ihren schweren Verletzungen.
Nach Auffassung des Gerichts soll die Frau keinen Angriff erwartet haben. Die Anklage wertet dies als Ausnutzung ihrer Arg- und Wehrlosigkeit und damit als Heimtücke.
Angeklagter sitzt seit Februar in Untersuchungshaft
Der Mann war noch am Tattag vorläufig festgenommen worden. Nach bisherigen Angaben soll er selbst die Polizei verständigt haben. Einen Tag später wurde Haftbefehl erlassen. Seitdem befindet sich der 37-Jährige in Untersuchungshaft.
Wie ein Gerichtssprecher mitteilte, stammen beide Eheleute aus demselben Dorf in der Türkei und gehören der kurdischen Volksgruppe an. Der Angeklagte besitzt laut Anklage die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit. Die drei gemeinsamen Kinder sind 9, 16 und 18 Jahre alt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber